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Die reale Gegenwart
Jesu in Brot und Wein
Realpräsenz ist
das lateinische Wort für „wirkliche Gegenwart“.
Dieser Begriff ist für eine theologische Fragestellung entwickelt
worden: Wie ist Jesus Christus in Brot und Wein gegenwärtig,
wenn die Christen sein Gedächtnismahl feiern?
Im Mittelalter wurde um diese Frage heftig gerungen. Man wollte
genauer beschreiben können, was das für ein Brot ist,
das die Christen beim Kommuniongang empfangen und was sie verehren,
wenn die Hostien im Tabernakel aufbewahrt werden.
Jesus hat selbst im Abendmahlssaal das Brot mit den Worten gebrochen: „Dies
ist mein Leib“ und den Kelch mit der Erklärung herum
gereicht: „Dies ist mein Blut“. [Mt 26,26-28;Mk 14,22-24;Lk
22,19f;1 Kor 11,23-26] Wenn diese Worte vom Priester bei der Eucharistiefeier
gesprochen werden, dann spricht man von Wandlung. Was geschieht
in der Wandlung? Etwas ändert sich. Offensichtlich werden
das Brot und der Wein gewandelt. Wie kann man sich das aber vorstellen,
denn Brot und Wein verändern sich nach außen nicht,
sie schmecken wie Brot und wie Wein. Wenn aber Brot und Wein nicht
nur Hinweise auf den Leib und das Blut Jesu sein sollen, muß man
die offensichtliche Beobachtung mit der Aussage der Sätze
Jesu in Übereinstimmung bringen „Dies ist mein Leib“, „Dies
ist mein Blut“.
Wenn Jesus Christus wirklich und wesenhaft und nicht rein gedacht
unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig sein soll,
genügt es nicht zu sagen, daß etwas in die Gaben hineingekommen
(Impanation) und bzw. etwas hinzugekommen ist (Konsubstantiation),
sondern daß Brot und Wein in ihrem Wesen verwandelt sind.
Dafür wurde der Begriff „Transsubstantiation“ als
geeignet gesehen. Wenn sich das Wesen der Gaben verändert,
also eine andere Substanz wird, dann ist Jesus Christus in Brot
und Wein wirklich gegenwärtig, real präsent. Die Substanz
selbst ist verwandelt, daher Trans-Substantiation.
Die wirkliche Gegenwart heißt dann, daß Jesus in jeder
Hostie und jedem Schluck Wein unzertrennt gegenwärtig ist.
Wenn die Gläubigen das Brot essen und den Wein trinken, wird
Jesus nicht zerkaut und auch nicht verdaut, sondern von den Gläubigen „empfangen“,
aufgenommen. Das zeigt, daß man das Physische, das Brot und
den Wein, nicht physikalisch und chemisch bis zum Ende durchdenken
kann, sondern daß die Gegenwart Jesu sich physikalischen
Begriffen entzieht. Deshalb ist der Begriff „Transubstantiation“ ein
Begriff, mit dem die neue Realität von Brot und Wein gedacht
werden kann. Es gibt auch neuere Vorstellungsmodelle, die heutige
Denkkategorien zur Verfügung stellen, z.B. Transfinalisation.
Für die Teilnahme an der Eucharistiefeier ist daher nur notwendig,
daß man eine wirkliche Gegenwart Jesu in den Gestalten von
Brot und Wein annimmt, nicht aber eine bestimmten Vorstellung folgen
muß, wie diese Gegenwart in Beziehung zu der bleibenden Gestalt
von Brot und Wein stehen.
Jesus Christus selbst ist der Handelnde, er ist Gabe und Geber
zugleich. Die Kommunion heißt Begegnung mit ihm.
Nach dieser Lehre ist Jesus Christus unter den konsekrierten Mahlgaben
auch über die Eucharistiefeier hinaus wirklich gegenwärtig
(im Gegensatz zum Glaubensverständnis Luthers, das die wirkliche
Gegenwart Christi auf den Augenblick des Empfanges der eucharistischen
Gaben einschränkt). Deshalb wird das eucharistische Brot an
einem besonderen Ort (tabernaculum, Tabernakel) einer Kirche oder
Kapelle zur Speisung der Kranken (Krankenkommunion) und Todesgefährdeten
aufbewahrt, da das eigentliche Sakrament in der Sterbestunde nicht
die Krankensalbung (unctio infirmorum) darstellt, sondern der Kommunionempfang
(viaticum, Wegzehrung). Darüber hinaus wird das eucharistische
Brot im Tabernakel auch zur stillen Verehrung und Anbetung aufbewahrt.
Deshalb ist es katholischer Brauch, dass sich die Gläubigen
beim Passieren einer Kirche mit dem Kreuz bezeichnen und beim Betreten
einer Kirche ihre Knie in Richtung des Tabernakels beugen. Auch
das sogenannte „ewige Licht“, eine in unmittelbarer
Nähe zum Tabernakel fortwährend (rötlich) brennende Öllampe,
verweist in katholischen Kirchengebäuden auf die Präsenz
des in den eucharistischen Gaben gegenwärtigen Herrn. Das
Herausnehmen aus dem Tabernakel und Einsetzen des eucharistischen
Brotes (Hostie) in ein Zeigegefäß (Monstranz) nennt
man „Aussetzung des Allerheiligsten“ (Expositio). Durch
diese Zur-Schau-Stellung können die Gläubigen den eucharistischen
Herrn anbeten und verehren. Der „eucharistische Segen“,
in dem mit der Monstranz ein Kreuzzeichen gemacht wird, schließt
eine solche Anbetungsandacht feierlich ab.
Im Mittelalter, zur Zeit der Gotik, entwickelte sich eine starke
Verehrung des im eucharistischen Brot gegenwärtigen Herrn.
Ausdruck dieser Verehrung ist das Fronleichnamsfest. Es wurde von
der Reformation nicht weiter geführt, so daß es seitdem
als Besonderheit der katholischen Frömmigkeit gilt. Fronleichnam,
von mittelhochdeutsch fron: herrlich, heer, Lichnam bedeutet entgegen
dem heutigen Sprachgebrauch den lebendigen Leib. Es wird zehn Tage
nach Pfingsten, je nach dem Ostertermin im Frühsommer Ende
Mai bis Mitte Juni gefeiert. An diesem Festtag wird das eucharistische
Brot in einer Monstranz in einer Prozession durch den Stadtteil
und auf dem Land auch durch die Felder getragen. (Fronleichnamsprozession).
Singend und betend schreitet die Gemeinde auf dem von Blumen(-teppichen),
frischem Grün, beflaggten Häusern und traditionell vier
Stationsaltären (Himmelsrichtungen) gesäumten Prozessionsweg
und bittet um Segen für die Menschen und die Fluren.
„Wir glauben, dass in der Weise, wie Brot und Wein vom Herrn
beim letzten Abendmahl konsekriert und in Seinen Leib und Sein
Blut verwandelt worden sind, die Er für uns am Kreuze geopfert
hat, auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden,
in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, der glorreich
in den Himmel aufgefahren ist. Und wir glauben, dass die geheimnisvolle
Gegenwart des Herrn unter den äußeren Gestalten, die
für unsere Sinne in derselben Weise wie vorher fortzubestehen
scheinen, eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist.“
Paul VI., Credo des Gottesvolkes, Feierliches Glaubensbekenntnis
vom 30. Juni 1968, Nr. 24-26, AAS 60 (1968), S. 442-443
„
Es gehört zum christ- katholischen Glauben, dass Jesus Christus
mit Gottheit und Menschheit unter den eucharistischen Gestalten
wahrhaft gegenwärtig ist. Gewiss ist diese Gegenwart unter
den Symbolen menschlicher Nahrung ausgerichtet auf den wirklichen
Empfang und Genuss dieser eucharistischen Speise. Aber das ändert
nichts daran, dass in dieser Speise Jesus Christus mit Gottheit
und Menschheit nicht nur gegenwärtig ist, indem er empfangen
wird, sondern zuvor gegenwärtig ist, damit er leibhaftig empfangen
werden könne. Und darum kann der katholische Christ Jesus,
das göttliche Unterpfand seines Heiles, unter diesen eucharistischen
Zeichen anbeten. Solche Anbetung ist im Vergleich zum wirklichen
Empfang des himmlischen Brotes zwar nicht der Höhepunkt des
sakramentalen Geschehens, wohl aber eine legitime Konsequenz aus
dem katholischen Glauben an die wahre Gegenwart des Herrn im Sakrament...Wir
katholischen Christen wollen in Gemeinschaft und als Einzelne auf
das Zeichen der Gegenwart dessen blicken, der uns geliebt hat und
sich für uns dahingegeben hat. Es sollte für uns nicht
fremd sein, auch einmal in privatem Gebet vor dem Herrn zu knien,
der uns erlöst hat.“
Karl Rahner, Geist und Leben 54 (1981), 188-191
"Seit mehr als einem halben Jahrhundert sind meine Augen
jeden Tag auf die weiße Hostie gerichtet, in der Zeit und
Raum in gewisser Weise zusammenfallen und in der das Drama von
Golgota lebendig gegenwärtig wird."
Johannes Paul II.,
Ecclesia de eucharistia vom 17. April 2003, Nr. 52: AAS 95 (2003)
468
„ Empfangt, was
ihr seht: Leib Christi. Werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.“
Augustinus, Sermo 272 (PL 38) Corpus Augustinianum Gissense a
C. Mayer editum
Peter Münch
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