Nikolaus

Der Heilige kommt aus Kleinasien, Demre, früher Myra. Dort lebte er im Übergang von der Zeit der Verfolgung zur öffentlichen Anerkennung des Christentums 313. Er soll am Konzil von Nicäa 325 teilgenommen haben. Kaum ein Heiliger entfaltet bis heute eine solche Wirksamkeit. Viele Menschen, nicht nur Kinder tun so, als sei er jedes Jahr wieder wirksam. Besondere Wirkung wird ihm bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig zugeschrieben, die von der Nikolaikirche ausgingen und in ihrem Ergebnis den Ruf „Wir sind das Volk“ widerspiegeln, denn Nikolaus heißt „Sieg-Nikä, des Volkes-Laos“.

Nikolaus wurde zuerst im Osten verehrt, er ist Patron Russlands, Kroatiens und Serbiens.

Die Kaiserin Theophanu, Gemahlin Ottos II., brachte in ihrem Brautgepäck eine Reliquie des Heiligen aus Byzanz mit. Diese wurde im Dom von Worms im Mittelalter verehrt, so dass die Kapelle zur Aufbewahrung der Reliquie wegen der vielen Wallfahrer immer wieder vergrößert werden musste. Im pfälzischen Erbfolgekrieg legten französischen Truppen im Wormser Dom Feuer, so dass die Reliquie verbrannte. Nur durch Zufall wurden die Sprengsätze an den Mauern nicht gezündet.

Die große Welle der Nikolausverehrung im Abendland wurde durch Kaufleute eingeleitet, die die Reliquien den Mönchen von Myra entwendeten, um so den Venezianern zuvor zu kommen. Am 9. Mai 1087 wurden die Gebeine des hl. Nikolaus der Bevölkerung von Bari vorgestellt. Von dort gelangten Teile der Reliquie nach Saint Nicolas de Port südlich von Nancy und nach Brauweiler bei Köln.

In Deutschland findet man Nikolauskirchen in Hafenstädten, denn Nikolaus war Patron der Hanse und wird bis heute von den Schiffsleuten verehrt.

In Saint Nicolas in Lothringen wird er als Schutzherr der Gefangenen verehrt. Sie brachten ihre Ketten nach Entlassung aus dem Gefängnis aus Dank in das Städtchen an der Mosel. Sie haben zu Nikolaus gebetet, weil er nach einer Legende dem Kaiser im Traum erschien, um die Freilassung von drei Feldherren zu veranlassen, die aus Missgunst des Hochverrats bezichtigt worden waren.

War Nikolaus im Mittelalter Freunde der Kinder, so hat die Neuzeit ihn zum Kinderschreck gemacht. Er erscheint nun als der himmlische Richter, der den Kindern das aus einem Buch vorliest, was die Eltern ihnen reingeschrieben haben. Das beinhaltet eine Pädagogisierung des Heiligen, die dann in den mit Cocacola-Rot ausstaffierten Weihnachtsmännern ausläuft. Im Mittelalter, als man den Heiligen noch richtig verstand, wurden Kinder nicht gemaßregelt, sondern für einen Tag auf den Stuhl des Abtes oder des Bischofs gesetzt. Am Nikolaustag war es Aufgabe der Paten, den Kindern etwas zu schenken, diese schenken an Neujahr den Paten als Gegengabe etwas, wovon das Neujährchen für die Müllabfuhr geblieben ist.

Zum Patron der Kinder wurde er, weil er, noch bevor er Bischof wurde, den drei Töchtern eines Kaufmanns Goldstücke für die Aussteuer nachts unbemerkt durch das Fenster warf und sie so vor der Tempelprostitution bewahrte.

Die Schiffsleute beschützte er, indem er sie auf offener See durch sein Erscheinen rettete, dem Kaiser erschien er im Traum. So kommt es in Russland zu der Überzeugung, dass Nikolaus die Aufgaben Gottes übernimmt, wenn dieser über Mittag einmal von der Weltregierung ausruhen will.

Nikolaus ist neben Maria der Heilige, der in Ost und West gleichermaßen verehrt wird, zum Patron Europas hat er es allerdings noch nicht gebracht.  

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Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ