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Eine Erklärung
für die Hinrichtung Jesu aus dem Alten Testament
Die Jünger
hatten sich Jesus angeschlossen, weil sie in ihm den Messias,
erkannt hatten, den das Volk Israel erwartete. Die Wunder, die
Jesus wirkte und seine überzeugende
Predigt hatten bestätigt, daß er im Namen Gottes aufgetreten
konnte. Als Jesus zum bevorstehenden Paschafest in Jerusalem einzog
und die Menschen ihm zujubelten, konnten seine Anhänger eigentlich
damit rechnen, daß er das Reich Gottes, von dem er oft gesprochen
hatte, aufrichten werde. Statt dessen wurde er an die Römer,
also Heiden, ausgeliefert und von diesen auf die erniedrigenste
Form, durch das Kreuz, hingerichtet. Die Jünger mußten
sich fragen, ob Gott diesen Messias im Stich gelassen hatte. Von
zwei Jüngern, die von Jerusalem weggingen, wird berichtet,
daß sie sehr betrübt und enttäuscht waren. Durch
die Begegnung mit dem Auferstandenen kamen zuerst die Frauen und
dann auch die Apostel zum Glauben, daß Jesus lebt. Als Juden
mußten sich die Jünger erklären können, warum
Jesus leiden mußte, denn in vielen Psalmen und Berichten
der Bibel wird immer wieder betont, daß Gott den Gerechten
aus der Hand seiner Feinde rettet. Die ersten Christen schauten
in ihrer Bibel nach, weil sie als gläubige Juden nach dem
Willen Gottes suchten. Da die Evangelien noch nicht geschrieben
waren, stand ihnen nur die jüdische Bibel zur Verfügung.
Die Verurteilung Jesu war kein Versehen
Versuche, den Tod Jesus als ein Versehen der jüdischen Obrigkeit
zu deuten, konnten für die junge christliche Gemeinde nicht überzeugen,
denn sie wurden ja selbst verfolgt, weil sie sich zu Jesus als
Messias bekannten. (Messias heißt der Gesalbte, griechisch
Christos) Da sie aber keinen anderen Gott verehrten als die Juden,
mußten sie eine Kontinuität erkennen können.
Eine Antwort im Buch Jesaja
Im Prophetenbuch des Jesaja finden sich Texte, die vom Leiden des
Gerechten sprechen und ausdrücklich sein Leiden als Sühne
verstehen. Es sind die Gottesknechtslieder, die heute noch in der
Karwoche gelesen werden. Das vierte dieser Lieder gehört in
de Karfreitagsliturgie. (s. u.) In diesem Text finden die Christen
eine Antwort, warum der Messias leiden mußte. Nicht Gott
verurteilt ihn zum Kreuz, sondern das Böse wird durch den
Gerechten provoziert und sucht, ihn zu vernichten. Dies kann psychologisch
durch den Sündenbockmechanismus erklärt werden.
Aus dem vierten Lied vom Gottesknecht
Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch
erhaben.
Viele haben sich über ihn entsetzt, denn er sah entstellt
aus, nicht wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines
Menschen.
Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen, Könige müssen
vor ihm verstummen.
.........
Wer hat geglaubt, was uns berichtet wurde?
Die Hand des Herrn - wer hat ihr Wirken erkannt?
Vor den Augen des Herrn wuchs er auf wie ein junger Sproß,
wie der Trieb einer Wurzel aus trockenem Boden.
Er hatte keine schöne und edle Gestalt, und niemand von uns
blickte ihn an.
Er sah nicht so aus, daß er unser Gefallen erregte.
Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden,
ein Mann voller Schmerzen, mit der Krankheit vertraut.
Wie ein Mensch, vor dem man das Gesicht verhüllt,
war er bei uns verfemt und verachtet.
Aber er hat unsere Krankheiten getragen
und unsere Schmerzen auf sich genommen.
Wir meinten, er sei vom Unheil getroffen, von Gott gebeugt und
geschlagen.
Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen,
wegen unserer Sünden mißhandelt.
Weil die Strafe auf ihm lag, sind wir gerettet,
.........
Der Herr warf all unsere Sünden auf ihn.
Er wurde geplagt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund
nicht auf.
Wie ein Lamm, das man wegführt, um es zu schlachten,
und wie ein Schaf, das verstummt, wenn man es schert,
so tat auch er seinen Mund nicht auf.
.....
Bei den Gottlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine
Ruhestätte,
obwohl er kein Unrecht getan hat und aus seinem Mund kein unwahres
Wort kam.
Doch der Herr fand Gefallen an seinem mißhandelten (Knecht),
er rettete den, der sein Leben als Sühneopfer hingab.
.......
Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er wieder das Licht
und wird erfüllt von Erkenntnis.
Mein Knecht ist gerecht, darum macht er viele gerecht;
er nimmt ihre Schuld auf sich.
......
denn er gab sein Leben hin und wurde zu den Verbrechern gerechnet.
Er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen
ein.
Jesaja 52,13-53,12
Vgl. auch die anderen Gottesknechtslieder (Jesaia 42,1-9; 49,1-9;
50,4-9).
Text: Eckhard Bieger S.J.
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