Prozessionen

Nicht nur an ÞFronleichnam veranstalten Katholiken Prozessionen. Eigentlich besteht die normale Messe aus Prozessionen, die allerdings stark verkümmert sind. Aber es gibt immer noch einen Einzug und einen Auszug, an Sonntagen wird das Evangelienbuch vom Diakon oder Priester unter Begleitung von Messdienern mit zwei Leuchtern und dem Rauchfass zum Ambo, dem Lesepult getragen. Die Gaben, Hostien und Wein sowie die während der Gabenbereitung eingesammelten Spenden, werden zum Altar gebracht. Das ist eine Prozession wie auch der Gang zur Kommunion. Auch im orthodoxen Gottesdienst gibt es mehrere Prozessionen.

Aus einer Fortbewegung wird eine Prozession, wenn beim Gehen gesungen wird. So ist das Halleluja der Begleitgesang zur Evangelienprozession. Am Palmsonntag werden die Buchsbaumsträußchen vor der Kirche gesegnet, dann ziehen die gläubigen mit Messdienern und Zelebrant singend in die Kirche ein, um sondern Einzug Jesu in Jerusalem nachzubilden.

Wenn die Mönche sich zum Stundengebet im Kreuzgang versammeln, ziehen sie in einer Prozession in den Chor ein und verteilen sich auf die beiden Reihen von Chorstühlen an den Seitenwänden des Chores. (ÞStundengebet)

Es gibt auch Prozessionen mit Pferden. Der Leonhardiritt gilt der Segnung der Pferde. Der Heilige, im 6. Jahrhundert Bischof von Limoges, ist Patron der Tiere. Im Sorbenland bringen Reiter die Botschaft von der Auferstehung an Ostern in andere Orte und auch auf deren Friedhöfe.

Natürlich haben die Christen die Prozession nicht erfunden. Wenn man etwas feierlich „begehen“ will, bietet sich die Prozession an. Prozessionen haben auch Bittcharakter, so für eine gute Ernte. Hier hat man im Westen römische Traditionen übernommen. So gab es am 25. April eine Flurprozession im antiken Rom, die die Christen einfach getauft haben. Diese wurde mit der Liturgiereform von 1969 abgeschafft. Bittprozessionen gibt es an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt.

Ein Land der Prozessionen ist Spanien, vor allem in der Karwoche. Dann wird die Leidensgeschichte in Form einer Prozession dargestellt. Das Leiden Jesu In Form einer Prozession zu meditieren, geht auf Jerusalem zurück, wo auch heute noch am Karfreitag eine Prozession die Via Dolorosa, die schmerzenreiche Straße, abschreitet. (ÞKreuzweg)

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ