Krankensalbung

Krankensalbung – Letzte Ölung

Wer im Krankenhaus liegt oder dort einen Besuch macht, kann eine Krankensalbung erleben. Dieses Sakrament nimmt als Zeichen das Olivenöl, das auch in der antiken Medizin Anwendung fand. Dieses wird jedoch religiös gedeutet.

Zuerst soll die Salbung den Kranken für das Durchstehen der Krankheit stärken. Für die meisten Katholiken ist die Krankensalbung allerdings die „Letzte Ölung“ und damit das Sterbesakrament. Der Priester wird gerufen, wenn der Tod unmittelbar bevorsteht. Oft warten die Angehörigen so lange, dass der Priester den Kranken gar nicht mehr lebend antrifft. Für die Kranken heißt das, dass wenn der Priester kommt, es bald zu Ende gehen wird. Deshalb heißt das Sakrament im Sprachgebrauch immer noch „Letzte Ölung“. Das ist aber nicht der Sinn des Sakramentes. In der Todesstunde soll vielmehr das eucharistische Brot an das Krankenbett gebracht werden. Es gilt als Wegzehrung für den Übergang in die neue Welt der Auferstehung.

Der Jakobusbrief gibt konkrete Anweisungen, die zeigen, dass in der jungen Kirche der Ritus eingeführt war

„Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ Kap. 5, 14-15

Diese Praxis findet sich bereits bei den Jüngern Jesu, die in seinem Auftrag Dämonen austreiben und Kranke heilen sollen:
„Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“ Markus 6,12-13

Dass mit der Krankensalbung die Vergebung der Sünden geschenkt wird, hat zur Akzentuierung des Sakraments als „Letzte Ölung“ beigetragen. Denn je später die Salbung, desto größer die Gewissheit, mit reinem Herzen zu sterben.

Die Sorge für die Kranken gehört zum Wirken Jesu, als Heiland hat er Kranke geheilt und sogar Verstorbene ins Leben zurück geholt.

Der Bezug von Gesundung und Sündenvergebung findet sich ebenfalls im Verständnis Jesu. Als Männer einen Gelähmten zu Jesus brachten und ihn wegen der Menschenmenge vom Dach des Hauses in die Mitte des Raumes herunterließen, beginnt Jesus die Heilung mit der Sündenvergebung:

„Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott? Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen?

Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.“ Markus 2, 5-12

Mit der Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde die Praxis der Krankensalbung wieder geöffnet. Es gibt auch eigene Gottesdienste, in denen das Sakrament für Ältere gespendet wird.

Das Öl für die Krankensalbung wird am Gründonnerstag oder einem anderen Tag der Karwoche in der Bi­schofskirche geweiht.  

Das Sakrament wird durch den Priester gespendet, indem er dem Kranken Hände und Stirn salbt. Er spricht dabei:

„Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf".

Mit der Krankensalbung wird dem Kranken auch das eucharistische Brot gereicht, sofern er es noch aufnehmen kann.

 

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ