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Wenn Texte, vor allem der jüdischen Bibel, allegorisch ausgelegt werden, sucht man nicht den Literalsinn, sondern eine Bedeutung für den christlichen Glauben. Man versucht, in den Texten Hinweise für die Bedeutung einzelner Personen und der Kirche zu finden. Aus dem Literalsinn, der jeder allegorischen Deutung zugrunde liegt, werden christliche Glaubensinhalte weiter ausgedeutet. Die allegorische Schriftauslegung lieferte die theologische Konzeption für den mittelalterlichen Kirchbau. (s. Kap. 1, "Symbolisch sehen") die Wortbedeutung kommt aus dem Griechischen und heißt "etwas anders sehen". So stellt eine Frau mit verbunden Augen mit einer Waage in der Hand die Gerechtigkeit dar. Ihre Augen sind deshalb verbunden, damit sie ohne Ansehen der Person urteilt. In die Waage werden die Argumente für oder gegen eine Verurteilung des Angeklagten gelegt. Bereits die griechischen Philosophen legten die Göttermythen allegorisch aus, um einen tieferen, verborgenen Sinn zu erkennen. Der Barock hat die Allegorie in Werken der Dichtung und der darstellenden Kunst intensiv genutzt. U.a werden Tugenden und Laster wie auch Kontinente und Völker als allegorische Personen dargestellt. Die Darstellung der Laster als Masken bereits im Mittelalter prägt bis heute das Karnevalsbrauchtum. Allegorisch sind auch die Darstellungen der Synagoge mit verbunden Augen, die meist einer anderen Frau, Ekklesia genannt, gegenübergestellt wird. Sogar Christus kann allegorisch dargestellt werden. So steht in dem Deckengemälde im Treppenaufgang des Würzburger Schlosses der Gott Apoll für Christus.
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