Schutzengel

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert muss die Verehrung des Schutzengels ein größeres Gewicht gehabt als in den letzten Jahrzehnten. Darauf weisen Bilder hin, auf denen eine Engelsgestalt schützend ein Kind begleitet. Dass jeder Mensch einen persönlichen Schutzengel hat, ist eine tröstliche Wahrheit. Engel sind ja immer Vermittler zwischen der himmlischen Welt und den Menschen. Gabriel kommt als Bote zu Maria, ein Engel hindert Bileam daran, im Auftrag des Königs der Moabiter, Balak, den Vormarsch des Volkes Israel durch einen Fluch zum Stehen zu bringen. Der Esel, auf dem Bileam reitet, erkennt den Engel vor seinem Herrn. Statt Israel zu verfluchen, segnet Bileam das Volk Gottes;.(s. Buch Numeri, Kapitel 22-24)

Vom Schutzengel erfahren wir aus dem Buch Tobit. Tobias ist der Sohn des Tobit, eines frommen Juden, der in den heutigen Irak verschleppt worden war. Er erhält für einen schwierigen Auftrag seines Vaters einen Begleiter. Er soll nämlich aufbrechen, um von wiet her Geld zu holen, das Tobit dort deponiert hatte. Er erhält einen himmlischen Begleiter:

„Tobias ging auf die Suche nach einem Begleiter und traf dabei Rafael; Rafael war ein Engel, aber Tobias wusste es nicht. Er fragte ihn: Könnte ich mit dir nach Rages in Medien reisen? Bist du mit der Gegend dort vertraut? Der Engel antwortete: Ich will mit dir reisen; ich kenne den Weg und war schon bei unserem Bruder Gabaël zu Gast. Tobias bat ihn: Warte auf mich, ich will es meinem Vater sagen. Der Engel antwortete ihm: Geh, aber halte dich nicht auf! Tobias ging nach Hause und sagte zu seinem Vater: Ich habe einen Mann gefunden, der mit mir reisen will. Da sagte der Vater: Ruf ihn her zu mir! Ich möchte wissen, aus welchem Stamm er kommt und ob er auch zuverlässig genug ist, um dich zu begleiten.“
Buch Tobit, Kap 5, 4-9

Rafael gibt sich erst als einen Israeliten aus, als die Reise glücklich beendet ist und Tobias sogar eine Frau gefunden hat, offenbart sich Rafael

„Ich bin Rafael, einer von den sieben heiligen Engeln, die das Gebet der Heiligen emportragen und mit ihm vor die Majestät des heiligen Gottes treten.“ Kap 12,15

 Für die Christen ist die Existenz von Schutzengeln einfach deshalb fraglos, weil Jesus ausdrücklich darauf hingewiesen hat, als er vor Verführung der Kinder warnt:

„Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde. … Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“
Matthäus 18, 6+10

Am 2. Oktober wird jedes Jahr das Schutzengelfest gefeiert.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ