Finanzkrise 4

Falsche Bewertung der Unternehmen

Die Finanzkrise ist, wesentlich durch die Orientierung am kurzfristigen Gewinn verursacht worden. Da haben viele dazu beigetragen, auch diejenigen, auch die Käufer von Aktien und anderen Finanzpapieren. Ratingagenturen haben entsprechende Empfehlungen abgegeben, ihnen sekundierten die Wirtschaftsjournalisten. An den Bewertungsmaßstäben hat sich nichts geändert, verfolgt man die Berichterstattung der Wirtschaftsredaktionen. Sie berichten weiterhin anhand der Quartalszahlen, als hätte es keine Krise gegeben. Ein Unternehmen scheint so gut und steigt in seinem Börsenwert, so hoch der Quartalsgewinn ist. Welche Risiken sich hinter den Gewinnzahlen verbergen, unterliegt nicht der Recherchepflicht der Journalisten. Nach welchen Kriterien die Ratingagenturen Unternehmen und vor allem Banken beurteilen, wird auch nach dem Beinah-Zusammenbruch des Finanzsystems nicht transparent gemacht. Die Wirtschaftsredaktionen drucken die Ratings ab, als gäben sie den Zustand eines Unternehmens exakt wieder. Das Risiko eines neuen Kollapses besteht wie vorher weiter, die Zahl der Arbeitslosen wird weiter zunehmen. Offensichtlich verdienen die Investmentbanker genauso zuviel wie vor der Krise.

Würden die Aktien und die Anleihen eines Unternehmens und andere Finanzprodukte realistisch, d.h. nicht im Blick auf das nächste Quartal, sondern auf die nächsten Jahre bewertet, dann erhielt der Aktien- und Anleihekäufer andere Informationen. Aber das Interessenkartell, das die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds gelenkt hat, wurde nicht ablöst wurde. Es wurde auch kein Leiter einer Wirtschaftsredaktion abgesetzt, weil seine Redaktion die falschen Informationen verbreitet hat. Dass die Ratingagenturen ihre Einschätzung transparenter gestalten, ist unwahrscheinlich. Sie sind noch mehr als die Wirtschaftsredaktionen von dem Kartell der mit Bonuszahlungen überhäuften Banker und Manager abhängig. Die Besitzer der Firmen, nämlich die Aktionäre und diejenigen, die Anleihen oder Fondsanteile zeichnen, sind faktisch in der Hand von Managern, die niemandem wirklich verantwortlich sind. Mitglieder von Aufsichtsräten oder Boards bieten auch keine Gewähr, dass sie die Interessen der Sparer und Aktionäre schützen.

Was kann derjenige, der Aktien, Anleihen oder Fondsanteile kaufen will, in dieser Situation tun. Was ist darüber hinaus nicht nur eine sichere, sondern auch ethisch zu rechtfertigende Geldanlage? Unterstützung verdienen die Unternehmen, die eine Firmenstrategie auf lange Sicht verfolgen. Das sind diejenigen, die Mitarbeiter nicht als Kostenfaktor sehen. Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen, versprechen nur kurzfristigen Gewinn, mittelfristig lohnt sich die Beteiligung an Firmen nur, wenn diese auf die Kompetenz ihrer Mitarbeiter setzen.

Ein wichtiger Zukunftsfaktor ist die Wissensbilanz, die ein Unternehmen veröffentlicht. Wer auf Wissen setzt, ist zukunftsfähiger.

Ein entscheidender Maßstab sind auch die Managergehälter. Auch dazu finden sich hinwieder Beiträge, nämlich wenn die Gehälter und Bonuszahlungen berichtet wird. Hohe Managergehälter kann nur ein Unternehmen zahlen, das Arbeitsplätze abbaut und überhaupt an der Mitarbeiterqualifizierung spart. Ein Manager mit hohem Gehalt wird zusehen, kurzfristige Gewinne vorzuweisen. Aber gerade das führt zum Ruin von Unternehmen.

Werden hohe Boni gezahlt, dann ist darauf zu schließen, dass die Bank oder das Unternehmen zu hohe Risiken eingeht.

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ