 |
Friheit verwirklich
sich durch Entscheidungen
Die Freiheit ist erst
einmal nur ein Vermögen. Damit aus
diesem Vermögen Wirklichkeit wird, muß noch etwas hinzukommen.
Da Freiheit in der Zeit „geschehen“ muß,
braucht es etwas, was die Zeit organisiert. Mit einer Entscheidung
verwirklicht sich die Freiheit in der Zeit, denn sie bestimmt mit
der Entscheidung, wie das Leben verlaufen soll. Konkret ist es
die Entscheidung für einen bestimmten Beruf, die Partnerschaft
mit einem bestimmten Menschen, das Eingehen von Freundschaften,
aber auch die Entscheidung für eine Weltanschauung. In der
Entscheidung wird das „wirklich“, was die Freiheit
will.
Von einer Entscheidung kann man nur sprechen, wenn es mehr als
eine Alternative gibt. Das ist bei der Berufs- wie bei der Partnerwahl
offenkundig. Es gilt auch für die Weltanschauung, für
die sich die Freiheit entscheidet. Denn keine Weltanschauung läßt
sich in der Weise empirisch beweisen wie ein Naturgesetz. Da es
von seiner Weltanschauung abhängt, wie der einzelne sich in
bestimmten Situationen verhält, beeinflußt die Entscheidung
für eine bestimmte Weltanschauung den Verlauf des Lebens in
hohem Maß. Die Weltanschauung, daß es auf Erfolg und
Sich-Durchsetzen ankommt, macht aus demjenigen einen anderen Menschen
als wenn er sich für die Weltanschauung entschieden hätte,
daß Leben in der Gemeinschaft gelingt und daher Solidarität
und der Blick für diejenigen, die am Rand stehen, für
das Gelingen des eigenen Lebens entscheidend sind. Die Weltanschauung,
für die sich jemand entschieden hat, steuert das Leben bis
in die alltäglichen kleinen Entscheidungen. Da die Freiheit
sich unerbittlich einfordert
und wir gegenüber
unserer Freiheit nicht frei sind, ist die Entscheidung für
eine Weltanschauung die, die unser Leben am nachhaltigsten beeinflußt.
Eckhard Bieger S.J.
Buchtipp
© www.kath.de
|
 |