Pfarrgemeinderat

Was die evangelischen Kirchen kennen, ein Gremium, das an der Gemeindeleitung beteiligt ist, kannte die katholische Kirche lange nur für die Personalangelegenheiten für Kindergarten, Küster-, Hausmeister- und Sekretärinnenstellen und die Finanzen, nämlich den Kirchenvorstand oder in Bayern die Kirchenverwaltung. Das Zweite Vatikanische Konzil, das die Aufgabe der Laien deutlicher herausgearbeitet hat, schuf ein Beratungsgremium, in Deutschland Pfarrgemeinderat, im englischen Sprachraum Parish-Council genannt. Mit diesem Gremium verband sich der Aufbruch der deutschen Kirche in den sechziger und siebziger Jahren.

Anders als der Kirchenvorstand ist dieses Gremium in seinen Entscheidungen mehr vom Pfarrer abhängig. Wenn der Pfarrer nicht will, dann kann der Pfarrgemeinderat wenig bewirken. Das war bei der Einführung dieser gewählten Gremiums oft so. Der katholische Pfarrer war nicht auf die Kooperation mit Gremien eingestellt, wenn es um Liturgie und Katechese ging. Seit der Mitte des 19.Jahrhunderts war die katholische Welt in Deutschland zu einem guten Teil durch Verbände getragen, die jeweils in den Pfarreien Gruppen aufgebaut hatten, so z.B. der Kolpingverband, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die katholischen Pfadfinder, die Landjugend und die Frauenverbände. Letztere sind oft bis heute das Rückgrat einer Gemeinde. In diesen Verbänden ist der Pfarrer als Präses geborenes Mitglied des Vorstandes. Diese Verbände kümmerten sich nicht um die Spezialgebiete des Pfarrers. Zudem war die Liturgie durch viele Regeln in ein enges Korsett gezwängt. Die Vorbereitung auf die Erstkommunion wurde durch die Priester getragen, nicht wie heute durch Mütter, die jeweils eine Gruppe von Kindern zur Erstkommunion führen. Die Vorbereitung auf die Firmung war Aufgabe des Religionsunterrichts.

Durch das Zweite Vatikanische Konzil wurden die Pfarrmitglieder in die priesterlichen Arbeitsfelder mehr einbezogen. Die Liturgie wird nicht mehr allein als Sache des Priesters gesehen, zu deren Mitfeier die Gläubigen eingeladen sind, sondern das Subjekt der Messe ist die Gemeinde, in der dem Priester eine besondere Rolle zukommt. Denn entsprechend der Aussage des 1. Petrusbriefes nimmt jeder Getaufte am Priesteramt Jesu teil, der Dienst des Amtspriesters besteht darin, die Gläubigen in der Ausübung ihres „Allgemeinen Priestertums“ zu unterstützen. Indem die Gläubigen sich an der Vorbereitung der Messe beteiligen, nehmen sie ihr allgemeines Priestertum wahr. Ebenso bei der Vorbereitung auf die Sakramente sind sie nicht nur Tauf- oder Firmpaten, sondern wirken mit, indem sie kleinere Gruppen von Kindern bzw. Jugendlichen auf den Empfang des Sakramentes vorbereiten.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Gläubigen ein neues Selbstbewusstsein gegeben, das vor allem im Pfarrgemeinderat eine Mitwirkungsform gefunden hat. Die meisten Priester sind inzwischen froh, wenn dieses Gremium die verschiedenen Angelegenheiten der Pfarrei mit trägt.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ