Sakramentalien

Katholiken umgeben sich gerne mit heiligen Dingen, sie hängen ein Kreuz auf, haben in manchen Häusern neben der Tür ein kleines Schälchen aufgehängt. Aus der Kirche bringen sie für diese Schale geweihtes Wasser mit, um die Kinder vor dem Aufbruch in die Schule zu segnen. Rosenkränze werden nicht einfach nur gekauft, sondern man lässt sie segnen, am besten an einem Wallfahrtsort.

Neben den 7 Sakramenten gibt es weitere Riten, die den Alltag der Katholiken prägen, die Sakramentalien. Sie haben nicht den Ernst von Sakramenten, die Heilzeichen, durch die Gott direkt handelt. So müssen die Sakramentalien eigens geweiht werden, auch das Weihwasser, mit dem dann später Rosenkränze, Eheringe, Kerzen und auch der Sarg im Grab gesegnet werden. Die Weihehandlungen sind geordnet und in einem offiziellen Buch, dem Benediktionale zusammengestellt. Benedicere ist das lateinische Verb für gut-sprechen, es zeigt, dass jeweils Segnungsformeln gebraucht werden. Damit werden eine Vielzahl von Zeichen geweiht: Das ÞWeihwasser, ÞKerzen für den Gebrauch in der Kirche, ÞPalmzweige, die Asche für das ÞAschenkreuz am Aschermittwoch.

Menschen lassen ÞRosenkränze, Medaillen, die sie mit sich tragen.

Dann gibt es auch die Weihung von Personen, die nicht ein Sakrament sind wie die Priesterweihe, z.B. die Jungfrauen-, die Abts- und Äbtissinnenweihe oder ein besondere Segen für eine Mutter. Die Weihe stellt die Menschen in einen religiösen Bezug. Auch das Begräbnis ist ein Sakramentale, denn es ist kein Sakrament.

Für die Gottesdienste werden die notwendigen Räume und Gegenstände eigens geweiht. So gibt es eine Weihe für eine Kirche, einen Altar, den Kelch und die Messgewänder. Geweiht werden auch die Friedhöfe. Diese Orte, Gebäude und Gegenstände sind damit dem gottesdienstlichen Gebrauch vorbehalten, sie dürfen nicht entweiht werden. Allerdings gibt es für Kirchen, die nicht mehr genutzt werden, einen Akt der Profanierung, sie werden sozusagen entweiht.   

Aber nicht nur religiöse Orte werden geweiht, auch Häuser, Fabrikgebäude, Autos können gesegnet werden. Sie werden zwar nicht einem besonderen religiösen Zweck überantwortet, also nicht geweiht, erhalten jedoch einen ÞSegen.

Was ist die Intention hinter den vielen religiös geweihten Gegenständen, die mit in die Wohnungen genommen werden oder die man sogar immer bei sich trägt? Einmal bleibt der Bezug zum Gottesdienst auf diese Weise präsent. Es ist darüber hinaus die Idee, den Alltag zu heiligen, also die profane Welt nicht von der des Sakralen abzutrennen, sondern das Sakrale die alltägliche Welt durchdringen zu lassen. Natürlich erhofft man sich davon auch eine friedensstiftende Wirkung und den Segen Gottes für die vielen Tätigkeiten, die zu tun sind. Die ÞGute Meinung, mit der man in den Tag hineingeht, entspringt der gleichen Intention.

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ