Philosophie&Theologie

Inhaltsverzeichnis

Alleinseligmachende Kirche
Arianismus
Auferstehung Jesu
Böse, das - der Drache
Böse, das - der Brudermord
Böse, das - Begehren die Wurzel des Bösen
Böse, das - seine Darstellung
Böse, das - und das Gute
Böse, das - und Gottes Schöpfung
Böse, das - Überwindung
Christologische Streitigkeiten
Corpus Mysticum
Erbsünde und Augustinus
Erlöser
Freiheit
Freiheit und Entscheidung
Freiheit und Gott
Gegenwart Jesu
Glauben und Wissen
Gottesbeweise
Gottesbeweis aus der Freiheit
Gottesbeweis aus dem Gewissen
Gottesbeweis aus dem höchsten Gut
Gottesbeweis, kosmologischer
Gottesbeweis, ontologischer nach Gödel
Gottesbeweis aus der religiösen Erfahrung
Gottesbeweis aus der Wahrheit
Gottesknecht
Gottessohn
Hypostatische Union
Inkarnation
Jesus, der Sündenbock
Jesu Tod im Islam
Kirche-evangelisch-katholisch
Leib Jesu
Menschensohn
Menschwerdung Jesu
Messias - Christus
Monophysiten
Monotheletismus-Monergetismus
Nestorianer
Ontologischer Gottesbeweis
Person
Realpräsenz
Sohn Gottes
Theodizee
Zweinaturenlehre

 

 

 

 

 

Jesu Tod in islamischer Sicht


Die Juden haben sich getäuscht

Im Koran gilt Jesus als einer der großen Propheten. Deshalb stellt sich dem Islam die gleiche Frage wie den Christen: Wenn Jesus von Gott gesandt ist, wie kann Gott es dann zulassen, daß Jesus am Schandpfahl des Kreuzes den Tod fand?
Die Antwort findet sich in der 4 Sure über die Juden:
„ Verflucht wurden sie, weil sie ihre Verpflichtungen brachen, die Zeichen Gottes verleugneten, die Propheten zu Unrecht töteten und sagten: ‚Unsere Herzen sind unbeschnitten’ – vielmehr hat Gott sie wegen ihres Unglaubens versiegelt, so daß nur wenige glauben; und weil sie ungläubig waren und gegen Maria eine gewaltige Verleumdung aussprachen; und weil sie sagten: ‚Wir haben Christus Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes, getötet.“ – Sie haben ihn aber nicht getötet, und sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm ähnliche Gestalt. Diejenigen, die über ihn uneins sind, sind im Zweifel über ihn. Sie haben kein Wissen über ihn, außer daß sie Vermutungen folgen. Und sie haben ihn nicht mit Gewißheit getötet, sondern Gott hat ihn zu sich erhoben.“ (Verse 155-158)
Der Koran hält an der Erhöhung Jesu fest, aber kann sich nicht vorstellen, daß Jesus wirklich getötet wurde. „Es erschien ihnen eine ähnliche Gestalt.“ Gott hat Jesus den Augen der Juden entzogen. Aus diesen wenigen Sätzen des Korans sind Legenden erwachsen, Jesus wäre mit Maria Magdalena nach Persien gegangen. In Kaschmir gibt es heute lebende Muslime, die sich als Nachkommen Jesu bezeichnen.
Ein Motiv für diese Deutung des Lebensweges Jesu ist das Wohlwollen, das der Koran dem Christentum entgegenbringt, ganz anders als gegenüber den Juden. Deshalb war es unvorstellbar, daß es den Juden gelungen sein sollte, den Boten Gottes zu töten.
Ein weiteres Motiv ist, daß der Islam sich nicht vorstellen kann, daß der Bote Gottes unterliegen könnte. Der Islam ist eine Religion des Siegens. Der Sieg wird aus militärischer Überlegenheit und noch mehr aus der inneren Überzeugung heraus errungen. So verstehen sich die Selbstmordattentäter nicht als Leidende, sondern als siegreiche Märtyrer, die Gott unmittelbar in sein himmlisches Reich aufnehmen wird. Daß Jesus durch sein Leiden siegen konnte, paßt nicht in das Gottesbild des Islam.
Auch für die Christen ist es nicht einfach, auf den Gekreuzigten zu blicken. Im ersten Jahrtausend gab es kaum eine Darstellung des gekreuzigten Jesus. Daß das Kreuz heute selbstverständlich einen zentralen Platz in einer Kirche hat, ist eine erst im Mittelalter begonnene Tradition.

Eckhard Bieger S.J.


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