Symbole&Kirchenraum

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Autor: Eckhard Bieger S.J.
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Umsetzung:
B. Richter nach Vorlage von R. Jouaux


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Gotik



das Licht als Bauidee



Wer eine gotische Kirche betritt, findet sich in einem von Fenstern bestimmten Raum vor. Nicht mehr Wände und Gewölbe, wie in der Romanik, sondern Säulen und in Kreuzrippen aufgelöste Gewölbe dienen als Rahmen und Strukturelemente für die großen Fensterflächen.
Kirchen aus Säulen und Kreuzrippengewölben zu errichten, verstand man schon in der Romanik. So würde der Speyrer Dom stehen bleiben, wenn man die Wandflächen herausnähme. Man hat das aber erstmals in St. Denis in der Mitte des 12. Jahrhunderts getan. Eine neue Idee setzte anstelle der Wände bemalte Glasfenster, denn eine neue religiöse Bewegung hatte das Denken der Menschen erfasst. Es ging nicht mehr darum, der Kirche in den nach der Völkerwanderung neu entstandenen Staaten und Gemeinwesen eine Form zu geben, die in der Romanik sowohl der weltlichen wie der geistlichen Macht ihren Platz zuwies. Auf der Basis des Erreichten erfasste die Menschen eine Sehnsucht nach dem Göttlichen. Sie wollten nicht mehr die menschliche Gesellschaft ordnen, die Dämonen und Feinde niederhalten, sondern einen Blick in den Himmel werfen, um so die Einheit von geschaffener und himmlischer Welt zu erleben. Das Licht verband nach der Vorstellung der damaligen Philosophie die himmlische und die irdische Welt. Das ist eine uns fremde Vorstellung, weil wir wissen, dass das Licht ein physikalisches Phänomen ist, eine Ausformung von Energie, die als Wellenbewegung beschrieben werden kann. Bis zu diesen Erkenntnissen der Naturwissenschaft hielten die Menschen das Licht für etwas Immaterielles und mehr den himmlischen Sphären zugeordnet. Die Sonne und die Gestirne leuchten, nicht aber Gegenstände auf dieser Erde, wenn sie nicht von oben her beleuchtet werden. Aber auch Gegenstände haben Anteile am Licht, so Edelsteine, aber auch die Kohle. Je mehr Anteile ein geschaffenes Gut am Licht hat, desto himmlischer, desto mehr Gott ähnlich erschien es den Menschen. Der Mensch selbst gewinnt seine Erkenntnis durch das Licht, indem er vom göttlichen Geist erleuchtet wird. Diese Vorstellung hat auch die Moderne geprägt. Das Zeitalter der Aufklärung, das die Vernunft anstelle Gottes an die oberste Stelle rückt, nennt sich in Frankreich und England "Zeitalter des Lichtes". Wenn etwas hell ist, dann können wir es erkennen, durchschauen. Dunkel sind die Unwissenheit und das Böse.
Die christliche Lichtmystik:
Der Evangelist Johannes nennt den menschgewordenen Sohn Gottes "das Licht".
" In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht erfasst. ......
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt."
Kap 1, Verse 4,5 und 9
Wer im Licht ist, hat Zugang zu Gott, das Licht vermittelt das Aufsteigen in die himmlische Welt. Der Mittler, der menschgewordene Gott, ist selbst das Licht. Das Licht ist zugleich das schöpferische Prinzip. Johannes sagt, dass durch ihn "alles geworden ist". "Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden." (Vers 10).
Die Gotik hat diese Theologie des Lichtes gebaut. Sie hat anstelle der in der Romanik bemalten Mauern Bilder gesetzt, die vom Licht durchstrahlt werden. Diese Bilder stellen wie die Skulpturen die Bewohner des Himmels, die Heiligen dar und Szenen aus der Bibel. Das irdische Leben ist von geringem Interesse und findet allenfalls in der Darstellung der Jahreszeiten Erwähnung. Der Abt Suger, Erbauer der ersten gotischen Kirche, St. Denis, heute eine nördlicher Stadtteil von Paris, schreibt:
" Das ganze Heiligtum ist von einem wundervollen, ununterbrochenen Licht erleuchtet, das durch die heiligsten Fenster eindringt." Hugo von St. Victor, ein Zeitgenosse des Abtes Suger, spricht von den bemalten Fenstern als geistlichen Sinnen, die uns von unserer Blindheit erlösen.

 

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