Managergehälter

Hohe Managergehälter schwächen die Firmen

 Geld gilt als belebendes Element, ähnlich wie Rohöl. Es bringt die Wirtschaft in Schwung. Mit Geld kann man Bürotürme bauen, neue Technologien entwickeln. Mit Geld konnte man sogar viel Geld verdienen, wenn man es mit einigem Risiko in hochverzinste Zertifikate angelegt oder auf steigende Aktienkurse spekuliert hat. An der Geldvermehrung ist das Finanzsystem selbst gescheitert. Aber nicht nur das. Ökonomen haben jetzt Forschungen vorgelegt, die eine gegensätzliche Wirkung des Geldes erkennen lassen. Viel Geld führte nicht nur in der Finanzbranche zu hohen Verlusten.

 

Die neoliberale Theorie geht davon aus, dass viel Reichtum nicht nur die Reichen reicher macht, sondern irgendwann auch bei den weniger Bemittelten ankommen muss. Das Prinzip wurde auch auf die Managergehälter übertragen. Je höher die Bezahlung der Vorstände, umso höher der Gewinn des Unternehmens, waren doch die Gehälter an den Börsenwert bzw. die Gewinnausschüttung der Firma gekoppelt. Ein hohes Gehalt musste doch Ausweis über den Erfolg der Firma sein. Diese Geld-Logik bestätigt sich aber nicht, auch wenn die Banken schon wieder behaupten, sie müssten die Gehälter ihrer Spitzenleute deutlich heraufsetzen, um Erfolg zu haben. Wirtschaftswissenschaftler haben die Managergehälter mit dem Börsenwert der jeweiligen Firmen verglichen, also eine Untersuchungsansatz, der sich ganz im Geldsystem bewegt, ohne moralische Gesichtspunkte einbeziehen zu müssen. Das Ergebnis: Je höher der Gehaltsabstand des Vorstandchefs von den anderen Vorstandmitgliedern ist, desto niedriger die Gewinne und daraus folgend der Börsenwert des Unternehmens. Gleiches gilt für Bonuszahlungen in Form von Aktien. Im Verlauf von 5 Jahren verloren die Unternehmen an Wert, die ihre Vorstandsmitglieder am höchsten bezahlten. Prof. Raghavendra Rau von der Purdue-Universität untersuchte den Zeitraum von 1994 bis 2006, also vor der Finanzkrise. Er kommt zu einer überschlägigen Rechnung, dass 1 Dollar höhere Vorstandsbezüge dem Aktionär einen Verlust von 100 Dollar einbringt. Aktionäre, die diese Daten berücksichtigen, sollten Aktien solcher Unternehmen kaufen, deren Vorstandschefs am unteren Ende der Gehaltskala bezahlt werden. Sie können mit steigenden Aktienkursen dieses Unternehmens rechnen. Diejenigen, die den Erfolg eines Managers an seinem Gehalt ablesen wollen und die Aktien von Unternehmen mit den höchstbezahlten Managern kaufen, müssen mit einem sinkenden Kurs für ihre Aktie rechnen.

Es bestätigt, was viele vermutet haben: Das Geld ist nicht das Erfolgsrezept, sondern Verantwortungsbewusstsein und eine auf langfristigen Erfolg angelegte Unternehmens­strategie. Das ist kein magischer Zusammenhang. Sicher beraubt der Blick auf das Geld den Menschen seiner moralischen Standards beraubt. Aber es gibt noch weitere Gründe, warum mehr Geld zu weniger Unternehmenserfolg führt:

  1. Manager können ihr Gehalt aufbessern, wenn sie gute Quartalszahlen vorlegen. Das machen sie, indem sie andere Firmen kaufen und zugleich Mitarbeiter entlassen. Das senkt die Personalkosten bei steigendem Umsatz. Ob die Fusion sich in drei und fünf Jahren als Erfolg herausstellt, spielt bei der Gehaltsfestsetzung keine Rolle.
  2. Wenn Manager die Fusion mit einem anderen Unternehmen betreiben, muss immer damit gerechnet werden, dass das Motiv eine Erhöhung, möglichst eine Verdopplung des bisherigen Gehalts ist. Der Kauf von Chrysler durch den damaligen Mercedes-Vorstandschef Schrempp hatte, wie sich nachträglich zeigt, keinen anderen Sinn. Mercedes hat dabei nur draufgezahlt und die Fusion wurde rückgängig gemacht.
  3. Dass die Aufsichtsräte, auch die Gewerkschaftsvertreter, bei Fusionen meist dem Management folgen und nicht auf die Arbeitsplätze und den Börsenwert des Unternehmens schauen, ist darin begründet, dass die Aufsichträte Firmenübernahmen deshalb unterstützen, weil sie dann über ein größeres Unternehmen die Aufsicht führen können. Wenn die Wirtschaft im Aufschwung ist, glaubt man, das Geld für die Übernahme leicht wieder verdienen zu können. Denn solange die Aktienindizes steigen, kann man leicht neue Aktien auf den Markt werfen, die auch gekauft werden. Kommt dann die Krise, stellt sich heraus, dass man meist viel zuviel für die übernommene Unternehmen bezahlt hat.
  4. Wer als Manager darauf fixiert ist, ein möglichst hohes Gehalt herauszuhandeln, muss sich ab einer bestimmten Höhe keine Gedanken mehr um seine finanzielle Zukunft machen. Scheidet der Manager oder Vorstandsvorsitzende aus, erhält er eine seinem Gehalt angepasste Abfindung und ist im Besitz von Aktien des Unternehmens, die er am besten kurz vor seiner Entlassung noch schnell an der Börse verkauft.
  5. Geld wird von manchen Menschen in neue Entwicklungen angelegt. Der Mut zum Risiko scheint aber nicht mit der Menge des Geldes zu wachsen, über das jemand verfügt. Wer das Gehaltslevel erreicht hat, das er angestrebt hatte, orientiert sich nicht mehr so an der Zukunft. Denn Geld, das ich habe, muss ich nicht mehr verdienen. Es ähneln sich diejenigen, die zu wenig haben und die, die über zuviel Geld verfügen. Die mit dem Notwendigsten auskommen müssen, sind mit dem Kampf ums Überleben beschäftigt. Sie haben keine Kapazitäten, Neues zu entwickeln. Diejenigen, die zuviel haben, spüren keinen Elan mehr, Neues anzupacken. Zudem brauchen sie ja auch viel Zeit, das viele Geld auszugeben.

 

Es ist deutlich, dass Geld nicht die magische Macht auf die Wirtschaft hat, die ihm immer noch zugebilligt wird. Es bestätigt sich auch die Erfahrung der Kirche: wenn sie über zuviel Geld verfügt, hat sie wenig seelsorglichen und missionarischen Elan.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ