Symbole&Kirchenraum

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Autor: Eckhard Bieger S.J.
© www.kath.de
Umsetzung:
B. Richter nach Vorlage von R. Jouaux


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Barock



Ein Blick in den Himmel



Fast alle Barockkirchen haben als zentrales Motiv die Himmelfahrt Mariens, meist auf dem Altarbild dargestellt. Diese Himmelsperspektive ist die Reaktion auf die Todeserfahrung des Dreißigjährigen Krieges. Deutschland musste neu aufgebaut werden, das Mittelalter war nicht mehr zurückzuholen. Neue Impulse für das Bauen kamen auch von den Naturwissenschaften und der Mathematik. Wie die Erfindung der Kreuzrippe den Dombauhütten der Gotik eine größere Bauhöhe ermöglichte, so sind die Raumkompositionen des Barock durch die mathematische Berechnung der Kurven möglich geworden. Leibniz und Newton hatten gleichzeitig die Differentialrechnung und damit die exakte Berechnung von Kurven entwickelt. Das machten sich die Architekten zunutze. Eine barocke Fassade oder ein aus mehreren Ellipsen und Kreisen komponierter Kirchenraum sind Ergebnisse aus der Verbindung von Mathematik und Architektur. Die Entdeckungen der spanischen und portugiesischen Kapitäne finden sich in vielen barocken Gemälden wieder, die die damals bekannten vier Kontinente, Indianer und Chinesen, Pflanzen und Tiere der neu entdeckten Regionen der Welt darstellen. Die barocken Schlösser haben einen direkten Einfluss auf die Konzeption barocker Kirchenräume. Diese sind als himmlischer Festsaal entworfen. Denn eine barocke Kirche ist wie ein Thronsaal konzipiert. Anders als in der Basilika sitzt nicht der Bischof unter der Wölbung der Apsis, sondern der Tabernakel ist in die Mitte gerückt. War in gotischen Kirchen das Sakramentshäuschen noch an der Seitenwand des Chorraums aufgestellt, steht der Tabernakel jetzt auf dem Altar. Wo der Fürst im Schloss Platz nimmt, "thront" der im eucharistischen Brot gegenwärtige Christus im Schnittpunkt der Linien, die im Chorraum zusammenlaufen. Der Altar und was auf ihm geschieht wird in eine Dynamik nach oben einbezogen. Das zeigt sich an einem Motiv, das wir wie selbstverständlich mit dem Barock verbinden, die unterbrochene Begrenzung nach oben. Was ein Fenstersturz werden könnte, besteht aus zwei Ansätzen für einen Rundbogen. Dieser, auch "Sturzbogen" genannte Oberbegrenzung eines Fensters lässt eine Öffnung frei, in die oft ein Bild eingefügt ist. Säulen sind ein weiteres Element, das die Linie nach oben betont.
Anders als in der Romanik und Gotik sind die Gewölbe nicht nur durch ihre Rundung dem Himmel ähnlich, vielmehr eröffnen die Deckengemälde des Barock einen Blick in den Himmel, so wie es die Visionen der Mystiker beschreiben. Dort sieht der Besucher die Heiligen, oft den Ordensgründer oder Kirchenpatron, und oben thronend die Heilige Dreifaltigkeit, Vater und Sohn und den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Das Altarbild zeigt im oberen Bereich oft auch die Dreifaltigkeit, sie krönen die in den Himmel aufgenommene Maria.
Mit der zentralen Stellung des Tabernakels greift der Barock eine durch den Kirchbau formulierten Glaubenssatz wieder auf, der in den Basiliken des römischen Reiches bereits Ausdruck fand. Nicht der weltliche Fürst ist der wahre Herr, sondern der im Himmel thronende und im eucharistischen Brot gegenwärtige Christus ist der Kyrios, dem sich die Christen unterwerfen. Denn dieser Herr wird sie in sein himmlisches Reich aufnehmen. Davon geben die Bilder und Deckengemälde eine Ahnung, von dem Glanz und der Schönheit des Himmels, von der Nähe zu Gott, von der Gemeinschaft der Heiligen. Sie werden nicht als Seelen dargestellt, sondern mit ihrem Leib, denn dieser wird auch im Himmel zum Menschen gehören.
In den Dienst des Himmels stellt der Barock auch die Musik. Musizierende Engel zeigen, dass sich die im Kirchenraum singende Gemeinde mit den himmlischen Orchestern zu einem neuen Klang verbindet.
Der Barock hat die anderen Künste immer mit einbezogen. Ob Schloss oder Kirche, die Raumkomposition ist für das große Fest entworfen. Während wir heute die bedeutendsten und höchsten Gebäude als Büros planen, baute der Barock sich in den Schlössern und Kirchen das Bühnenbild für die Feier von Festen. Im Schloss wird der Herrscher gefeiert, in den Kirchen die Erlösung des Menschen durch Gott. Dafür wurde die Musik komponiert, im katholischen Bereich die Messen, im evangelischen die Kantaten. In den Bildern werden die Festgeheimnisse dargestellt. Calderon und die Jesuiten haben Theaterstücke geschrieben und aufgeführt, die das ausdrückten, was viele barocke Skulpturen zeigen: Das Religiöse ist ein Kampf, es braucht Elan und Mut, sich zum Guten durchzuringen. Die Anstrengung, die Auseinandersetzung wird mit der himmlischen Schau belohnt, die auf den Deckenfresken dargestellt ist.

 

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