Weinkultur

Bis zum II. Vatikanischen Konzil hat die katholische Kirche sich geziert, den Gläubigen bei der Messe den Empfang von Wein zu erlauben. Es waren hygienische Gründe, warum die Praxis der alten Kirche aufgegeben worden war, die Eucharistie unter den Gestalten von Brot und Wein zu empfangen. Die orthodoxen Kirchen haben immer daran festgehalten, während in der westlichen Kirche jahrhundertelang der Kelch nur dem Priester vorbehalten war. Deshalb war in der Reformation der „Laienkelch“ ein Thema. Obwohl die sog. Kelchkommunion erlaubt ist, hat sie sich in katholischen Pfarreien nicht eingebürgert. Allerdings muss der Wein für die Eucharistie, der Messwein, einen geprüften Reinheitsgrad haben.

Dabei kann man sich einen katholischen Pfarrer schlechthin nicht ohne einen guten Weinkeller vorstellen. In den typisch katholischen Ländern wie Italien und Spanien gehört Wein zu jedem Essen wie in Deutschland ein Bier. Aber die Katholiken haben trotzdem kein Monopol auf den Wein. Im Weingebiet um Bordeaux sind die Winzer zwar katholisch, während aus England eingewanderte Protestanten sich um den Verkauf des Weines kümmern. Sie haben es geschafft, den Bordeaux-Wein zu einem internationalen Markenartikel zu machen.

Jesus hat in einer Weinkultur gelebt. Ohne Kühlschränke würde Bier dort schnell verderben. Da die christlichen Missionare auf den Straßen des römischen Reiches unterwegs waren, bewegten sie sich meist in der Nähe von Weinbergen. Auch nördlich der Alpen führten die Römer den Weinbau ein. Dass der Wein im Mittelmeerraum mit Wasser verdünnt wird, kann man noch heute bei der Gabenbereitung einer katholischen Messe beobachten. Etwas Wasser wird in den Kelch zu dem Wein geschüttet.

Mit dem Wein ist wie selbstverständlich gutes Essen verbunden. Die französische Küche hat es sogar zu dem anerkennenden Urteil gebracht: „Leben wie Gott in Frankreich“. Erwartet aber Gott nicht ein asketisches Leben, mehr Strenge gegen sich selbst. Jesus warnt mit dem Gleichnis vom „Reichen Prasser und armen Lazarus“, dass das Wohlsein-lassen nicht gut endet, wenn man den Armen nicht teilhaben läßt. Wenn man dann noch mit nicht-katholischen Augen das Karnevalstreiben ins Auge faßt, dann muss man sich um das Seelenheil der Katholiken wirklich sorgen. Aber alle Befürchtungen, ob die katholische Lebensart so Gott wohlgefällig sein kann, prallen an den Katholiken ab. Der Außenstehende muss sogar vermuten, dass sie das noch nicht einmal beichten. Damit der Weingenuß nicht zu sehr ausufert, haben die romanischen Länder den Weingenuß auf das Essen beschränkt. Man trinkt Wein zum Essen und sonst einen Aperitif. Oder isst man, weil dann der Wein einfach besser schmeckt?

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ