Requiem

Es klingt eine bestimmte mittelalterliche Melodie im Ohr: Requiem aeternam dona eis, Domine, „die ewige Ruhe gib ihnen, Herr“. Dass ein Gottesdienst mit den Eingangswort bezeichnet wird, kennen wir auch vom 3. Adventssonntag, der „Gaudete-Freuet euch“ heißt, gleich wie der 4. Fastensonntag „Laetare, freuet euch“. Auch päpstliche Enzykliken haben als Titel die ersten Worte des Textes, so „Caritas in veritate“, „Die Liebe in der Wahrheit“ für die Sozialenzyklika von Benedikt XVI. aus dem Jahr 2009.

Das Requiem ist die Messe zum Begräbnis, in ihr wird besonders für denjenigen gebetet, der, die bestattet wird. Nach alter Tradition beginnt der Begräbnisritus in der Kirche mit dem Requiem, der Sarg steht in Altarnähe, er wird eigens mit Weihwasser besprengt und mit Weihrauch gewürdigt. Nach dem Ende der Messe zieht die Trauergemeinde auf den Friedhof, der ja früher direkt an der Kirche lag. Dort folgt der Ritus der Grablegung. Für die Toten wird in jeder Messe gebetet. Nach sechs Wochen und zum Jahresgedächtnis kommen die Hinterbliebenen zusammen, sie können im Pfarrbüro darum bitten, dass der Toten in besonderer Weise gedacht wird. Im katholischen Jargon heißt das „eine Messe bestellen“. Dafür wird auch ein Geldbetrag gezahlt, für Kirchen in Ländern ohne Kirchensteuer eine Finanzierungsbasis.

Warum ist den Katholiken die Messe im Zusammenhang mit den Toten so wichtig? Weil es in der Messe um das Gedächtnis an den Tod und die Auferstehung Jesu geht, nämlich um den Übergang in die himmlische Existenz. Die Toten gehören durch die Taufe zum Leib Christi und sind daher für eine leibliche Existenz im Himmel bestimmt. Mit dem Begräbnisritus werden die Verstorbenen in die himmlische Welt begleitet. Es wird sogar gebetet, dass Engel die Verstorbenen in Empfang nehmen und zu Gott führen. Die ÞReliquienverehrung geht von der gleichen Überzeugung aus und betont besonders, dass der ins Grab gelegte Leib am Ende der Zeiten mit dem himmlischen Leib vereinigt wird.

So wurzelt das „Requiem – Ruhe in Ewigkeit“ nicht in der Vorstellung, der Verstorbene solle im Grab ruhen, sondern es ist die himmlische Ruhe gemeint, die nicht mehr durch das Auf und Ab der Zeitläufe bestimmt wird.

Der Glaube an die Auferstehung des Leibes ist natürlich im Todesfall besonders herausgefordert. Dass nicht nur die unsterblichen Seele, sondern auch der Leib für eine ewige Existenz bestimmt ist, dieser Glaube muss gestärkt werden, denn die Angehörigen und der Bekanntenkreis befinden sich noch in der Phase der Trauer. Eine getragene Stimmung und Moll-Tonarten prägen denn auch meist das Requiem. Priester und der Altardienst tragen nicht mehr wie früher schwarze Gewänder, sondern violette oder sogar weiße.

Dass der Sterbetag direkt mit der Auferstehung verbunden ist, zeigt eine alte kirchliche Tradition. Außer bei Maria, Johannes und Jesus wird von keinem Heiligen das Geburtsfest gefeiert, die Gedenktage der Heiligen liegen auf ihre Todestag, dem Geburtstag der himmlischen Existenz. Wenn der nicht mehr bekannt war, auf dem Tag der Einweihung einer Kirche, die den Heiligen als Patron hat.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ