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Ben Adam - Der
Menschensohn, der am Ende der Zeiten wiederkehren wird
Jesus hat das Reich Gottes verkündet. Dieses Reich wird
endgültig den Frieden beinhalten. Es wird von Gott geschaffen
und ist damit frei von den menschlichen Unzulänglichkeiten.
Durch seine Predigt und die Wundertaten hat Jesus seine Jünger überzeugt,
daß das Reich mit ihm gekommen ist. Sie sahen in Jesus
den Messias, den Gesalbten,
Christus. Es gibt im Neuen Testament danbeben noch den Titel
"Menschensohn" für Jesus. In den Gleichnissen vom Samenkorn
und Sauerteig weist er darauf hin,
daß dieses
Reich im Verborgenen wächst. Irgendwann muß es aber
zum Durchbruch kommen. Die Offenbarung des Johannes bestätigt
diese Erwartung. Dieser Text und andere Stellen des Neuen Testaments
sprechen von dem Menschensohn, der am Ende der Zeiten das Reich
Gottes durchsetzen wird – mit dem die Geschichte abschließenden
Gericht. Wer ist dieser Menschensohn und wird es Jesus Christus
sein?
Endzeiterwartung der ersten Christen
Die Christen der ersten Generation erwarteten noch zu ihren Lebzeiten
die Wiederkunft Christi und damit die Vollendung der Geschichte.
Paulus. Im 1. Korintherbrief schreibt er: „Wir werden nicht
alle entschlafen.“ (Kap. 15,51)
Was später individuell für den eigenen Tod erhofft wurde,
daß man ihn wachen Auges erfährt und ihm bewußt
entgegengeht, war anfangs die Vorbereitung auf den „Tag des
Herrn“, eben der Wiederkunft Christi. Die Christen sollen
ihn nüchtern und wach erwarten, so daß sie nicht überrascht
werden. In der Liturgie der frühen Kirche wurde die Wiederkunft
mit dem Ruf Maranatha – Herr, komme bald, herbei gebetet.
Der Advent ist nicht nur die Vorbereitung auf das Geburtsfest Jesu,
sondern hat zu Beginn die engültige Wiederkehr Jesu zum Thema.
Jesus bezeichnete sich
wahrscheinlich selbst als Menschensohn
Dieser
Erwartung, daß Gott sein Reich aufrichten und die
Menschen aus dem Hin- und Herr der Geschichte herausholen wird,
bestimmte zur Zeit Jesu das Bewußtsein der Menschen. Man
erwartete das Ende der Welt. Der Prophet Daniel hatte das in großen
Visionen beschrieben, in der von einem Menschensohn die Rede ist.
Diesem Menschensohn wird die Herrschaft über das Reich Gottes übergeben.
Für die Christen besteht kein Zweifel daran, daß Christus,
der von den Toten Auferstandene, der ist, der zum Endgericht wieder
kommt und mit dem Menschensohn, wie Daniel ihn in seiner Vision
gesehen hat, identisch ist. Das findet sich z.B. in den Weltgerichtsszenen über
den Portalen mittelalterlicher Kathedralen.
In den Evangelien bezieht sich Jesus auf das Kommen des Menschensohns
und erklärt sich selbst auch mit dem Titel Menschensohn zum
Herrn über den Sabbat. Die Bibelwissenschaftler diskutieren,
ob Jesus sich selbst als Menschensohn bezeichnet hat oder ihm der
Titel “Menschensohn“ von den Evangelisten in den
Mund gelegt wurde. Da der Titel in den Apostelbriefen nicht gebraucht
wird, die ja bereits die frühchristliche Liturgie widerspiegeln,
kann man annehmen, daß die Evangelien sich auf die Aussagen
Jesu beziehen.
Auch Jesus erwartete
das Ende der Welt
Jesus selbst kündigt das Ende der Welt an, läßt
aber den Zeitpunkt offen:
Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich
Gottes komme, antworte er: "Das Reich kommt nicht so, daß man
es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann
auch nicht sagen: Seht, hier ist es, oder: Dort ist es. Denn:
Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch.
Er sagte zu den Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, in der
ihr auch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes
zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu
euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin und lauft
nicht hinterher. Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels
bis zum anderen leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag
erscheinen."
Lukas 17,20-24
Als seine Jünger
am Sabbat Ähren zupfen und die Pharisäer
sich darüber beschweren, daß sie damit die strengen
Regelungen für die ruhe an diesem heiligen Tag brechen, antwortet
Jesus:
"Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter
hungrig waren und nichts zu essen hatten – wie er zur Zeit
des Hohenpriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die heiligen
Brote aß, die außer den Priestern niemand essen darf,
auch seinen Begleitern davon gab? Und Jesus fügte hinzu: Der
Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für
den Sabbat. Deshalb ist auch der Menschensohn Herr auch über
den Sabbat."
Markus 2, 25-28
Daß das Reich
Gottes schon angebrochen ist und der Menschensohn in Jesus aufgetreten
ist, zeit sich in folgenden Aussagen Jesu:
"Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft
ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf
bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an
jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Lukas 6,22-23
In der dritten Person
sind verschiedene Aussagen gefaßt,
wenn Jesus über sein Leiden spricht:
"
Dann
begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn
müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern
und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet,
aber nach drei Tagen werde er auferstehen."
Markus 8,31
Am Ölberg weckt
er die Jünger
mit folgenden Worten:
"Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Es ist genug. Die Stunde
ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert.
Steht auf, wir wollen gehen. Seht, der Verräter, der mich
ausliefert, ist da."
Markus 14, 41-42
Provokativ identifiziert
sich Jesus in seinem Verhör vor
dem Hohen Rat mit dem Menschensohn:
"Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte: Bist
du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?
Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten
der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.
Da zerriß der Hohepriester sein Gewand und rief: Wozu brauchen
wir noch Zeugen? Ihr habe die Gotteslästerung gehört."
Markus 14, 60-63
Text: Eckhard Bieger
S.J.
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