Literarische
Gattungen und Formate der Medien
Die Theologie
ist selbst schon eine Kommunikationswissenschaft. Die Bibelwissenschaft
unterscheidet literarische Genera oder Gattungen, im Fernsehen
heute Formate genannt. Kommunikation realisiert sich anders
in einer Novelle, anders in einem Psalmlied, wieder anders
in der Beschreibung einer Kulthandlung. Vergleichbar ist
die Unterscheidung von Nachricht, Reportage, Glosse, Kommentar.
Die Formate des Fernsehens haben
wie die literarischen Genera der Bibel unterschiedliche
Baugesetze, ob es sich um ein Fernsehspiel, einen Dokumentarfilm,
Nachrichten, eine Quizshow handelt. So gibt es Talkshows,
in denen man Prominente im Gespräch kennenlernt, Fernsehdiskussionen,
in denen ein kontroverses Thema im Mittelpunkt steht oder
Spieleshows, die den Wettkampf als Motor des Geschehens
haben.
Lernt man in den Bibelwissenschaften den Umgang mit Formaten, bekommt man durch
die Philosophie- und Theologievorlesungen einen Blick dafür, wie Ideen
sich entwickeln, Einfluß gewinnen und mit vorherrschenden Meinungen in
Konkurrenz treten. Das ist der Stoff, aus dem Zeitungen, politische Magazine,
Kommentare gemacht werden.
Das analytische Training und damit eine schnelle Auffassungsgabe sind für
einen Journalisten unentbehrlich.
Der Ideenreichtum und die Formen, wie Gedanken durch Bilder ausgedrückt
werden, ist das Metier der Werbung. Sie hat aber noch lange nicht die Qualitäten
der religiösen Kunst erreicht.
Das Verständnis dafür, wie Juristen denken, kann man sich in den
Vorlesungen und den Übungen in Kirchenrecht aneignen. Auch das bereitet
auf den Alttag des Journalisten und die Ideenfindung des Krimiautors vor.
Ein gründliches Studium der Philosophie und der Theologie und ihrer methodischen
Instrumentarien ist die beste Vorbereitung auf einen Medienberuf. Hinzukommen
muß die Entwicklung des aktiven Wortschatzes. Ein Journalist wie ein
Drehbuchautor werden bezahlt, wenn sie einen Artikel, ein Treatment, eine Reportage
abgeben. Deshalb ist es sinnvoll, während des Studium schon
für den Lokalteil einer Zeitung, die Bistumszeitung zu schreiben oder
im lokalen oder regionalen Hörfunk als freier Mitarbeiter, freie Mitarbeiterin
aktiv zu werden. Dieses Training schlägt sich unmittelbar in einer besseren
Note für die Diplomarbeit und das Schlußexamen nieder. Denn wie
die Leser können die Professoren nicht erkennen, was der Journalist bzw.
der Student weiß, sondern was er bzw. sie sprachlich ausgedrückt
haben. Gegen alle landläufige Meinung geht es in einer Prüfung nur
zu einem Teil um Wissen, der Inhalt der Prüfung ist das, was der Prüfling „zu
sagen hat“.
Einige Fakultäten bieten
für Studierende der Theologie Vorbereitungskurse für eine späteren
Medienberuf. Manche Universitäten führen journalistische Ausbildungsprogramme
durch.
Da in Deutschland der Zugang zum Journalismus durch ein zweijährige Volontariat
erfolgt, ist es sinnvoll, sich im Studium so zu qualifizieren, daß man
die Zugangsprüfung zu einem Volontariat besteht. Hierfür eignet sich
die freie Mitarbeit bei einer Zietung oder einem Sender, die zum Ergebnis hat,
daß man bei der Bewertung gedruckte Artikel oder gesendete Beiträge
vorweisen kann.
Für Drehbuchautoren gibt es Kurse an Filmhochschulen wie auch frei ausgeschriebene
Programme.
Eckhard Bieger
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