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Gegenüber unserer
Freiheit sind wir nicht frei
Die Freiheit zeichnet
den Menschen aus. Sein Leben ist nicht wie bei Tieren von Instinkten
geleitet, vielmehr steuert der Mensch
sein Leben selbst durch seine Entscheidungen. Die Freiheit ist
so mit der Person des einzelnen verbunden, daß er sich
nicht von seiner Freiheit einfach distanzieren kann, es sei denn,
er wird krank oder ist durch eine
Hirnverletzung so eingeschränkt, daß er nicht mehr über
sich verfügen kann. Die Freiheit ist auch nicht dadurch abzustreifen,
daß der einzelne andere über sein Leben entscheiden
läßt. Tut er das, ist seine Freiheit im Spiel, denn
es ist seine Entscheidung, nicht selbst, sondern andere entscheiden
zu lassen. Auch derjenige, der nicht entscheidet, tut das nicht
ohne seine Freiheit, er oder sie entscheiden nämlich, daß das
eigene Lebensschiff auf dem Kurs weiterfahren soll, auf dem es
bereits unterwegs ist. Die eigene Freiheit verlangt sozusagen von
jedem, daß er selbst den Kurs seines Lebens bestimmt. Mit
der Freiheit verfügt der einzelne über sein Leben.
Da keiner seiner Freiheit entkommt, ist niemand gegenüber
seiner Freiheit frei. Die Freiheit hat etwas unerbittliches, sie
fordert sich selbst ein. Daß jemand vor dieser Forderung
der Freiheit zurückschreckt, ist verständlich, denn mit
der eigenen Freiheit übernimmt der einzelne die Verantwortung
für die Entscheidungen,
die er bzw. sie getroffen hat.
Freiheit ist abhängig von den Möglichkeiten, die sich
bieten. In einer Gesellschaft, in der viel vorgegeben ist, ist
die Freiheit nicht so gefordert wie wenn eine Gesellschaft dem
einzelnen viele Entscheidungen offen läßt – freie
Berufswahl, freie Partnerwahl, viele Ausbildungsgänge, Religionsfreiheit
können die Freiheit sogar als Last erscheinen lassen, denn
dem einzelnen werden kaum Entscheidungen abgenommen. Je mehr der
einzelne entscheiden kann, desto mehr sind er oder sie für
das Gelingen ihres
Lebens verantwortlich.
Eckhard Bieger S.J.
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