Martin-Franken

Martin und Karneval

Zum Herbst wird im Rheinland, aber auch in Thüringen und anderen Regionen Kindern eine besondere Attraktion geboten. Es gibt einen Umzug mit einem Reiter und ein großes Feuer. Das Fest funktioniert jedes Jahr besser, viele Orte berichten von wachsenden Teilnehmerzahlen. Ähnlich wie der hl. Nikolaus übt Martin eine besondere Anziehung aus. Die reicht weit zurück. Martin war Sohn eines römischen Offiziers und musste nach damals geltendem Recht ebenfalls beim Militär Dienst leisten. Er stammte aus dem heutigen Ungarn, wo er 316 oder 317 in Sabrina, heute Steinawanger, geboren wurde. Er tat in Amiens Dienst, als das passierte, was bis heute dem Martinsumzug eine besondere Wärme verleiht. An einem kalten Wintertag begegnete Martin, als er durch das Stadttor ritt, einem frierenden Bettler. Mit seinem Schwert teilte er seinen Offiziersmantel und gab dem Bettler die eine Hälfte des Mantels. So wurde er zum Vorbild des christlichen Teilens. Martin wurde Mönch, dann Bischof. Einige Wunder werden ihm zugeschrieben, er versöhnte Streitende und setzte sich für Verurteilte ein. 372 wurde er zum Bischof gewählt.

Es war die Zeit der Völkerwanderung, in der die Menschen Orientierung brauchten. Martin hat vorgelebt, wie ein christliches Leben aussehen kann. Daher haben ihn die Franken offensichtlich ins Herz geschlossen. König Chlodwig, 498 Christ geworden, erhob ihn zum Schutzpatron der Franken. Bis heute kann man die besondere Vorliebe der Franken für den Heiligen beobachten. In Frankreich sind ihm an die 3000 Kirchen geweiht. Die Martinsverehrung ist im Rheinland stärker verbreitet als z.B. in Westfalen, weil die Franken sich links des Rheins niedergelassen haben, während die Sachsen, von denen die heutigen Westfalen abstammen, östlich von den Franken siedelten. Auch in Deutschland wurden Martin nicht wenige Kirchen geweiht, so der Mainzer Dom oder „Groß St. Martin“ in Köln. In der Regel kann man davon ausgehen, dass eine Martinskirche ein hohes Alter hat.

Der Tag der Beisetzung des Heiligen, der 11. November 397, ist sein Jahresgedächtnis. An dem Tag wurden früher Knechte und Mägde, die wechseln wollten, entlassen. Sie bekamen meist eine Gans als Zugabe. Nicht nur sind die Gänse an Martin schlachtreif, Martin hat insofern einen Bezug zu diesem Tier, weil er sich in einem Gänsestall versteckte, als er zum Bischof von Tours gewählt werden sollte. Am 11. November fing auch die Spinnsaison an, weil in den Stuben Kerzen angezündet wurden. Am 2.Febraur mit Lichtmess, endete die Saison.

Dass der Karneval am 11.11. beginnt, hängt nicht von einem Brauchtum ab, das sich mit Martin verbindet. Die Zahl 11 bezeichnet diese Zeit außerhalb der Ordnung, denn diese liegt jenseits der 10 Gebote und weist auf die abnorme Zeit hin, die der ÞKarneval darstellt. Allerdings kommt auch eine Berechnung von 40 Tagen als Vorbereitungszeit auf Weihnachten zu dieser Zahl, wenn man nämlich die Sonntage nicht mitrechnet, ist der 11. November der Vorabend, an dem nach aufgegessen werden muss, was nicht haltbar gemacht werden konnte, so das Fleisch. Deshalb gibt es auch bis Weihnachten keine Karnevalssaison, sondern erst ab dem Dreikönigstag.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ