Philosophie&Theologie

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Religion und Argumentation

Die christliche wie schon die jüdische Religion vermitteln sich zuerst durch Erzählungen, von Abraham, Isaak und Jakob, von der Befreiung des Volkes aus Israel aus Ägypten und dem Zug durch die Wüste, von David und Salomo. Die christliche Religion orientiert sich ganz am Lebensweg Jesu, der in den Festen des Kirchenjahres präsent gehalten wird, Geburt, Bescheidung, Darstellung im Tempel, Taufe im Jordan, Leiden und Auferstehung, Sendung des Geistes. Für was braucht es dann Theologie und Philosophie in einem katholischen Portal? Es entstehen in der Rede über Jesus und die Erlösung Fragen, die nicht mehr durch Rückgriff auf Erzählungen geklärt werden können, sondern der Argumentation bedürfen. Meist entstehen die Fragen aus den Entwicklungen, in die die Religionsgemeinschaft geführt wird. Eine solche Frage ergab sich, als Nicht-Juden sich zum Christentum bekehrten und sich taufen ließen. Waren sie auch den jüdischen Religionsgesetzen unterworfen? Dazu gab es keine Anweisung Jesu. Das 1.Konzil entschied, daß das nicht notwendig sei. Die Apostelgeschichte berichtet in Kapitel 15 von diesem ersten Konzil. Die Frage war damit nicht erledigt, denn Christen, die aus dem Judentum stammten, sahen das Gesetz weiterhin als notwendig, an, um das Heil zu erlangen. Deshalb war der Theologe Paulus gefordert, der entsprechend den Prinzipien der jüdischen Theologie argumentierte. In seinem Römerbrief bezieht er sich auf Abraham, der lebte, als das Gesetz noch nicht erlassen war. Paulus zeigt, daß der Glaube die zentrale Größe ist und nicht das Gesetz, denn Abraham wurde gesegnet, weil er dem Anruf Gottes Glauben schenkte. Die christliche Theologie kennt auch die Schriftauslegung, die Exegese, als Weg, Fragen zu klären. In der Begegnung mit der griechischen Kultur, in die das Christentum schon früh getragen worden war, mußte sie sich mit der Philosophie auseinandersetzen. Das hat sich als sehr fruchtbar erwiesen. Daher gehört, gerade in der katholischen Tradition, die Philosophie mit in das Studienprogramm des theologischen Nachwuchses. Nicht nur Platon und Aristoteles haben das theologische Denken befruchtet, sondern auch die neue Philosophie: Kant, Schelling, Hegel, Kierkegaard und Heidegger. Im Mittelalter waren die meisten der Philosophen wie Albert d. Gr., Thomas v. Aquin und Duns Scotus selbst Theologen.
In der christlichen Theologie geht es um viele Fragen, besonders wichtig sind aber die, die sich mit der Erlösung, der von Gott geschenkten Gnade, der Gerechtmachung beschäftigen. Bereits Paulus hat sich intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt, dann Augustinus und Luther. Die junge Kirche wurde in tiefgehende theologische und philosophische Auseinandersetzungen gestürzt, denn sie mußte im griechischen Kulturraum genauer erklären, wer Jesus war, was es bedeutet, daß er Gott und Mensch ist. Daraus entstanden Fragen, ob er eine eigene menschliche Seele und einen eigenen menschlichen Willen hatte. Das Ringen um diese Frage dauerte mehr als 300 Jahre und spaltet bis jetzt die orthodoxen Kirchen von der ägyptischen und syrischen. Ergebnis dieser philosophischen und theologischen Diskussion ist der Personbegriff, Basis der europäischen Kultur.

Weil die Theologie wie auch die Philosophie durch Probleme in Gang gesetzt werden, sind die Artikel dieses Lexikons von der Problemstellung her aufgebaut. Oft zeigt sich, daß ein theologischer Begriff wie „Person“ oder „Realpräsenz“ Ergebnis einer theologischen Diskussion sind und damit auf eine Problemstellung eine Antwort geben. Damit unterscheidet sich das Lexikon von zwei anderen Modellen. Denn es ist sehr gut möglich, einen Beitrag mit der Erklärung des Begriffs zu beginnen. Ein anderer Weg, ist die Theologiegeschichte abzuschreiten und zu zeigen, wie im Alten und Neuen Testament wie auch durch die Theologen der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit die Fragestellung bedacht wurde. Da letzter Weg sehr langwierig ist und in die Ausbildungsgänge der Theologie gehört, wird hier eine einfachere Lösung umgesetzt: Im Anschluß an die Problemdarstellung werden die Bibel und die Theologen zitiert, so daß der Klang ihres Denkens direkter deutlich wird.

Dieses Lexikon wird sich nicht so schnell abschließen lassen. Wer mitarbeiten will, kann sich gerne an die kath.de Redaktion wenden. redaktion@kath.de

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