Messe

Ältere Katholiken spüren an Sonntagen eine Art inneren Drang, am Gottesdienst teilzunehmen. Bei manchen leidet sogar das Wohlbefinden. „am Sonntag brauch ich mei Mess“ ist ein Ausdruck, den man in Frankfurt noch hören kann. Anders als die reformierten Christen gilt bei den Katholiken nicht eine strikte Sonntagsruhe. Nach der Messe kann man durchaus über das Geschäft reden oder Politik betreiben. Da das Gasthaus in vielen Orten nahe bei der Kirche liegt, können die Männer sich dort den Geschäften widmen, während die Frauen schon mal nach Hause gehen, um das Essen zu kochen. Wenn der Pfarrer nicht provoziert hat, wird im Gasthaus nicht über die Predigt diskutiert, sondern über das Ortsgeschehen. Natürlich müssen sich Männer, anders als meist die Frauen, auch vom frommen Geschehen in der Kirche distanzieren, aber das Sonntagsgefühl wird in einigen Regionen immer noch durch eine etwas bessere Kleidung unterstützt. Für die Frauen ist der Kirchgang noch anspruchsvoller, was in machen Regionen dem Friseurgewerbe am Samstag besonderen Auftrieb gibt. Von Anfang an konnten Frauen mit der christlichen Botschaft mehr anfangen als Männer. Jesus wurde von Frauen finanziell unterstützt, manche zogen mit ihm und seinen Jüngern von Ort zu Ort. Im römischen Reich schlug der christliche Glaube mehr als unter den Männern bei den Frauen Wurzeln. Wahrscheinlich finden Frauen zu dem, was die Messe vermittelt, leichter Zugang. Es ist nämlich nicht so sehr das Wort, das die Messe zur Messe macht. Ob Predigt, ein theologischer Vortrag oder auch Religionsunterricht – das macht im Empfinden der Katholiken keinen so großen Unterschied. Das Besondere ist das Brot. Man kann das Heilige mit dem Mund berühren, denn das gewandelte Brot vermittelt eine besondere Nähe zu Christus. Johannes überliefert in seinem Evangelium provozierende Worte: 

„Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“  Kapitel 6, 46-52

Jesus ist für die Katholiken in der Hostie noch näher als das Wort. Dahinter steht eine schwierige Geschichte (ÞKommunion in die Hand), die aber an dem Wort Jesu vom Abendmahlssaal festgehalten hat: „Dieses Brot ist mein Leib“,
„Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ Markus Kap. 14, 22-24

Die Messe hat für die Katholiken etwas Objektives. Der Pfarrer mag predigen, was er will, wenn er die Messe feiert, tut er etwas Objektives, das zwar an die Person eines geweihten Priesters gebunden ist, aber für den Katholiken nicht vom Priester gemacht wird, sondern nur geschieht, weil er seinem Auftrag nachkommt.

Hinter dem Bedürfnis, an der Messe teilzunehmen stand Jahrhunderte lang ein streng verpflichtendes Kirchengebot, nämlich sonntags an der Messe teilzunehmen. Dieses Gebot wurde von vielen jungen Katholiken über Generationen bekämpft und ist inzwischen ziemlich abgeschliffen. Jedoch zeigen soziologische Studien, dass Menschen mit der sonntäglichen Gottesdienstpraxis ihre Freizeit besser strukturieren und zufriedener aus dem Wochenende kommen.

 

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ