Küster

 Küster, Mesner, Sakristan

Jede Kirche braucht jemanden, der sie auf- und zuschließt, der ihre geheimen Winkel kennt und der einen Blick auf die Leute hat, die zum Gottesdienst kommen. Diese Person ist nicht der Pfarrer, sondern der Küster. Der Küster oder die Küsterin ist die erste Ansprechperson in allen praktischen Angelegenheiten, sie haben eine wichtige Scharnierfunktion zwischen den Gläubigen und der Gemeindeleitung in den Angelegenheiten rund um den Kult und die Kirche vor Ort. Küster, das kommt von dem lateinischen custodire, bewachen. In Bayern und Baden-Württemberg heißt der Küster Mesner, weil er für die Vorbereitung einer Messe unentbehrlich ist. Er bereitet den Altar vor, zündet die Kerzen an, hat ein Auge auf die Messdiener. Sein Reich ist die Sakristei, von lateinisch sacer, heilig. In der frühen Kirche wurden die Reste des eucharistischen Mahles in der Sakristei aufbewahrt. Erst im Mittelalter wurden an die Seitenwand des Chores die Sakramentshäuschen gebaut, der Barock rückt den Tabernakel in die Mitte und stellt diesen auf den Hochaltar. Wie der König im Schnittpunkt der Linien eines Schlosses thront, so der himmlische König Christus auf dem Altar. Auch nach dem Barock ist die Sakristei Aufbewahrungsort für heilige Geräte geblieben, für die Kelche, die Monstranz, die Messgewänder, die Hostien und den Weins. Da die Sakristei das eigentliche Reich des Küsters ist, heißt er auch Sakristan.

Küster sind bisher meist Männer gewesen, aber anders als das Amt des Priesters ist das des Küsters in der katholischen Kirche nicht dem männlichen Geschlecht vorbehalten. Frauen haben sich in dem Amt genauso bewährt wie ihre männlichen Berufskollegen und sind von den Gläubigen akzeptiert.

Der Küster ist mit einem Hausmeister vergleichbar, jedoch ist das nicht seine Hauptaufgabe. Er hat technische Geräte zur Verfügung, das Läutewerk der Glocken, die Lautsprecheranlage, immer häufiger die Alarmanlage, die die Kunstwerke sichert. Der Betrieb dieser Anlagen gehört zum Aufgabenbereich des Küsters, da er die Kirche bewachen und durch das Läuten die Menschen zum Gottesdienst herbeirufen soll. Seine Kernaufgabe ist es jedoch, die Feier der Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse, die Messen und Andachten vorzubereiten, die dafür vorgesehenen Gewänder und Gerätschaften bereitzustellen. Meist hat er es dabei mit dem örtlichen Pfarrer bzw. den Priestern zu tun, die die örtliche Gemeinde betreuen. Jedoch ist der Küster auch derjenige, der Priester von außerhalb, die eine Messe, eine Taufe, eine Hochzeit übernommen haben, behilflich ist und sie mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut macht.

Wie der Name „Sakristan“ besagt, geht der Küster mit Heiligem um. Deshalb kann man nur Küster, Küsterin sein, wenn man die notwendige Ehrfurcht spürt. Wer sich über Riten lustig macht, die katholische Liturgie für zu umständlich hält, wem Gottesdienste zu lange dauern, der hält es als Mesner, als Mesnerin nicht aus. Daraus könnte folgen, dass die vorrangige Tugend eines Sakristans die Frömmigkeit ist. Küster und Küsterinnen sind zwar fromm, sonst würden sie es in der Kirche kaum den ganzen oder halben Tag aushalten, aber sie haben eine gewisse Routine im Umgang mit dem Heiligen. Zudem haben sie für das direkte Gebet wenig Zeit, sind sie doch während des Gottesdienstes für die Organisation zuständig. Während einer feierlichen Messe müssen sie z.B. das Rauchfass im Auge behalten, das die Messdiener nur in gewissen Abschnitten während des ganzen Gottesdienstes schwingen und sonst in der Sakristei abliefern, so nach dem Evangelium und nach dem Hochgebet. Nach einem Requiem, der Messe für einen Verstorbenen, legt der Priester das Messgewand ab und zieht einen Rauchmantel, einen nach vorne offenen Umhang an, mit dem er den Sarg zum Friedhof begleitet. Während der Taufen, Hochzeiten und Messen muss der Sakristan immer ein Auge auf das Geschehen haben. Das bewirkt eine nüchterne Frömmigkeit. Den Überblick bewahren, die rituellen Abläufe begleiten und die Sakristei in Ordnung halten, dazu formt der Beruf den Sakristan, die Sakristanin.

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ