Nächtliche Gottesdienste

Ob Weihnachten oder Ostern, der besondere Gottesdienst wird in der Nacht bzw. zum Morgengrauen hin gefeiert. Sowohl Weihnachten wie Ostern liegen in der Nacht.

Für Weihnachten findet sich folgende Zeitangabe:

„In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Lukas, 2,8-11

Für die Ostfeier in der Nacht spricht, dass die Frauen am Morgen nach Sonnenaufgang zum Grab kommen und dieses leer finden. Das Entscheidende, die Auferstehung Jesu, ist in der Nacht geschehen. Ebenfalls bei Lukas findet sich folgender Bericht im 24. Kapitel:

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.

Während sie ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. (Verse 1-7)

Das Entscheidende spielt sich in der Nacht ab. Schon die Juden feierten das Passahmahl in der Nacht. Nachts ziehen die Israeliten durch das Rote Meer, nachts geht Gott ihnen auf ihrer Wüstenwanderung in einer Feuersäule voran.

Nächtliche Feiern waren in einer Zeit ohne künstliche Beleuchtung auch deshalb leichter möglich, weil die Menschen um Mitternacht schon einen großen Teil des Schlafes hinter sich hatten.

Im Zeitalter des elektrischen Lichts gewinnen Feiern, in denen nur Kerzen brennen, eine neue Ausstrahlung. Anders als Gottesdienste am Vormittag unterbrechen sie den Fluss der Zeit und öffnen eher für das Besondere des herausragenden Festes.

Neben den Gottesdiensten an den beiden Hauptfesten gibt es nächtliche Lesungen und Gebete, durch die sich eher junge Leute angesprochen fühlen. Hierfür liefert die Osternachtfeier die Vorlage. Denn neben dem Gesang über die Kerze, dem ÞExsultet und Hymnen werden Lesungen aus dem Alten Testament vorgetragen, die durch eine Lesung aus dem Neuen Testament und ein Evangeliumstext über die Auferstehung Jesu abgeschlossen werden.

Der Karfreitag wird nicht in der Nacht gefeiert, sondern zu der Uhrzeit der Hinrichtung Jesu, um 15h, der Gründonnerstagsgottesdienst liegt am frühen Abend. Da Jesus nach dem Abendmahl in den Garten Gethsemane zum Gebet gegangen ist, mündet der Gründonnerstag in ein nächtliches Gebet in der Kirche.

Das Stundengebet kennt eigene Gebete in der Nacht, die Matutin, die von streng kontemplativen Orden wie den Karthäusern und den Trappisten auch in der Nacht gebetet werden.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ