Wenn
eine Institution in der Öffentlichkeit nicht überzeugt
Wer sich in die Öffentlichkeit
begibt, gerät in ein Dilemma, wenn er mit seiner Argumentation,
mit seiner Überzeugungskraft, seinem Charme in der Öffentlichkeit
nicht überzeugt. Dann schlägt sich die negative
Wirkung in der Öffentlichkeit nicht nur in einem schlechten
Image nieder, sondern alle Mitglieder einer Institution
sind in ihren täglichen Aktivitäten vor Ort beeinträchtig.
Wenn ein Vertreter, einer Partei, einer Gewerkschaft, einer
Kirche in einer öffentlichen Diskussion nicht überzeugt,
in einem Interviewe nicht Rede und Antwort stehen kann,
dann hemmt das am nächsten Tag die Mitglieder der
Partei, die Funktionäre einer Gewerkschaft, die haupt-
und ehrenamtlichen Mitarbeiter einer Kirche in ihrer Kommunikation
mit den Menschen am Arbeitsplatz, mit ihren Nachbarn, in
der eigenen Familie. Das Dilemma wird einer Partei, Kirche
oder Gewerkschaft nicht von außen aufgezwungen, sondern
es wird durch die eigenen Repräsentanten verursacht.
Es ist ein Kommunikationsdilemma, weil es die Bereitschaft,
für die eigene Partei, Gewerkschaft, Kirche nach außen
aktiv zu werden, abbaut. Je schlechter eine Institution
in der Öffentlichkeit dasteht, desto mehr beschäftigen
sich ihre Gremien mit dem Zustand der Institution anstatt
die Nicht-Mitglieder vom Wert der Institution zu überzeugen.
Das Kommunikationsdilemma entsteht nicht aus technischen
Mängeln oder fehlenden Mitarbeitern für die Öffentlichkeitsarbeit,
sondern aus einer argumentativen Schwäche.
Am Bespiel der katholischen Kirche zeigt der Autor, daß das Kommunikationsdilemma
dieser Kirche in der mangelnden Fähigkeit besteht, zur Freiheitsthematik
der Späten Moderne einen überzeugenden Beitrag zu leisten.
Eckhard Bieger: Das Öffentlichkeitsdilemma
der katholischen Kirche
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