Namenstage

Früher gab es Katholiken und Katholikinnen, die den Namen erhielten, dessen bzw. deren Gedächtnis an dem Geburttag gefeiert wurden. Wer z.B. am 4. Oktober geboren wurde, bekam wegen des Gedenktages des hl. Franziskus den Vornamen Franz oder Franziska. Es war auch noch in manchen Regionen, so im Münsterland, üblich, den Namenstag mehr herauszuheben als den Geburtstag.

Was war der Grund für diese Praxis, die auch das Lebensgefühl mit geprägt hat? Es war die Hochschätzung der Taufe. Denn der Vorname ist vom Ereignis her mit der Taufe verbunden. Jede menschliche Kultur, nicht nur die vom Christentum geprägte, kennt einen öffentlichen Ritus, mit dem ein Kind in die menschliche Gemeinschaft aufgenommen wird. Meist ist es ein Amtsträger, so der Häuptling oder der Priester oder Diakon, der im Namen der Gemeinschaft die Aufnahme eines neuen Erdenbürgers bestätigt.

Mitglied der menschlichen Gemeinschaft wird man durch den Namen, den man erhält. Da der Familienname sozusagen durch die Geburt erworben wird, kommt dem Vornamen eine besondere Bedeutung zu. Da in christlicher Tradition die Kinder biblische Vornamen oder die eines Heiligen erhalten, ist die Feier des Namenstages ein Taufgedächtnis. Eigentlich müsste der Bürgermeister oder Ortsvorsteher die Eintragung des Neugeborenen in die kommunalen Bücher an dem Tag vornehmen. In der Kirche versammelt die heutige Taufpraxis eigentlich nur die Familie und nicht die Gemeinde mit der Nachbarschaft. So hat die Kirche selbst zum Absinken des Namenstages in die Bedeutungslosigkeit beigetragen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ