Messdiener

Messdiener und Messdienerinnen

Macht man auf dem Fernsehschirm Karrieren, wenn man in seiner Jugend Messdiener war? Einige der bekanntesten Showmaster sagen von sich, sie hätten den Auftritt vor einem größeren Publikum schon als Kinder geübt, ob ein Alfred Biolek, ein Thomas Gottschalk, ein Günter Jauch. Das bestätigt den Verdacht, dass der katholische Gottesdienst in seiner barocken Tradition eine Inszenierung darstellt, zu der der Akteur, der Priester, einen Hofstaat braucht. An dem Verdacht ist einiges dran. Die Messe wird, ähnlich wie eine Oper oder ein Theaterstück, nicht neu erfunden, sondern nach einem vorgegebenen Drehbuch, das im Meßbuch festgehalten ist, inszeniert. Das, was dargestellt wird, ist allerdings kein Passionsspiel, sondern eine Mahlfeier. Deshalb sind die Messdiener und Messdienerinnen nicht Schauspieler, die römische Soldaten, jüdische Männer und Frauen darstellen, sondern den Ablauf der Feier gewährleisten sollen. Sie heißen deshalb auch Diener, von ministrare, dienen. So bringen sie im zweiten, dem Mahlteil der Eucharistiefeier, die Gaben Brot und Wein zum Altar, reichen dem Priester eine Schale für die Händewaschung und bringen nach dem Kommuniongang die liturgischen Gefäße vom Altar zum sog. Kredenztisch, einem kleinem Tisch im Chorraum, zurück. Wer diese Aufgabe übernimmt, ist im engeren Sinn Akolyth, Altardiener. Ein wichtiges Instrument für die Messdiener sind die Schellen oder ein Gong. Diese werden jeweils nach den Worten über Brot und Wein zum Klingen gebracht, um die Wandlung der eucharistischen Gaben anzuzeigen. Wenn in der Osternacht das Gloria gesungen wird, erklingen die Schellen während des Gesangs.

Mehr Renommee hat der Dienst mit dem Rauchfass. Denn bei feierlichen Gottesdiensten kommt dieses Rauchfass hinzu, das zu mehreren Einsätzen kommt. Der Thurifer, der Rauchfaßträger, begleitet von einem zweiten Messdiener, der den Weihrauch in einem kleinen Gefäß, dem Schiffchen hält und deshalb Navikular heißt, reicht dem Priester das Rauchfass, damit dieser nach dem Einzug den Altar, das Kreuz und Weihnachten die Krippe inzensiert. Nach der Gabenbereitung inzensiert der Priester zuerst die Gaben und den Altar, der Thurifer dann den Zelebranten und die Gemeinde. Noch einmal bei der Wandlung werden die Hostie und der Kelch inzensiert, indem der Thurifer das Rauchfaß von der Brust weg in Richtung der erhobenen Hostie und des erhobenen Kelches schwenkt.

Was sind die Messdiener dann – Diener am Altar. Das lateinische Wort kommt wie das eines Ministers von dem lateinischen Wort Minister „Diener“. Ministerium heißt lateinisch „Dienst“.

Seine Laufbahn beginnt man als Flambo, Kerzenträger, Cereferare genannt Cera Wachs, ferre-tragen. Bei feierlichen Gottesdiensten sind es zweimal vier oder mehr Flambos, bei Sonntagsgottesdiensten stehen Zwei bei der Verlesung des Evangeliums neben dem Lesepult. Dann gibt es noch den Kreuzträger, der beim Einzug voran geht. Die Kerzen werden beim Einzug, zum Evangelium und noch einmal zum Hochgebet geholt, ansonsten werden sie in der Sakristei aufgewahrt. Die Insignien des Bischofs, Mitra und Hirtenstab, werden auch von zwei Ministranten während des größten Teils eines Pontifikalgottesdienstes gehalten.

Natürlich sind die Messdiener liturgisch gekleidet, sie tragen einen Talar, oft in roter Farbe, drüber ein weißes Chorhemd, das mit seiner weißen Farbe an das Taufkleid erinnert. Wie die Domherren tragen Sie ein Kreuz oder ein anderes religiöses Symbol an einer Schnur um den Hals.

Die Ministranten verrichten einen Dienst und sollen natürlich damit auf einen lebenslangen Dienst am Altar vorbereitet werden. Deshalb war dieser Dienst Jahrhunderte lang Jungen vorbehalten. Viele Priester haben als Messdiener Zugang zu ihrer Berufung gefunden. Als nach dem Konzil Frauen nicht nur die Lesung im Gottesdienst vorzulesen begannen und die Kommunion an die Gläubigen austeilten, war es logisch, dass junge Frauen und Mädchen auch Messdienerinnen geworden sind. Das stieß auf einigen Widerstand, zumal in Rom bei der Neufassung des Meßbuches niemand mit einer solchen Entwicklung gerechnet hatte. Über einige Jahre vermuteten deutsche Katholiken, dass Rom Messdienerinnen verbieten würde. Als Papst Johannes Paul II. Deutschland besuchte, konnten junge Frauen und Mädchen bei den Gottesdiensten den Altardienst verrichten. Das überarbeitete Meßbuch sagt eindeutig, dass der Altardienst nicht dem männlichen Geschlecht vorbehalten ist. Das hat natürlich nicht nur bei den Erwachsenen Ablehnung hervorgerufen, sondern in manchen Gemeinden zogen sich die Jungen aus der Messdienergruppe zurück, waren die Mädchen doch in eine bisherige Jungendomäne eingebrochen.

Messdiener, Messdienerin kann man nach der Erstkommunion werden. Dass Kinder, auch wenn sie schon etwas älter geworden sind, einem solchen Dienst durchaus gewachsen sind, zeigen die Jüngeren, die bei feierlichen Gottesdiensten die Kerzen tragen. Für die Messdiener ist der Dienst im Chorraum nicht nur ein Training für spätere Auftritte vor einem Publikum. Sie repräsentieren für ihre Altersgenossen und Altersgenossinnen, dass sie eine Rolle in der Feier ausüben. Denn mit der Ersten heiligen Kommunion sind sie vollgültige Mitglieder der Gottesdienstgemeinschaft. Sie sitzen nicht mehr unbedingt in der Bank bei ihren Eltern, sondern bewegen sich selbständig in der Kirche, sie entscheiden selbst, ob sie zur Kommunion gehen. Nur noch Kinder- und Jugendchöre geben jungen Menschen eine ähnlich wichtige Funktion bei einem Geschehen wie es die katholische Kirche Jungen und Mädchen im Rahmen von Gottesdiensten anbietet.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ