Schott-Messbuch

Die Katholiken haben wie die Protestanten ein Gesang- und Gebetbuch, darüber hinaus aber auch ihren Schott, das Schott-Messbuch. Anselm Schott war ein Mönch der Benediktinerabtei Beuron im oberen Donautal. Die Benediktiner hatten sich im 19. Jahrhundert neu der Liturgie verschrieben, die gregorianischen Gesänge wieder belebt. 1884 erschien das erste Schott-Messbuch. Damals konnten die Texte für die Feier der Messe in einem Band zusammengestellt werden und das noch lateinisch-deutsch, 1400 Seiten hatte der auf dünnem Papier gedruckte Schott. Dieser Schott wurde von den Kirchgängern genutzt, die während der lateinisch „gehaltenen“ Messen nicht in Andachtsbüchern lesen oder den Rosenkranz beten, sondern dem Wortlaut der Messtexte folgen wollten. Das war deshalb leicht möglich, weil die Aussprache des Lateinischen für deutsche Ohren direkt verständlich ist, so dass man jeweils den lateinischen Text im „Schott“ finden und dann die deutsche Übersetzung lesen konnte. Die Messdiener mussten allerdings die Gebete, die sie im Wechsel mit dem Priester lateinisch sprachen, auswendig lernen.

Mit der Liturgiereform 1969 wurden die Texte, die in der messe gelesen werden, ausgeweitet. Es gibt für die Sonntage drei Zyklen, die sich jeweils an einem der ersten drei Evangelisten orientieren. Die Texte des Johannesevangeliums sind in den Jahresablauf eingestreut, vor allem in der Zeit nach Ostern.

Für die Werktage gibt es zwei Zyklen, die als Lesejahr A und Lesejahr B. bezeichnet werden. die beiden Lesejahre haben jeweils eine andere erste Lesung, die aus dem Alten Testament, aus der Apostelgeschichte und der Briefliteratur des Neuen Testaments entnommen sind. Für die Evangeliumslesung gibt es nur einen Zyklus, weil einfach für die Wochentage nicht mehr Texte aus den 4 Evangelien zur Verfügung stehen. Daneben gibt es für die Heiligenfeste jeweils eigene Texte. Weil das Textvolumen für die Wochentage und für die Heiligenfeste, die auch an den Wochentagen gefeiert werden, nicht in einen Band passt, gibt es für die Wochentage und die Heiligenfeste, zwei Bände. Also sind heute statt eines Schotts fünf Bände notwendig.

Heute braucht man den Schott nicht mehr, um die Texte der Messe zu verstehen. Manche lesen im Schott die Texte, z.B. der Lesungen mit. Der Schott wird auch anstelle des voluminösen Messbuchs für die Feier von Gruppenmessen genutzt.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ