Berufschancen
für Theologen und Theologinnen in den Medien
Wer ein Theologiestudium
macht, bereitet sich auf einen Kommunikationsberuf vor.
Er oder sie werden Geschichten erzählen und auslegen,
Menschen zu einem Austausch über religiöse und
Lebensfragen, predigen, unterrichten. Nichts anderes tun
die Medien. Die Zeitungen berichten, was sich gezeitigt
hat, das Fernsehen erzählt eine Geschichte nach der
anderen. Viele Shows sind nicht sehr viel anders aufgebaut
als ein Pfarrfest. Da Theologen und Theologinnen dafür
ausgebildet sind, Kommunikation in Fluß zuhalten,
finden sie sich leichter als andere Berufsgruppen in den
Medien ein. Sie sind in Zeitungsredaktionen tätig,
moderieren Sendungen, schreiben Drehbücher. Das einzige
Handicap, das sie aus dem Studium mitbringen, ist die eigenartige
Sprache, die sie von ihren Theologieprofessoren beigebracht
bekommen. Da die Professoren ihre umständliche Satzkonstruktionen
im Examen gerne wieder hören wollen, bringen sie den
Studierenden nicht nur philosophisches und theologisches
Denken bei, sondern auch eine Sprache, die außerhalb
kirchlicher Kleingruppen niemand versteht. Deshalb empfiehlt
es sich für alle Studierenden, ob sie einen Beruf
in den Medien anstreben oder im kirchlichen Dienst, für
eine Lokalredaktion zu schreiben. Sie erhöhen damit
die Chance, daß sie später von ein paar mehr
Leuten als den treuen Kirchgängern verstanden werden.
Brauchen aber die Medien Theologen? Das aus mehreren Gründen. Das Theologiestudium ist
ein besonders gutes Training für den journalistischen Alltag. Da kommt
es auf gutes, flüssiges Denken an und kommunikative Kompetenz.
Seit Ende der achtziger Jahre haben die Medien entdeckt, daß man mit
Religion „Quote“ machen kann. Der polnische Papst aber auch Pfarrer
als Serienhelden zeigten, daß beim Publikum ein bisher nicht vermutetes
Interesse da ist. Dieses Interesse ist weltweit gewachsen, nicht nur in den
USA und Asien, sondern auch immer mehr in Europa. Inzwischen versprechen religiöse
Kinofilme eine sehr viel höhere Rendite als Aktionformate. Diese Kinoerfolge
zeigen, daß Menschen bereit sind, für das Religiöse nicht nur
Zeit aufzuwenden, sondern auch Geld.
Lokalredaktionen brauchen Theologen und Theologinnen dringend, weil die Kirche
vor allem eine lokale Größe ist. Jede Woche gibt es mehrere Veranstaltungen.
Nun ist es aber sehr viel leichter, über einen Verkehrsunfall zu berichten
als über eine Erstkommunion. Darüber muß eine Lokalzeitung
berichten, den die Großeltern und Eltern wollen am Montag in der Zeitung
nicht nur ein Foto sehen, sondern etwas über die Feier lesen. Genau dafür
braucht sie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die das nicht nur fotografieren,
sondern auch in Worte fassen können.
Eckhard Bieger
Vorbereitung
auf einen Medienberuf
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