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Hyios
Theou, Filius Dei
Jesus hat eine besondere Nähe zu Gott. Dazu nur zwei Zitate
aus dem Neuen Testament. Als Jesus sich von Johannes taufen ließ, „sah
er, daß der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine
Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Markus
1,11.
Jesus nennt Gott seinen Vater, nicht nur im Vater unser. „Mir
ist von meinem Vater alles übergeben worden, niemand kennt
den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn
und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ (Matthäus
11,27) Was soll das genau heißen? Bezeichnet sich Jesus als
wirklichen Sohn, der mehr ist als ein besonders geliebtes Geschöpf
Gottes oder ist er von Gott adoptiert, wie es z.B. von jüdischen
Königen im Krönungsritual heißt: „Mein Sohn
bist du, heute habe ich dich gezeugt.“ Dieser Vers Psalm
2 besagt, daß mit der Inthronisation Gott den König
zu seinem Sohn erhebt. Als Jesus lebte und predigte, entstand bereits
die Frage. Er konfrontierte die Menschen nicht nur mit seiner Predigt
und heilte sie – er sprach ihnen die Vergebung der Sünden
zu. Als er das öffentlich bei der Heilung eines Gelähmten
sagte, stutzen die jüdischen Schriftgelehrten: „Wie
kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden
vergeben außer dem einen Gott?“ Markus 2,7 Hingerichtet
wurde Jesus wegen Gotteslästerung, weil er im Verhör
auf die Frage „Bist du der Messias, der Sohn des lebendigen
Gottes?“ antwortete: „Du hast es gesagt.“ Matthäus
26,63
Im griechischen Kulturraum konnte die Frage noch präziser
gestellt werden. Wird Jesus nur als Sohn Gottes bezeichnet oder
ist er nach seiner „Natur“ nach seinem „Wesen“ wirklich
Gott? Die Frage konnte nicht einfach unentschieden beiseite gelegt
werden, denn nur wenn dieser Jesus von Nazareth wirklich Gott ist,
konnte er ein für alle mal die Menschen erlöst haben.
Ansonsten wäre er wie die vielen Priester und Propheten gewesen,
die in ihrer Zeit gewirkt haben, aber nach ihrem Tod Nachfolger
brauchten, weil ihre Predigt und die von ihnen dargebrachten Opfer
nicht endgültig waren.
Unzulängliche Antworten
Eine Antwort auf die Frage besteht
darin, Jesus als einen Propheten zu
bezeichnen, vielleicht als den wichtigsten - aber nicht als wirklichen
Sohn Gottes. Die Ebioniten
und andere vertraten diese Auffassung. Die Juden hatten vor den
Griechen die Vielgötterei überwunden.
Die Griechen waren nicht zuletzt durch philosophische Überlegungen
zu der Überzeugung gekommen, daß es nicht mehrere Götter
geben kann, wenn man von Gott spricht. Für das griechische
Denken war es eine große Erkenntnis gewesen, daß Gott
nur einer sein kann, denn nur wenn etwas in sich eins und unteilbar
ist, kann es das höchste Wesen sein. So konnten sie den Polytheismus
der alten griechischen Götterwelt überwinden. Denn wenn
es mehrere Götter gibt, dann sind sie nicht wirklich göttlich.
Das war auch die Position des Priesters Arius. Wie für das griechische Denken heißt für ihn Vielheit
Mangel an Vollkommenheit. Was man teilen kann, kann nicht an der
obersten Stelle im Kosmos stehen. Das Eine kann Ursprung des Vielen
sein. Dann bleibt das Viele immer unterhalb des Einen. Vielheit
hat die Tendenz zu zerfallen. Wenn in Gott schon Vielheit vorgefunden
wird, dann wird das Göttliche auch einmal zerfallen, so wie
die Gestalten, die der Mensch kennt. Sie zerfallen alle, auch der
menschliche Leib. Deshalb braucht der Leib etwas, das nur „eins“ ist,
womit die Griechen die Seele bezeichnen, das unteilbar Letzte des
Menschen, das, da es nicht teilbar ist, über den Tod hinaus
Bestand hat.
Da Arius viel Zustimmung erfahren hat und viele Christen die gedankliche
Klarheit der griechischen Philosophie anerkannten, war es zu einem
tiefen Dissens gekommen. Solange die Christen verfolgt wurden,
konnte die Frage nicht abschließend geklärt werden.
Als Kaiser Konstantin im Mailänder Edikt im Jahr 313 den Christen
nicht nur Religionsfreiheit gewährte, sondern die christliche
Religion zur geistigen Grundlage des römischen Staates erklärte,
bestand auch ein politisches Interesse an der Bereinigung dieser
Frage. 325 ludt der Kaiser die Bischöfe des Reiches nach Nicäa,
heute ein Vorort von Konstantinopel, ein. Wie konnte das Konzil
eine Lösung finden, die von den Christen auch akzeptiert werden
würde? Einen Beweis, daß Jesus von Nazareth wirklich
der Sohn Gottes war, konnte mit philosophischer Argumentation nicht
gefunden werden. Es gab und gibt auch keinen naturwissenschaftlichen
Beweis im heutigen Sinn. Man kann Gott keinem Experiment unterziehen.
Beweismittel ist allein das Zeugnis der biblischen Schriften. Die
Evangelien und die Apostelbriefe kommen in ihren Aussagen den Anforderungen
des griechischen Denkens nicht nahe genug. Das oben zitierte Wort: „Du
bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ könnte
auch so verstanden werden, daß Jesus bei der Taufe im Jordan
von Gott gleichsam adoptiert
wurde. Ob Gott ihm damit Anteil an seinem göttlichen
Wesen gegeben hat, muß offen bleiben. Da es aber eindeutige
Aussagen (Texte s.u.) gibt, die besagen, daß Jesus nicht
erst Mensch und dann von Gott als Sohn angenommen wurde, sondern
schon vor seiner
Geburt bei Gott war, konnte das Konzil nur entscheiden, daß Jesus
mit Gott wesensgleich ist. Das entspricht der Tauftradition der
jungen Kirche. Der Aufschwung des Weihnachtsfestes ist eine Antwort
auf die Infragestellung der Gottessohnschaft Jesu Christi.
Theologische
Aussagen in der Taufliturgie
In der Taufe wird der Glaube an den dreieinigen Gott schon nach
den Schriften des Neuen Testaments bekannt. Bei Matthäus gibt
Jesus, bevor in den Himmel aufgenommen wird, den Jüngern folgenden
Auftrag:
„
Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht
zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten
habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende
der Welt.“ Matthäus 28,18-20
Theologische Lösung
Da Jesus sich selbst als Sohn
bezeichnete, ist es offensichtlich, daß der
Sohn aus dem Vater hervorgegangen ist. Deshalb unterscheidet das
Konzil, daß Jesus „gezeugt“ aber
nicht „geschaffen“ ist. Wäre der Sohn Gottes Geschöpf,
dann wäre er geschaffen. Mit dem Verb „zeugen“ kann
ausgedrückt werden, daß es ein innergöttlicher
Vorgang ist, wenn der Sohn aus dem Vater hervorgeht. Das innergöttliche
Leben ist nicht nur das Hervorgehen des Sohnes aus dem Vater, sondern
im Heiligen Geist wird diese Beziehung personhaft Wirklichkeit.
Das Konzil war so wichtig, daß es in den Gottesdiensten präsent
gehalten wird, durch das sog. Grosse
Glaubensbekenntnis. Gebetet wird es heute in der Fassung, die
es auf dem Konzil von Konstantinopel von 381, dem sog. 2. ökumenischen
Konzil, erhalten hat. Dieses Bekenntnis ist allen christlichen
Kirchen gemeinsam.
Zitate
Und das Wort ist Fleisch geworden,
und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit .....
Niemand hat Gott je gesehen.
Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.
Johannes 1,14,18
In jener Zeit sprach Jesus:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du
all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen
aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist
von meinem Vater alles übergeben worden; Niemand kennt den
Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn
und der, dem der Sohn es offenbaren will.“
Matthäus 11,25-27
Jesus wird vom Hohen Rat wegen Gotteslästerung verurteilt:
Sie sagten: Wenn du der Messias bist, dann sag es uns! Er antwortete
ihnen: auch wenn ich es euch sage – ihr glaubt mir ja doch
nicht. Von nun an wird der Menschensohn zur Rechten des allmächtigen
Gottes sitzen. Da sagten alle: du bist also der Sohn Gottes.
Er antwortete ihnen: Ihr sagt es, ich bin es. Da riefen sie:
Was brauchen wir noch Zeugenaussagen? Wir haben es selbst aus
seinem eigenen Mund gehört.
Lukas 22,67-71
Jesus, als er Maria von Magdala am Ostermorgen begegnet:
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht
zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und
sage ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater,
zu meinem Gott und eurem Gott.
Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete
ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er
gesagt hatte.
Johannes 20,17-18
Vor allen Geschöpfen als Anfang hat Gott aus sich eine vernünftige
Kraft erzeugt, welche vom Heiligen Geist auch Herrlichkeit des
Herrn, ein andermal Sohn, dann Weisheit, bald Engel, bald Gott,
bald Herr und Logos genannt wird … Alle Attribute kommen
derselben zu, weil sie dem väterlichen Willen dient, und weil
sie aus dem Vater durch das Wollen erzeugt worden ist. Doch sehen
wir nicht ähnliche Vorgänge auch bei uns? Wenn wir nämlich
ein Wort aussprechen, erzeugen wir ein Wort, ohne damit etwas zu
verlieren, ohne daß also die Vernunft in uns weniger wird.
Justin Dialog mit dem Juden Tryphon etwas 150 erfaßt
Einer ist Arzt, aus dem Fleische zugleich und aus Geist gezeugt
und ungezeugt, im Fleische erschienener Gott, im Tod wahrhaftiges
Leben aus Maria, sowohl wie aus Gott, leidensfähig und leidensunfähig,
Jesus Christus, unser Herr. …
Denn unser Gott, Jesus, der Christus, wurde von Maria im Schoße
getragen, nach Gottes Heilsplan aus Davids Stamm und doch aus heiligem
Geist.
Ignatius von Antiochien an die Kirche von Ephesus m 110
Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den allmächtigen,
den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge,
und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, gezeugt
aus dem Vater als Einziggeborener, aus dem Wesen des Vaters, Gott
aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens (homoousios) mit dem Vater,
durch alles geworden ist, sowohl was im Himmel als auch auf der
Erde ist, …..
diejenigen aber, die sagen: Es war einmal eine Zeit, da er nicht
war, und bevor er gezeugt wurde, war er nicht, und daß er
aus dem Nichts geworden sei, und die behaupten, aus einer anderen
Hypostase (Substanz) oder Wesenheit oder veränderlich oder
wandelbar sei der Sohn Gottes, diese schließt die katholische
und apostolische Kirche aus.
Konzil von Nicäa, 325
Denn der eine Christus ist selbst sowohl immer Gottes Sohn durch
seine Natur als auch Menschensohn, der durch die Gnade in der Zeit
angenommen wurde. Keinesfalls wurde er auf solche Weise angenommen,
daß er zuerst erschaffen und dann angenommen wurde, sondern
er (der Mensch Jesus) wurde durch die Annahme selbst erschaffen.
Augustinus Gegen die Lehre der Arianer, um 418
Text: Eckhard
Bieger S.J.
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