Weiße Kleider

Zum Erscheinungsbild des Katholischen gehören die weißen Kleidchen und die Anzüge der Kommunionkinder. Das ist meist am Sonntag nach Ostern. Die Kinder gehen zum ersten Mal zum Abendmahl, eben zur Kommunion. Weil sie noch Kinder sind, bekommen sie, anders als z.B. Brautleute, den konsekrierten Wein noch nicht gereicht. Diese Kinder, meist noch im Grundschulalter, werden damit bereits vollgültige Mitglieder der Gottesdienstgemeinde, was sich nicht zuletzt darin ausdrückt, dass wer zur „Ersten heiligen Kommunion gegangen“ ist, Messdiener werden kann.

Allerdings ist der Sonntag nach Ostern von dem Evangeliumstext geprägt, der eher für Erwachsene bestimmt ist. Das Johannesevangelium berichtet, dass Thomas bei der ersten Erscheinung am Abend des Ostertags nicht zugegen war, den Berichten der Apostelkollegen äußerst skeptisch gegenüberstand und von Jesus eine Woche später persönlich überzeugt werden musste, indem dieser Thomas aufforderte, seine Hände in die Wunde seiner Seite zu legen. Durch diesen Bericht wurde Thomas zum Sympathieheiligen der Zweifler.

Von den südindischen Katholiken wird er als ihr Kirchengründer verehrt. Sie nennen sich deshalb „Thomaschristen“. Da unter den Verwandten der Kommunionkinder sicher viele mit Zweifeln in der Kirchenbank sitzen, passt das Evangelium dann doch wieder. Aber dass der Weiße Sonntag von den weißen Kleidchen seinen Namen hat, dass stimmt so nicht. Der Name ist viel älter, denn „Weißer Sonntag“ leitet sich von der Taufpraxis der frühen Kirche her. Die erwachsenen Taufbewerber, Katechumenen genannt, wurden in der Osternacht getauft und erhielten, wie das auch heute noch zum Taufritus gehört, ein weißes Kleid. Dieses trugen sie während der Gottesdienste in der Osterwoche und legten es am Weißen Sonntag ab. Aber so falsch ist das weiße Kleid dann auch wieder nicht. Da die Erstkommunion voraussetzt, dass ein Kind getauft ist, erinnert das weiße Kleid der Mädchen an die Taufe. Da die Taufe schon den Säuglingen gespendet wird, tritt die Vorbereitung auf die Erstkommunion an die Stelle der Taufvorbereitung und hat eine ähnliche Funktion wie der Konfirmationskurs in evangelischen Gemeinden. Die Vorbereitung auf die Erstkommunion einer der wichtigsten Aufgabengebiete der ÞGemeindereferentinnen. 

Den Weißen Sonntag als Erstkommuniontag gibt es seit dem 16. Jahrhundert, er war auch durchgängig der Tag der Erstkommunion, was aber auch nicht mehr so gilt. In den letzten Jahren liegt der Tag der Erstkommunion in vielen Gemeinden nicht mehr auf dem Sonntag nach Ostern, sondern z.B. an Christi Himmelfahrt oder einem Sonntag der Osterzeit.

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ