Zentralkomitee

Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Als Marx sein kommunistisches Manifest am 21. Februar 1848 veröffentlichte, ludt Fürst Löwenstein 1848 zur Generalversammlung der katholischen Vereine nach Mainz ein. Ein Zentralkomitee organisiert bis heute die Treffen der Katholiken, die Katholikentage, seit 1952 nennt es sich Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Mit der Demokratiebewegung Mitte des Jahrhunderts regte sich auch bei den Katholiken der Wille nach mehr Mitbestimmung, zumal nach den napoleonischen Kriegen die sog. Restauration bestimmend war, d.h. die Fürsten herrschten aus eigner Vollmacht, die sie durch das Gottes-Gnadentum rechtfertigten. Die katholischen Bistümer standen unter direkter Kontrolle der Landesregierungen. Für die protestantischen Kirchen war sowieso bis zum Ende des 1. Weltkriegs der Landesherr der Bischof.

Das Zentralkomitee bzw. sein Vorläufer war und ist der Dachverband der katholischen Verbände. Als die Pfarrgemeinderäte entstanden, wurden diese über ihre diözesanen Gremien Mitglieder des Zentralkomitees. Da ist darin begründet, dass sich das Zentralkomitee als Vertretung der katholischen Laien versteht.

Damit hat der deutsche Katholizismus eine Doppelstruktur, einmal die Repräsentation der Laienorganisationen im Zentralkomitee, zum anderen die ÞBischofskonferenz. Die Laien organisierten sich früher als die Bischöfe, die erst 1867 in der sog. Fuldaer Bischofskonferenz eine Struktur fanden. Sie hatten sich auch im Revolutionsjahr 1848 in Würzburg getroffen, aber nicht so schnell zu einer verbindlichen Form der Zusammenarbeit gefunden.

Anders als in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland sind also die Amtsträger einerseits und die Delegierten der Verbänden und der pfarrlichen Gremien in zwei Einheiten organisiert. In der Zeit, als die katholischen Verbände sehr viel bestimmender waren und die Bischöfe gar nicht den Zugang zu den politischen Gremien, wie seit der Gründung der Bundesrepublik üblich, hatten, war die Vertretung der Laien sehr viel wirkungsvoller, zumal über die katholisch Zentrumspartei viele Laien, aber auch einige Priester, Mitglieder von Landesparlamenten und des Reichstags waren. Da der Nationalsozialismus zuerst die Laienvereinigungen unterdrückte und im Nachkriegsdeutschland die katholische Kirche sehr viel mehr Einfluss gewann, vertritt heute faktisch die Bischofskonferenz die katholischen Interessen. Die Stellungnahmen der Bischöfe zu gesellschaftspolitischen Fragen haben in der Öffentlichkeit ein größeres Gewicht als die des Zentralkomitees, das in den Augen vieler als von der CDU dominiert gilt.

Mit der Erweiterung des Zentralkomitees durch die Vertreter der pfarrlichen und diözesanen Laiengremien haben sich dessen Themenschwerpunkte verschoben. Es sind die innerkirchlichen Streitthemen wie Zölibat, überhaupt die Sexualmoral, die für die Mitglieder sehr viel gewichtiger geworden sind als die schwierigen Fragen der Familienpolitik, der Rentenreform, die Lehrplangestaltung der Schulen. Schließlich lässt sich mit dem Zölibat, dem Anspruch, dass Frauen zu Weiheämtern zugelassen werden und überhaupt die als verstaubt hingestellte Sexualmoral der Kirche sehr viel mehr Aufmerksamkeit in den Medien gewinnen als mit Vorschlägen zur Gesundheitsreform.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ