Palmzweige

Manchmal findet man es in einer Wohnung, an ein Kruzifix gesteckt oder an ein religiöses Bild. Das Buchsbaumsträußchen haben die Bewohner vom Palmsonntagsgottesdienst mitgenommen. Vor der Kirche werden das Evangelium vom Einzug Jesu nach Jerusalem gelesen und die Palmzweige gesegnet. Diesen Segen nimmt man mit nach Hause und in manchen Gegenden auch in den Stall zum Vieh. Denn da der Palmsonntag in den Frühling fällt, verbinden sich mit dem Tag Hoffnungen auf das Gedeihen des Viehs und eine gute Ernte.

Die Buchsbaumzweige stehen für die Palmzweige, die die Menschen nach den Evangelienberichten von Bäumen gerissen haben, um Jesus beim Einzug Jesu nach Jerusalem zu begleiten. Dieser Einzug wird durch eine Prozession dargestellt. Manchmal wird der Palmesel, ein Holzesel mit dem darauf sitzenden Jesus, mitgeführt. Das Gebet, das der Priester spricht, erklärt den Sinn dieser Liturgie:


            Jesus zog in Jerusalem ein, um dort Leiden und Tod auf sich zu
            nehmen; dort sollte er auch auferstehen. Mit grünen Zweigen in
            unseren Händen als Zeichen des Lebens und des Sieges ziehen wir
            mit ihm hinauf in seine Stadt und begleiten ihn auf seinem Weg,
            auf seinem letzten Weg. Wir nehmen teil an seinem Leiden und seinem
            Kreuz, und hoffen, dass wir auch Anteil erhalten an seiner Auferstehung
            und seinem neuen Leben.

 

Die Palme hat eine Bedeutung, die sich bereits im Alten Testament findet. Sie steht für Gerechtigkeit: „Der Gerechte Gottes wird grünen wie ein Palmbaum“ betet Psalm 92, Vers 13. Die Palme hat ihre Wurzeln im lebendigen Wasser. Dort ist auch der Gerechte verwurzelt, der nach dem Psalm daher wie die Palme gedeiht. Beim jüdischen Laubhüttenfest diente die Palme als Ausdruck für die Festfreude. Das Fest erinnert an die Wüstenwanderung, während der das Volk Israel in Zelten bzw. Hütten lebte. Bereits die Juden banden aus Zweigen Sträuße, die über das Jahr behalten wurden. Die Juden bauen in der Woche des Laubhüttenfestes, das in den Oktober fällt, eine Hütte nach. Sie verlegen die Mahlzeiten und beim entsprechendem Klima den Schlafplatz in die Hütte.

Die Weihe der Palmzweige und die Prozession haben schon in der frühen Kirche Wallfahrer aus Jerusalem mitgebracht, denn dort wurden die Karwoche an den Orten gefeiert, an denen die Geschehnisse stattfanden. Die Palme hat jedoch noch einen breiteren Bedeutungshintergrund. Sie findet sich auf Grabmälern von Märtyrern. Hier steht der Palmwedel als Siegeszeichen, nämlich als Sieg, den die Märtyrer gerade durch ihren Tod errungen haben. Die Bedeutung der Palmzweige als Zeichen für das Martyrium findet sich im letzten Buch der Bibel. In der Offenbarung des Johannes heißt es bei Kap. 7,9: „Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen”. Märtyrer werden deshalb auch mit einem Palmzweig in der Hand dargestellt.

Der Palmsonntagsgottesdienst bleibt, wie auch die Berichte der Evangelien, nicht bei dem Einzug Jesu nach Jerusalem stehen, sondern der auf die Prozession folgende Gottesdienst wird bereits von der Passion geprägt: Mit verteilten Rollen wird der Passionsbericht eines der ersten drei Evangelien gelesen, die Passion nach Johannes kommt am Karfreitag zur Verlesung.

Damit ist aber das liturgische Brauchtum um die Palmzweige noch nicht ausgeschöpft. Aus den verbrannten Zweigen des Vorjahrs wird die Asche für den Aschermittwoch bereitet. Die Asche wird am Beginn der Fastenzeit den Menschen in Form eines Kreuzes auf die Stirn gezeichnet.  

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ