Rosenkranzgebet

Mit einer Gebetsschnur endlos ein „Gegrüßet seist du Maria“ aneinanderreihen, das Bild verbindet sich mit alten Frauen, die still in der Kirche beten oder sich gemeinsam vor einem Gottesdienst treffen und den Rosenkranz im Wechsel beten.

Aber man sah und sieht schon einmal renommierte Persönlichkeiten mit einem Rosenkranz, so den verstorbenen Papst Johannes Paul II. Aber insgesamt scheint diese Gebetsform nicht mehr im Trend des Betens zu liegen.

Dabei war der Rosenkranz einmal kriegsentscheidend. Das Rosenkranzfest, das am 7. Oktober gefeiert wird, ist sozusagen der Dank für den Sieg über die türkische Flotte bei der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571. Der sieg wurde dem intensiven Rosenkranzgebet zugeschrieben. Schon ein Jahr später wurde das Fest eingeführt. Beten war damals auch deshalb notwendig, weil das Abendland nicht geeint war, denn Frankreich sah im Sultan einen Partner, der den Kaiser in Wien schwächte und damit dessen Vorherrschaft in Europa unmöglich machte. Gebet war notwendig, um der vom Papst initiierten „Heiligen Allianz“ des Habsburger Reiches, Venedigs und Polens den Rücken zu stärken. Die Flotte verfügte allerdings über einen neuen Schiffstyp, die Galeasse, die auf beiden Seiten mit besseren Geschützen ausgerüstet war. Die Marienstatuen auf Plätzen vieler österreichischer Städte erinnern an den Sieg, zu dem das Rosenkranzgebet verholfen haben soll.

Offensichtlich gibt der Rosenkranz Kraft. Sein Name wird deshalb von Rosen abgleitet, weil das Gebet als Geschenk an Maria gesehen wurde, man schenkt ihr in Gebetsform Rosen. Doch ist der Rosenkranz in der katholischen Religiosität eher ein Bittgebet, zu dem man in schweren Zeiten Zuflucht nimmt. In den Kriegen ist der Rosenkranz häufig gebetet worden. Weil er diesen etwas düsteren Hintergrund gewonnen hat, entsprach er nicht mehr dem Lebensgefühl, das in den sechziger Jahren auch die Gefühlslage der meisten Katholiken verändert hat.

Der Rosenkranz hatte im Mittelalter 150 „Gegrüßet seist du Maria“, den 150 Psalmen der Bibel entsprechend. Diese 150 Gegrüßet seist du Maria werden in Zehnergruppen gebetet. Jeder Zehngruppe wird ein Vaterunser vorangestellt. Zehnmal wird in das „Gegrüßet seist Du Maria“ eine Aussage über den Lebensweg Jesu eingeschoben.

Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir,
du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus,
- der von den Toten auferstanden ist -

Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Wie im Chorgebet wird der Rosenkranz im Wechsel, z.B. zwischen einer Vorbeterin und den anderen oder zwischen zwei Gruppen gebetet, der Wechsel ist jeweils nach dem Einschub.

Die Einschübe gliedern sich in Fünfergruppen. Ein Rosenkranz besteht aus 5 Zehnergruppen, also fünfmal ein Vaterunser mit jeweils 10 Gegrüßet seist du Maria.:

 Der freudenreiche Rosenkranz bedenkt die Ereignisse der Geburt, die auch jeweils Geheimnisse genannt werden:

  Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast;

  1. Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast;
  2. Jesus, den du, o Jungfrau, in Bethlehem geboren hast;
  3. Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast;
  4. Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast;

Der schmerzhafte Rosenkranz meditiert die Passion Jesu:

  1. Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat;
  2. Jesus, der für uns gegeißelt worden ist;
  3. Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist;
  4. Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat;
  5. Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist.

Der Glorreiche Rosenkranz meditiert die Ostergeheimnisse

  1. Jesus, der von den Toten auferstanden ist;
  2. Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist;
  3. Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat;
  4. Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat;
  5. Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat;

Papst Johannes Paul II. hat fünf Ereignisse des Lebens Jesu in den „Lichtreichen Geheimnissen“ zusammengestellt.

  1. Jesus, der von Johannes getauft worden ist;
  2. Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat;
  3. Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat;
  4. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist;
  5. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat;

Es werden also entsprechend den 50 Perlen jeweils 5 Geheimnisse als ein „Rosenkranz“ gebetet. Eingeleitet wird ein Rosenkranz durch das Glaubensbekenntnis, ein Vater unser und drei Gegrüßet seist du Maria, in denen es um Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe geht. Auch hier wird in das Gegrüßet seist du Maria eine Zeile eingeschoben:

Jesus, der in uns den Glauben vermehre;
Jesus, der in uns die Hoffnung stärke;
Jesus, der in uns die Liebe entzünde;

Diese Anrufung wird nicht zehnmal, sondern nur einmal gebetet für jeden Rosenkranz.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ