Lexikontitel

Gedanken zum Osterfest


Inhaltsverzeichnis

Zur Fastenzeit:

Fastenzeit und Ostern


Abschreiten des Weges Jesu

Am Karfreitag werden schon die Auferstehung und die Erlösung gefeiert

Die Osternacht enthält das Ganze, nichts vom Geheimnis des Osterfestes ist ihr fremd. Um sie herum jedoch entfaltet sich das Festgeheimnis in den Tagen vorher und nachher, vor allem auf der Ebene der einzelnen Ereignisse des Lebens Jesu in Jerusalem.

Das bahnt sich schon an beim 5. Fastensonntag, früher einmal „Passionssonntag“ genannt. Der Palmsonntag ist dem Einzug Jesu in Jerusalem zugeordnet. Fast jeder Tag in der Karwoche hat ein Evangelium, das kalendarisch genau auf ihn gehört. Und ganz genau wird alles in der Abendmesse des Gründonnerstags, die ja zur gleichen Stunde stattfindet wie Jesu Mahl mit seinen Jüngern und nichts ist als die Vorabendmesse des Karfreitag, und schließlich auch am Karfreitag selbst, wo die Gemeinde zu Jesu Todesstunde zusammenkommt. Aber auch vom Ostertag an bis zum „Weißen Sonntag“ geht die Linie weiter, denn an diesen Tagen werden immer wieder Erscheinungen des Auferstandenen aus den vier Evangelien vorgelesen. Auf dieser Ebene, die zumindest in der christlichen Neuzeit fast allein das gläubige Bewußtsein prägt, ist das Pascha Jesu also gewissermaßen in Einzelszenen auseinandergenommen.

Selbstverständlich sollte auch hier beim Einzelgeheimnis stets das Ganze im Blick bleiben, so etwa am Karfreitag auf dem Höhepunkt seiner Liturgie, bei der Kreuzverehrung. Da heißt der Text des ersten im Meßbuch vorgesehenen Gesanges:

Dein Kreuz, o Herr, verehren wir,
und deine heilige Auferstehung preisen und rühmen wir:
Denn siehe, durch das Holz des Kreuzes
kam Freude in alle Welt.

Leider erlebt man nur noch selten eine Karfreitagsliturgie, wo dieser Text gesungen würde. Er wird häufig ausgelassen. Wissen Pfarrer und Liturgieausschüsse nicht mehr, daß wir selbst am Karfreitag keine reine Totenklage begehen, sondern das gesamte Ostergeheimnis feiern?

Texte: Georg Braulik, Norbert Lohfink

 

Weitere Informationen:
Georg Braulik, Norbert Lohfink, Osternacht und Altes Testament, Peter Lang, Frankfurt/M


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