Weihwasser

Wir sind es gewohnt, uns häufiger am Tag die Hände zu waschen. Kinder sträuben sich oft dagegen, vor dem Essen ihre Hände zu waschen. Das ist, seitdem es Bestecke gibt, auch nicht mehr so ein Problem. Man fasst, außer bei Brot und Obst, das Essen selbst nicht mehr mit den Händen an.

Reinigung ist in vielen Religionen ein Ritual, das am Beginn eines Gottesdienstes liegt. Da in der Kirche bei der Eucharistie ein Mahl gefeiert wird, kommt die Notwendigkeit, sich vor dem Essen wenigstens symbolisch die Hände zu waschen, hinzu. Deshalb sind neben dem Eingang einer Kirche Weihwasserbecken angebracht. In Barockkirchen sind es ansehnliche Becken, in Kirchen der letzten zwei Jahrhunderte wird Weihwasser oft nur in kleinen Schalen aufgestellt. Für den Priester gibt es am Ende der Gabenbereitung die Händewaschung.

Weihwasser ist aber nicht gewöhnliches Wasser, das zum Waschen gebraucht wird, sondern geweihtes Wasser, eben Weihwasser. Es stellt die Verbindung mit der Taufe her, denn das zentrale Element der Taufe ist das Wasser. Deshalb wäscht man sich auch beim Eintreten in die Kirche nicht die Hände, sondern tunkt die Finger der rechten Hand in das Weihwasser und bekreuzigt sich damit. Die Erinnerung an die Taufe ist deshalb sinnvoll, weil die Taufe den Menschen zum Mitglied der Kirche und damit zur Eucharistiegemeinschaft macht. Sich mit Weihwasser zu bekreuzigen ist so etwas wie ein Erkennungszeichen der Getauften, wie wenn man die Mitgliedskarte zeigt.

Wegen des fließenden Wassers, das aus einem Kran kommt, haben für uns die Brunnen in vielen Städten nur noch eine architektonische Funktion. Die Brunnen vor den Kirchen, die es früher gab und heute noch gibt, ermöglichten es den Menschen, sich die Hände zu waschen. So war dann das sich Bekreuzigen mit Weihwasser noch deutlicher eine Erinnerung an die Taufe.

Weihwasser wird eigens geweiht, ihm wird bei der Weihe Salz zugefügt. Gläubige nehmen es mit nach Hause und bekreuzigen sich und ihre Kinder damit.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ