Primizsegen

Primus heißt der Klassenbeste, derjenige, der zuerst kommt. Nicht weil er der beste, sondern weil es seiner erster Segen ist, spricht man vom Primizsegen eines Priesters. Den ersten Segen spendet der neugeweihte Priester in seiner Heimatgemeinde nach der ersten Messe, die er dort gefeiert hat. Den Primizsegen empfangen die Gottesdienstbesucher einzeln, nach dem Ende der Messe und auch nach einer nachmittäglichen Andacht, zuerst der Heimatpfarrer und die anwesenden Priester, dann die Gläubigen. Sie treten nach vorne, der Neupriester legte ihnen die Hände auf den Kopf und spricht:

Durch die Ausbreitung meiner Hände
und durch die Anrufung
der seligen Jungfrau Maria,
des heiligen N. und aller Heiligen
segne und behüte dich der allmächtige Gott,
der Vater und der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen.

Der Heilige, der angerufen wird, ist in der Regel der Patron der Kirche. Der Segen ist deshalb so begehrt, weil ihm die Kraft des Anfangs mitgegeben ist. Es kommt auch etwas von dem Segen in die Gemeinde zurück, aus der der Priester hervorgegangen ist. Denn fast nie wird er in seinem Heimatort eingesetzt, sondern in einer anderen Gemeinde.

Der Primizsegen ist auch Zeichen dafür, dass die Menschen diesen jungen Mann als Priester wollen. Würde er nicht zu Hause empfangen und würden die Menschen nicht mit ihm Gottesdienst feiern wollen, für was wäre er dann Priester geworden. Priester sind nur möglich, wenn Menschen sich zum Gottesdienst versammeln und die Sakrament empfangen. Dass die Menschen zur Primizmesse kommen und den Segen empfangen, das lässt die langen Jahre der Vorbereitung auf das Priesteramt erst wirklich ans Ziel kommen. Zwar steht die Weihe durch den Bischof am Ende der Ausbildung, aber die Weihe muss sich „verkirchlichen“, indem die Menschen den Dienst des Priesters in Anspruch nehmen.

Die Handlung, die mit der Primiz, der ersten Messe in der Heimatgemeinde, so eng verbunden wird, ist deshalb ein Segen, weil das Wirken des Priesters den Menschen Segen bringen soll.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ