Kirche in Deutschland
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Geschichte der Kirche in Deutschland

Bistum Hildesheim

Bistum Konstanz

Erzbbistum, Erzdiözese

Fidelis von Sigmaringen

Fridolin von Säckingen

 

Konrad, Bischof von Konstanz



Offizial

 

 

 

 

 

Offizial

Leiter des Gerichts einer Diözese

Der Offizial (= Gerichtsvikar) vertritt den Diözesanbischof im Bereich der kirchlichen Gerichtsbarkeit und leitet die kirchliche Gerichtsbehörde, das Offizialat, in manchen Diözesen auch "Konsistorium" genannt). Das Offizialat ist für die innerkirchliche Rechtssprechung zuständig. Die kirchliche Gerichtsbarkeit dient dem Rechtsschutz innerhalb der Kirche. In der Praxis machen die Verfahren zur Eheannullierung den größten Teil der Tätigkeit der Offizialate in Deutschland aus.
Der Bischof ist der oberste Richter in der Diözese. Er ist aber durch das Kirchenrecht verpflichtet, zur Ausübung der richterlichen Gewalt einen Offizial als Stellvertreter zu bestellen. Zusätzlich kann er einen oder mehrere Vizeoffiziale ernennen. Offizial und Vizeoffizial(e) müssen Priester sein, einen guten Ruf haben, das Doktorat oder das Lizentiat im kanonischen Recht (= Kirchenrecht) besitzen und wenigstens 30 Jahre alt sein. Außerdem kann der Bischof weitere Diözesanrichter ernennen, die ebenfalls in der Regel das Doktorat oder Lizentiat im kanonischen Recht erworben haben müssen. Diese können im Gebiet der deutschsprachigen Länder Priester, Diakone oder Laien sein. Sie bilden mit dem Offizial oder dem Vizeoffizial zusammen ein Kollegialgericht.
Der Offizial ist verantwortlich für die Gerichtsorganisation, für die Dienstaufsicht über die Offizialatsmitarbeiter, für die Berufung der Richterkollegien, für eine zügige Verfahrensdurchführung im Rahmen der gesetzlichen Fristen und für die Vertretung des Offizialats nach außen.
Gegen eine Entscheidung des Diözesangerichts gibt es die Möglichkeit zur Berufung, allerdings nicht an den eigenen Ortsbischof, sondern an das Gericht der nächsthöheren Instanz. Das zweitinstanzliche Gericht ist in der Regel das Gericht der jeweiligen Erzdiözese (bzw., falls dort das erstinstanzliche Verfahren stattfand, ein ständig delegiertes Gericht eines Suffraganbistums). Reguläres Gericht dritter und höherer Instanz ist die Römische Rota.
Aufgrund der Gewaltenteilung ist das Amt des Offizials in aller Regel mit dem Amt des Generalvikars (Vertreter des Bischofs in allen Verwaltungsaufgaben) unvereinbar.

Michael Hauser, Offizial der Erzdiözese Freiburg

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