Unierte Kirchen

Es gibt in verschiedenen Ländern orthodoxer Tradition Kirchen, die mit Rom vereint, „uniert“ sind. Sie gehören nicht zum lateinischen Ritus, benutzen also nicht das Messbuch der römischen Kirche, sondern hatten schon immer ihre eigene Liturgie in ihrer Sprache. Da die Differenzen zwischen Rom und den Orthodoxen nicht im Kirchenverständnis liegen und die orthodoxe Tradition auch die Sakramente betont, gibt es weniger Differenzen zu den Kirchen, die im Osten entstanden sind. Sie kennen das Bischofsamt mit seinen Vollmachten und leiten sich wie die lateinische Kirche von den Aposteln her, von Andreas die europäischen Kirchen der Orthodoxie, von Thomas die Kirchen im Süden Indiens, in Kerala. Aber sie erkennen in der Regel die Stellung des Papstes nicht an, wie sie im Mittelalter entwickelt hatte. Gesandte des Papstes hatten dem Patriarchen von Byzanz 1054 eine Bulle auf den Altar der Hagia Sophia in Byzanz gelegt und damit in aggressiver Weise das Auseinanderleben des Ostens und des Westens besiegelt. Seit Jahrzehnten bemühen sich die Päpste um einen Ausgleich mit dem Osten. Jedoch, die Verletzung ist immer noch wirksam, besonders bei der griechischen Kirche, weil das Heer des 4. Kreuzzugs 1204 die Stadt Byzanz plünderte und damit im Kampf gegen die Türken schwächte. Das heißt aber nicht, dass Rom im 1. Jahrtausend nicht anerkannt war. Als Bischofssitz des Petrus wurde ihm der 1. Platz unter den Patriarchaten zuerkannt. Jedoch war Rom im 1. Jahrtausend intellektuell und spirituell meist so schwach, dass es nur wenig Einfluss auf den Osten nehmen konnte. Mit dem Aufstieg des Karolingerreiches wuchs seine Bedeutung wieder. Jedoch holte sich der Westen Inspiration vom Osten. Der älteste Teil des Aachener Doms, das Oktogon, ist eigentlich ein byzantinisches Bauwerk. Der Sohn Kaiser Ottos I. wurde mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu verheiratet.

Dass sich Teile der Orthodoxie an Rom orientierten und sich in der Weise vereinigten, dass sie das Papstamt anerkannten, geht meist auf Schwächephasen der orthodoxen Kirchen zurück. Es hat auch in einer Orientierung der Orthodoxie seinen Grund, denn die orthodoxen Kirchen verstehen sich jeweils als Landeskirchen. Nach dem Ende des Kommunismus konnte man das daran beobachten, dass sich die Kirchen z.B. der baltischen Länder vom Moskauer Patriarchen trennten, um eigenständige Kirchen zu werden. Autokephalie, auf einem eignen Felsen stehen, nennt man dieses Prinzip. Eine Anlehnung an Rom bedeutet für diese Kirchen, nicht allein auf sich gestellt zu sein. Aber gerade die mit Rom vereinigten Kirchen wurden in der kommunistischen Ära besonders verfolgt so in der Westukraine und in Rumänien. Nach dem Ende des Kommunismus kämpfen diese immer noch um ihre früheren Rechte und ihr Eigentum an Bauten und Grundstücken. Die unierten Kirchen sind nicht in der Weise national ausgerichtet wie ihre autokephalen Schwesterkirchen. Das führt in der Ukraine allerdings zu einer besonderen Konstellation, die den eigentlichen Konfliktpunkt des Moskauer Patriarchates mit Rom ausmacht. Das bisherige Moskauer Patriarchat hat in der Ukraine besonders aktive Gemeinden. So gibt es weiterhin eine orthodoxe Kirche der Ukraine, die den Moskauer Patriarchen als Oberhaupt anerkennt. Eine weitere Kirche hat sich nach dem Selbständigwerden des Landes als autopkephal, also von Moskaus unabhängig, gebildet.

Die unierte Kirche spielt im Gefüge der Ukraine eine besondere Rolle. Sie hat ihren Schwerpunkt im Westen des Landes, der mehr zur EU orientiert ist, während sich der Osten des Landes mehr an Moskau ausrichtet. Insofern ist die unierte Kirche ein Motor für die Eigenständigkeit der Ukraine.

Diese unierten Kirchen spiegeln die frühere Strategie Roms wider, durch einzelne Teile einer Kirche langsam die gesamte Orthodoxie zur Anerkennung der päpstlichen Autorität zu bewegen. Es ist deutlich, dass diese Strategie den erbitterten Widerstand des größeren Teils der Orthodoxen hervorruft, die sich ja als eigenständige Gründung der Apostel verstehen und daher nicht einfach die Vorrangstellung des Papstes anerkennen wollen, die sich erst im Mittelalter entwickelt hat. Die Päpste verfolgen diese Strategie nicht mehr, sondern suchen das ökumenische Gespräch mit den Orthodoxen Kirchen.

Unierte Kirchen
Es gibt neben der Ukraine und Rumänien auch unierte Christen, oft mit eignen Bischöfen in Polen, den baltischen Staaten, aber auch in Süditalien, da dieser Teil des Landes noch lange zum Einflussbereich Konstantinopels zählte.

Es gibt noch zwei wichtige unierte Kirchen, die eine andere Geschichte haben. Die Maroniten im Libanon und in Syrien sind ebenfalls eine sehr alte Kirche, die sich

Indien gibt es auch orthodoxe Kirchen, die sich auf den Apostel Thomas als ihren Gründer berufen. Ihre Missionare und vielleicht der Apostel selbst sind durch die Handelsbeziehungen zwischen den Ländern am persischen Golf und Indien an die westliche Küste des Kontinents gelangt. Sie leiten sich aus der syrischen Tradition her und heißen syro-malabarische und syrmalankarische Kirche. In vielen Gemeinden in Deutschland arbeiten Priester aus Kerala

Die Bischöfe dieser unierten Kirchen nahmen gleichberechtigt mit den Bischöfen aus dem lateinischen Ritus an den Konzilien teil. Rom billigt ihnen eine eigenständiges kirchliches Recht zu, das ihre Traditionen berücksichtig.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ