Konzil

Für die Katholiken ist ein Konzil wichtig, das von 1962 mit Unterbrechungen bis 1965 in Rom, genauer im Vatikan, stattgefunden hat. Es ist das zweite, das nach dem Vatikan benannt wurde. Dass Konzilien im Hoheitsbereich des Papstes stattgefunden haben, ist eher selten. Es gibt vier Laterankonzile, der Lateran war im Mittelalter die Residenz des Papstes, bis Sankt Peter in barocker Pracht gebaut wurde. Der Geldbedarf des bauwütigen Papstes erreichte Deutschland in Form des Ablasshandels und ließ Luther gegen die päpstliche Orientierung der deutschen Kirche aufbegehren. Der Vatikan bleibt dann auch der Stein des Anstoßes in dem Bemühen, dass die abendländische Kirchenspaltung aufgehoben wird. Das I. Vatikanische Konzil 1870 hat die Grenzen zur außerkatholischen Welt schärfer gezogen, das Zweite war dagegen auf den Dialog mit den anderen Konfessionen eingestellt.

Konzilien wie die zwei Vatikanischen werden nach dem Ort benannt, an dem sie stattfanden. Die wichtigsten sind die ersten, die jeweils vom Kaiser von Byzanz einberufen wurden und meist im Umkreis seines Regierungssitzes abgehalten wurden, so in Nicäa oder Chalzedon bei oder direkt in Konstantinopel, dann noch in Ephesus benannt nach dem Gründer von Byzanz, Konstantin I, der auch den Christen Religionsfreiheit gewährte.

Als Rom im Jahre 1054 die Trennung zur Orthodoxie vollzog, indem römische Gesandte dem Patriarchen von Konstantinopel die Bannbulle auf den Altar seiner Kathedrale, der Weisheit geweiht, Hagia Sophia, gab es keine Konzilien mehr, die die ganze Christenheit vereinten. Als Byzanz kurz vor der Eroberung durch die Türken stand, nahm der Patriarch von Konstantinopel am Konzil von Florenz 1439 teil. Es wurde eine neue Kirchenunion vereinbart, die aber nicht wirksam wurde, weil der Gegensatz zwischen Ost und West zu tief geworden war.

Die abendländische Kirche hielt an der Konzilsidee fest. Meist waren die Päpste die Einladenden. Als es jedoch zur Wahl mehrere Päpste kam und das lange anhielt, kümmerte sich der Kaiser darum, dass alle Päpste abtraten, damit ein neuer gewählt werden konnte. Dieses Konzil fand auf deutschem Boden, in Konstanz (1414-1418)statt.

Ebenfalls auf damals deutschem Boden, in Trient, fand das Reformkonzil statt, das die beginnende Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten überwinden sollte. Der Riss war aber schon so tief, so dass die Protestanten nicht erschienen. Für die katholische Kirche hat das Konzil von Trient eine ähnlich prägende Bedeutung wie das bisher letzte, das Zweite Vatikanische. Einige Misstände wurden abgestellt, so dass Bischöfe gar nicht in ihrer Bistum waren, weil sie in mehreren Diözesen wegen der Erhöhung ihrer Einnahmen verwalteten. Die Priesterausbildung wurde auf einen einheitlichen Standard gebracht, es gab eine Überarbeitung der liturgischen Bücher. Erst Theologen im 20. Jahrhunderts, allen voran Hans Küng, haben entdeckt, dass die Lehre, wie der Mensch erlöst wird, die von Luther formulierte Rechtfertigungsfrage, inhaltlich vom den Reformatoren und dem Konzil gleich gesehen wird. Nur handelt die katholische Kirche die Thematik nicht unter der Überschrift „Rechtfertigung“ sondern unter dem Begriff „Gnade“ ab.

Das Zweite Vatikanische Konzil hatte nicht die Intention, Lehrfragen zu klären, sondern die Kirche auf den Stand der Zeit zu bringen. „Verheutigung“, aggiornamento war das Stichwort Johannes XXIII, der das Konzil einberief und während der ersten Sitzungsperiode starb. Sein Nachfolger wurde Paul VI.

Das Konzil hatte große Auswirkungen auf den katholischen Lebens- und Frömmigkeitsstil. Deutlich wurde das daran, dass die Messe in der Landessprache gefeiert wird und der Priester nicht mehr vor dem Altar mit dem Rücken zu den Gläubigen zelebriert.

Das Konzil klärte viele offene Fragen, so das Verhältnis zu den anderen christlichen Konfessionen und setze positive Signale für die Ökumene.

Hier liegt dann auch der entscheidende Punkt, denn Konzilien, die für die ganze Kirche Geltung beanspruchen, werden schon in der frühen Kirche ökumenische genannt. Das Wort bezog sich damals nicht auf die Verständigungsbemühungen zwischen den Kirchen, sondern beinhaltet den Anspruch, die über den ganzen Erdkreis verbreitete Christenheit zu repräsentieren, denn die Ökumene ist die gesamte bewohnte Welt. Die katholische Kirche geht daher auch davon aus, dass die Beschlüsse ihrer Konzilien für alle Christen verbindlich sind. Da das Zweite Vatikanische Konzil sehr viel stärker als das Erste die anderen Kirchen im Blick hatte, wurden seine Beschlüsse außerhalb der katholischen Kirche weitgehend begrüßt. Im Unterschied dazu wirkte das I. Vatikanischen Konzil, das die Vollmachten des Papstes akzentuiert hatte, eher trennend.

Die römische Kirche kann aber gerade wegen des Papstes ein Konzil veranstalten, das nicht nur Fragen berät, sondern auch verbindlich für alle Bistümer dieser Kirche entscheidet. Ohne eine einheitsstiftende Macht, ob die des Kaisers oder des Papstes, können kirchliche Versammlungen nur für Teile einer Kirche sprechen. Die Orthodoxie hat jeweils, meist für ein Land, im Patriarchen eine solche Instanz. Für die Kirchen der Reformation sind es die Synoden, die aber auch nicht für alle Teile einer Konfession entscheidungsbefugt sind.

Die weltweite Gründung katholischer Bistümer durch die Missionsanstrengungen des 16. und 17. Jahrhunderts und dann wieder des 19. und 20. Jahrhunderts machen die römische Kirche zu einer Weltkirche, aber es bleiben die Risse der verschiedenen Kirchentrennungen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ