Lexikontitel

Gedanken zum Osterfest


Inhaltsverzeichnis

Zur Fastenzeit:

Fastenzeit und Ostern


Die Osternacht als Zentrum des Osterfestkreises

Fastenzeit und die Zeit nach Ostern liegen wie konzentrische Kreise um die Osternacht herum

Die Osternacht ist eingebettet in eine weitgespannte Festzeit. Diese ganze Festzeit muß, auch wenn man sich nur mit der zentralen heiligen Nacht beschäftigt, stets auch als ganze vor Augen stehen. So ist es gut, auch einen Blick auf den ganzen Osterfestkreis zu werfen, wie er in unserer Kirche gefeiert wird. Wir dürfen in diesem Zusammenhang nicht in linear aufeinander folgenden Einzelfesten denken, die von der christlichen Gemeinde in fester Reihenfolge nacheinander begangen werden müßten. Vielmehr gibt es so etwas wie ein System konzentrischer Kreise.

In ihm ist die Osternacht das Zentrum. In ihr ist alles zusammen. Alles wird hier gefeiert, nichts steht mehr als das andere im Vordergrund. Diese Nacht ist das Fest der Schöpfung, der ersten und der neuen. Sie ist das Fest des Auszugs aus Ägypten und der Entstehung des Gottesvolkes. Sie ist das Fest des Todes und der Auferstehung Jesu. Sie ist die Stunde, da neue Menschen aus einer alten Welt durch die Taufe in die neue Welt hinübertreten. Diese Nacht ist unmittelbar hingeordnet auf die Wiederkunft des Herrn am Ende der Zeiten. Alles zusammen. Und deshalb ist diese Nacht so reich und muß in ihrer Feier so weit ausgreifen und so vieles zugleich zum Klingen bringen.

Vielleicht ist es im vorigen Absatz beim Lesen aufgefallen, daß gesagt wurde, die Osternacht sei das Fest des Todes und der Auferstehung Jesu. Wieso auch des Todes? Ist das nicht der Karfreitag? Der Karfreitag ist in der Tat der „österliche Tag vom Leiden und Sterben des Herrn“, ebenso wie der Karsamstag der „österliche Tag von der Grabesruhe des Herrn“ und der Ostersonntag der „österliche Tag von der Auferstehung des Herrn“ ist. Das sind die Namen, die diese Tage seit der letzten Liturgiereform im Meßbuch haben. Aber mit ihnen sind wir schon beim ersten konzentrischen Kreis, der um die Osternacht herumliegt und der die Sinngebung der einzelnen Tage von den Ereignissen am Ende des Lebens Jesu her kalendarisch festhält. Dieser Kreis schließt jedoch nicht aus, daß in der Osternacht, die den Mittelpunkt von allem bildet, alles auf einmal zum Festgeheimnis gehört.

Das ist allerdings dadurch verdunkelt, daß im Gegensatz zum Brauch der alten Kirche in der Osternacht als Evangelium nur noch ein Auferstehungstext gelesen wird, nicht mehr auch die Passion oder zumindest der letzte Teil der Passion. Das war ursprünglich üblich und gehört eigentlich unbedingt hinein. Im Zentrum des Festes aller Feste dürfen Leiden und Tod Jesu auf keinen Fall fehlen. Es ist zu wünschen, daß das Evangelium der Osterfrühe bei einer kommenden Reform wieder in die alte Gestalt gebracht wird.

Text: Georg Braulik, Norbert Lohfink


Weitere Informationen:
Georg Braulik, Norbert Lohfink, Osternacht und Altes Testament , Peter Lang, Frankfurt/M


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