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Motiv für
das Weihnachtsfest
Für die junge
christliche Kirche war es eine große Herausforderung, die
Botschaft von Jesus, dem Sohn Gottes und Erlöser aller Menschen,
gegenüber der griechischen Philosophie zu vertreten. Die
Theologen stießen nicht mehr auf eine religiöse Kultur
mit vielen Götterkulten, so wie später die Missionare bei
den germanischen Stämmen. Die Griechen hatten schon seit
der Zeit Platons auf denkerischem Weg die Einsicht gewonnen,
daß das
Göttliche
nur als Eines gedacht werden kann. Der Grundgedanke, der zu dieser
Einsicht führte, war der der Vollkommenheit. Etwas, das
teilbar ist, kann sich verändern und kann auch zerstört
werden. Auch die menschliche Seele wird als unteilbar gedacht
und damit als unsterblich, wie es Platon in seinem Dialog Phaidon
entwickelt. Die Frage spitze sich Anfang des 4. Jahrhunderts
zu, ob Jesus wirklich Gottes Sohn sein konnte. Diese Auseinandersetzugn
hat sicher Weihanchten, das Fest der Menschwerdung Gottes, beflügelt.
Ungenügende Antworten
auf die Herausforderung der griechsichen Philosophie:
Wenn die christliche Predigt auf das griechische Denken trifft,
dann wird sie an den Prämissen dieses Denkens gemessen.
Den Griechen war nicht zuzumuten, ein Gottesbild zu übernehmen,
das sie wieder zu den Göttervorstellungen zurückzuführen
schien, die der volkstümlichen Religiosität zwar entgegenkommen,
aber als Rückschritt gegenüber dem erreichten Stand
des Denkens gesehen werden konnten. Der Priester Arius aus Ägypten
machte sich zum Sprecher der griechischen Überzeugungen.
Da der Doketismus wie
auch der Adoptianismus überwunden
waren, konnte Arius nicht erklären,
Jesus habe nur einen Scheinleib angenommen noch
daß er nach seiner Geburt erst von Gott als Messias berufen
und als Sohn „adoptiert“ worden sei. Er nahm die
Brücke, die der Evangelist Johannes zum griechischen Denken
geschlagen hatte, auf und sagte, daß der Logos Mensch geworden
ist. Aber dieser Logos ist nicht der ewige Sohn Gottes, der mit
Gott gleich ist, sondern ein geschaffenes Wesen.
Theologische Argumente
Was auf den ersten Blick
als eine Aussage über den Sohn erscheint,
ist eigentlich eine Aussage über den Vater. Wenn über
den Messias Jesus Christus gesagt wird, er ist „Nicht-Gott“,
dann ist das zuerst eine Festlegung Gottes: Gott kann, soll er
wirklich Gott sein, keinen Sohn aus sich gezeugt haben, der kein
Geschöpf, sondern wie der Vater Gott ist. Aus der inneren
Logik des Denkens schien es den griechischen Intellektuellen unausweichlich,
daß Gott nur einer ist. Wenn das Denken den wirklichen Gott
erreichen will, dann kann es ihn nur als unteilbar, als Einen denken.
Genau das bekennen wir bis heute im Glaubensbekenntnis: Ich glaube
an den einen Gott. Aber kann Gott vom Denken so festgelegt werden?
Dieser eine Gott wurde von den Griechen als ein Wesen gedacht,
das seine Göttlichkeit verlieren muß, wenn er mit dem
Endlichen in Berührung kommt. Deshalb hat Gott vor der Erschaffung
der Welt den Logos geschaffen. Dieser entspricht dem inneren Logos,
dem Denken in Gott, ist aber endlich und die vermittelnde Instanz,
um die sichtbare Welt zu schaffen. Zu dieser sichtbaren Welt hat
Gott keine Beziehung. Er kann deshalb keine haben, weil er sich
dann an die Vielheit verlieren würde und damit sein Gott-Sein
in Frage stünde. In den Texten, die von Arius überliefert
sind, kommt diese Grundintention zum Ausdruck: Gott ist eine in
sich geschlossene Monade. (s.u. Zitate) Er kann etwas schaffen,
aber das Geschaffene hat keinen Zugang zu ihm. Dieser weltenferne
Gott,
der in seiner
Gottheit sozusagen eingeschlossen ist und, um Gott zu bleiben,
in absoluter Distanz zur Welt stehen muß, war nicht der Gott,
den das jüdische Volk in seiner Geschichte kennengelernt hatte
und den Jesus in seinen Gleichnisreden und seiner Predigt den Menschen
nahe gebracht hatte. Arius stellt also nicht nur einen Teil der
christlichen Botschaft in Frage, sondern zeichnet einen ganz anderen
Gott als
er von den Juden erfahren und im Geist von den Christen erlebt
wurde. Gott ist nicht fern, sondern den Menschen ganz nah. Er
hat sich
den Menschen zugewandt. Er selbst ist gekommen, um die Menschen
zu retten. Das Konzil
von Nicäa hat deshalb die biblische Überlieferung bestätigt und
daran festgehalten, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist.
Er offenbart den Vater, weil er allein den Vater kennt. Er ist
in seinem Sohnsein nicht geschaffen, sondern in einem innergöttlichen
Vorgang gezeugt. Daraus entwickelten sich neue Fragen, nämlich
wie in Jesus Christus das Verhältnis zwischen dem göttlichen
Logos und dem Menschen
Jesus gedacht werden kann.
Zitate
Die Thesen des Arius finden sich in einem von ihm verfaßten
Glaubensbekenntnis, das er 320 in einem Brief an den Patriarchen
Alexander von Alexandrien niedergeschrieben hat:
Wir kennen nur einen Gott, den allein ungewordenen, den allein
ewigen, allein ursprungslosen, allein wahren, allein die Unsterblichkeit
Besitzenden, allein weisen, allein guten; den Alleinherrscher,
den Richter aller, den Ordner und Verwalter, unwandelbar und unveränderlich,
gerecht und gut, den Gott des Gesetzes, der Propheten und des Neuen
Bundes, der den eingeborenen Sohn vor ewigen Zeiten hervorgebracht
hat, durch den er auch die Äonen und das All machte; er hat
ihn nicht dem Scheine nach hervorgebracht, sondern in Wahrheit,
als in eigenem Willen Wesenden, als Unwandelbaren und Unveränderlichen,
als Gottes vollkommenes Geschöpf, aber nicht wie eines der
Geschöpfe …..
Durch den Willen Gottes vor den Zeiten und Äonen geschaffen,
der vom Vater des Leben hat sowie die Ehre, so daß der Vater
mit ihm zusammen existiert. Denn der Vater hat sich nicht selbst
beraubt, da er ihm als Erbe all jenes gegeben hat, was er ungeschaffen
in sich trägt. Er ist die Quelle von allem. So gibt es drei
Subjekte (Hypostasen). Gott der Vater ist die Ursache aller, ganz
allein ohne Ursprung, der Sohn aber, vom Vater vor der Zeit hervorgebracht
und vor den Äonen geschaffen und gegründet, war nicht,
bevor er hervorgebracht wurde, …. Er hat vom Vater seien
Existenz erhalten. Denn er ist nicht ewig oder gleich ewig oder
gleich ungeworden wie der Vater, noch hat er zugleich mit dem Vater
das Sein … der Vater ist, da er wie eine Monade oder ein
Prinzip von allem ist, auch Gott vor allem. So ist er auch vor
dem Sohn. ….
Athanasius hat die sog
Blasphemien des Arius in seiner Schrift über
das Konzil von Nicäa formuliert:
Gott selbst, wie er ist, ist unaussprechlich für alle.
Er allein hat weder Seinesgleichen noch einen ihm Ähnlichen,
noch einen von gleicher Herrlichkeit.
Wir nennen ihn den Ungewordenen wegen des von Natur aus Gewordenen ….
Der Ursprungslose setzte den Sohn als Anfang der Gewordenen und
bestimmte sich zum Sohn den, den er als Kind gemacht hatte;
dieser hat nichts Gott-Eigenes in dem, was ihm auf Grund seines
Subjektseins (Hypostase) eigen ist;
denn er ist ihm nicht gleich und auch nicht wesensgleich. ….
Sicher ist die Aussage, daß Gott für alle unsichtbar
ist;
er selbst ist unsichtbar allen, die durch den Sohn sind, auch dem
Sohn selber;
Ausdrücklich sage ich aber, wie dem Sohn der Unsichtbare sichtbar
ist:
Entsprechend der Kraft und dem eigenen Maß, mit dem der Logos
schaut kann der Sohn den Vater sehen, wie es rechtens ist.
Es gibt also eine Trias, nicht aber von gleichen Ehren, denn ihre
Hypostasen sind einander nicht vermischt;
denn die eine hat gegenüber der anderen unendlich mehr Ehre.
Dem Wesen nach ist der Vater dem Sohn gegenüber fremd, da
Er ursprungslos west. …
Solange der Sohn nicht ist, ist der Gott nicht Vater.
Zuvor war der Sohn nicht, trat aber ins Dasein durch den väterlichen
Willen; …..
Durch Gottes Willen hat der Sohn dieses Alter und diese Größe;
Seine Existenz aus Gott ist bestimmt durch ein „seit wann“ und
ein „von woher“ und ein „von da ab“; …
Um zusammenzufassen: Der Gott west für den Sohn als Unaussprechlicher.
er ist nämlich für sich, was er ist, das heißt
er ist unsagbar,
so daß der Sohn selbst nichts von dem Gesagten adäquat
auszusagen versteht. ….
auch der Sohn hat seine (des Vaters) Wesenheit nicht gesehen,
da er als Sohn in Wirklichkeit nur durch den Willen des Vaters
besteht.
Wem ist also gestattet zu sagen, daß der, der aus dem Vater
ist,
den, der ihn hervorgebracht hat, erkennen oder begreifen kann?
Es ist also deutlich, daß der, der einen Anfang hat, den
Anfanglosen, so wie er ist, nicht umgreifen und nicht erfahren
kann.
Wie Arius sind auch das Evangelium des Johannes und seine Briefe
sehr zurückhaltend in der Frage, ob der Mensch Zugang zu
Gott finden kann. Bereits im Prolog des Evangeliums heißt
es: „Niemand hat Gott je gesehen.“ (Kap. 1,18) In
dem 1. Johannesbrief heißt es: „niemand hat Gott
je geschaut.“ Kap 4,12
Aber anders als für Arius ist die Distanz zwischen dem Menschen
und Gott überwunden, durch den Sohn. Im Prolog endet der Satz
nicht damit „Niemand hat Gott je gesehen.“, sondern
wird fortgesetzt: „Der Einzige, der Gott ist und am Herzen
des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Kap. 1,18)
Der oben zitierte Satz aus dem 1. Johannesbrief beinhaltet ein
kurzes Glaubensbekenntnis: „Niemand hat Gott je geschaut.
Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist
in uns vollendet. Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben
und er in uns bleibt: Er hat uns seinen Geist gegeben. Wir haben
gesehen und bezeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat
als den Retter der Welt. Wer bekennt, daß Jesus der Sohn
Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott.“ (Kap.
4,12-15)
Im Evangelium findet sich ein Abschnitt, der wir in einer Lehrstunde
aufzeigt, daß wir Menschen Gott in seinem menschgewordenen
Sohn erkennen.
„
Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt
uns. Jesus antworte ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du
hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den
Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst
du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist?
Die Worte, die ich euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der
Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch,
daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist.“ (Kap.
14,8-11)
Gott ist nicht ein Gott, der in sich als Monade abgeschlossen,
unzugänglich, nur für sich allein existiert, sondern
der die Beziehung zum Menschen will.
Eckhard Bieger S.J.
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