Finanzkrise 5

Was die Finanzkrise so teuer gemacht hat: Vetrauen und Geld

Es sollen amerikanische Bürger gewesen sein, die die weltweite Finanzkrise herbeigeführt haben. Sie konnten die Raten für die Hypotheken, mit denen sie den Hausbau finanziert hatten, nicht abbezahlen. Teilweise sollten die Zinszahlungen und der Tilgung des Darlehens erst einige Monate nach dem Hausbau begonnen. Allerdings waren in die Rückzahlungsverpflichtungen Steigrungen eingebaut. Hinzu kam eine Erhöhung des Leitzinses durch die amerikanische Notenbank. Insgesamt ist das eine erstaunliche Erklärung. Nichtsahnende amerikanische Bürger, die sich für einen Hauskauf entschlossen hatten, bringen das weltweite Finanzsystem zum Einsturz, hätten die Staaten nicht eingegriffen. Es sind auch nicht wenige Banken durch die Zahlungsschwierigkeiten der Hausbauer bankrott gegangen, einige große haben der amerikanische, der britische und der deutsche Staat vor dem Kollaps bewahrt. Denn als eine der großen, Lehmann Brothers, zahlungsunfähig wurde, wankte tatsächlich das ganze System, so dass die Regierungen sich absprechen mussten, dass keine der großen Banken, man bezeichnet sie als systemrelevant, ihre Schalter schließen musste. Das hatte offensichtlich Gründe.

Wäre noch eine der großen Banken eingebrochen, dann hätten die Bankkunden versucht, ihre Einlagen zu retten. Es hätte einen Run auf die Bankkonten gegeben. Wenn die Mehrzahl der Kunden ihre Einalgen von der Bank zurückfordern, werden diese zahlungsunfähig, denn das Geld ist ja an Schuldner verliehen. Das war im Verlauf der Börsenkrise der dreißiger Jahre geschehen und hatte dann auf die gesamte Wirtschaft mit in den Abgrund gerissen.

Mit der Schließung der Lehmannbank war aber nicht nur das Vertrauen der Kunden in die Banken erschüttert, sondern auch das der Banken untereinander. Man hatte zudem nicht mit dem Zusammenbruch einer „systemrelevanten“ Bank gerechnet. Wenn eine so große Bank ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, dann könnte das auch für andere Banken gelten. Wer aber einer Bank Geld zur Verfügung stellt, erhält es nicht mehr in voller Höhe zurück, sondern nur den Teil, den der Konkursverwalter noch vorfindet.

Der Vertrauensverlust war also das eigentlich teure. Nicht die amerikanischen Eigenheimbesitzer haben das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Es waren die Banken selbst. Das zeigen zwei Beobachtungen:

  1. Die Banken waren selbst nicht in der Lage, die Krise zu steuern. Es waren die hoch bezahlten Bankmanager selbst, die sich unfähig zeigten, die Probleme, die sie selbst geschaffen hatten, zu meistern. Das lag daran, dass die Bankmanager besser als andere wussten, wie wenig werthaltig die Hypotheken und die Finanzprodukte waren, die sie mit hohen Renditeversprechungen weltweit verkauft hatten.
  2. Weil die Bankmanager wussten, was wirklich gespielt worden war, konnten sie sich gegenseitig nicht trauen. Weil die Banken sich untereinander nicht mehr getraut haben, haben sie sich auch nicht gegenseitig gestützt. Der Staat und damit die Steuerzahler mussten als Garanten des Finanzsystems einspringen.
  3. Die Banken haben ihre Situation allerdings erst dadurch so verschlimmert, dass sie die Häuser von zahlungsunfähigen Hypothekennehmern zwangsversteigert haben und damit die Häuserpreise in den USA in manchen Regionen bis zu 30% in ihrem Marktwert vermindert haben. Diejenigen, die die im Verlauf der Bankenkrise die Häuser gekauft haben, mussten sehr viel weniger zahlen. Dadurch entstandne die normen Verluste der Banken.

Es ist somit deutlich: Die amerikanischen Eigenheimbesitzern haben die Finanzkrise angestoßen, den drohenden Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems haben die Banken erst zustande gebracht.

Zieht man die Lehren aus der Finanzkrise, dann kann man den Banken nicht mehr trauen. Als diejenigen, die als Steuerzahler die Finanzkrise bezahlt haben, sollten weiterreichende Konsequenzen ziehen, nämlich von dem Wirtschaftssystem Abschied nehmen, das zu der dieser bedrohlichen Krise geführt hat. Es ist wie mit der Atomkraft: Wenn sie vom Menschen nicht mit genügendem Sicherheit gemeistert werden kann, soll der Mensch die Finger davon lassen. Wie ein Tschernobyl reichen sollte, so auch die letzte Bankenkrise

Eine weitere Konsequenz ist unausweichlich: Geld sichert nicht unser Überleben. Wenn wir es der falschen Bank anvertraut haben, dann schmilzt diese Sicherheit bei einem Kollaps der Bank in wenigen Stunden dahin. Vertrauen gibt mehr Sicherheit und Geld funktioniert nur auf der Basis von Vertrauen. Ein Unternehmen, das die Geldvermehrung über die Vermehrung von Vertrauen stellt, bereitet seinen eigenen Ruin vor. Deshalb ist die Grundlage des Wirtschaftslebens nicht das Geldverdienen, sondern Verantwortung und die Bereitschaft, zuerst den anderen zu nutzen.

 

Hinweis:

Die Enzyklika „Caritas in Veritate“ zeigt, dass ich nur langfristig die materielle Basis der eigenen Existenz sichern kann, wenn ich nicht zuerst fordere, sondern mir bewusst bin, dass ich erst einmal unentgeltlich mein Leben, die Güter der Natur, die Mitmenschen wie auch meine Begabungen und meine Leistungskraft geschenkt bekommen habe. Wenn die Wirtschaft nicht auf Geldvermehrung aufgebaut ist, sondern auf Vertrauen, das sich aus der hier kurz skizzierten Grundhaltung speist, muss man nicht mit das Ganze bedrohenden Krisen rechnen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ