Klöster

Klöster gehören zum Katholizismus wie auch zur Orthodoxie. In ihnen wohnen, beten und arbeiten Menschen zusammen, die sich ganz dem religiösen Leben verschrieben haben. Dieser Gemeinschaften sind nicht in der ersten Generation der Christen entstanden. Zuerst waren es gläubige Familien, die über ein großes Haus verfügten, in denen sich die Christen trafen und das Gedächtnismahl Jesu feierten. Allerdings gab es in der ersten Generation ehelos lebende Wanderprediger, der bekannteste ist Paulus. Auch Frauen haben sich für ein eheloses Leben entschieden. Sie blieben bei ihren Familien wohnen. Das war in einem römischen Wohnhaus leicht möglich. Dieses war um einen Innenhof gebaut, so dass auch Platz für die Bediensteten und die Sklaven war. Diese Wohnanlage war nach außen abgeschlossen, was schon auf Kloster hinweist. Das Wort kommt von dem lateinischen claustrum, und besagt „nach außen abgeschlossen“.

Der Beginn eines intensiven religiösen Lebens außerhalb einer Familie begann mit den Einsiedlern. Sie wollten der Dekadenz der spätrömischen Zivilisation entfliehen und haben sich in die ägyptische und syrische Wüste abgesetzt. In Ägypten hat dann Pachomius (287-346) das erste Kloster gegründet. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass nicht alle das Einsiedlerleben verkraften. Überhaupt sind die Klöster im Osten entstanden und haben für die orthodoxen Kirchen eine noch größere Bedeutung als für das Abendland. Von den Einsiedlern werden das Gebet und die Bibellesung übernommen und zum Zentrum des klösterlichen Lebens gemacht. Deshalb ist die Kirche als Ort für das Stundengebet und für die Feier der Eucharistie Zentrum des Klosters. Ein weiterer wichtiger Raum sind die Bibliothek und der Speisesaal, Refektorium von „Wiederherstellen“ genannt. Für die Nachtruhe gab es anfänglich Schlafsäle, später sog. Zellen, d.h. Einzelzimmer. Eine Krankenabteilung gehört auch zu jedem größeren Kloster. Da sich die Klöster bis zum Aufkommen der Bettelorden selbst ernährten, gehören bei den Benediktinern und den ihnen verwandten Orden die Landwirtschaft und Werkstätten zum Kloster.

Die Klöster haben sich differenziert, neue Entwicklungen führten zu neuen Gründungen mit jeweils einem anderen Konzept. Die Klöster verbinden sich zu Orden bzw. Orden gründen neue Klöster. Das Wort Orden kommt von ordo, Ordnung, die in einer Regel niedergelegt ist. Grundidee jeder Regel ist die Nachfolge Jesu und die Basis ist die Bibel. Leben nach der Regel heißt immer, dem Lebensweg Jesu folgen. Die geschichtsträchtigsten Regeln für den Westen haben Augustinus und Benedikt verfasst, später Franziskus und am Beginn der Neuzeit Ignatius von Loyola. Hinzu kommt die karmelitische Form des Ordenslebens.

Augustinus lebte in einer Bischofsstadt in Hippo in einer Gemeinschaft, nach seiner Regel leben die Augustiner, die Prämonstratenser. Die Dominikaner haben sie ebenfalls als Grundlage gewählt. Weiter sind die sog. Stifte in den Städten, in denen mehrere Priester zusammenleben, sich zum Stundengebet versammeln, eine Schule betreiben und Pfarreien betreuen, an der Augustinusregel orientiert. Diese Stifte hatten eine große Bedeutung, bis sie in der Säkularisation aufgelöst wurden. In Österreich bestehen sie weiter und tragen einen guten Teil der Seelsorge. Die Orden, die sich an der Augustinusregel orientieren, sind stärker auf die Seelsorge ausgerichtet. Benedikt, der selbst Einsiedler war, hat eine Regel geschrieben, die nicht für Priester gedacht ist, sondern für Menschen, die sich für ein intensives Ordensleben entscheiden. Unter einem Abt, das Wort für Vater, widmen sich die Abteien zu allererst dem Gebet. Aber auch die Handarbeit spielt eine große Rolle. Das hatte nicht zuletzt darin seinen Grund, dass damals Handarbeit bei den etablierten Bürgern verpönt war. Sie wurde von Knechten und Mägden verrichtet, die meist Sklaven waren und ständig im Haus lebten. Da Handarbeit schon bei den ersten Christen üblich war, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, Paulus arbeitete als Zeltmacher, wurde „Beten und Arbeiten“ zum entscheidenden Faktor für den Aufbau des Mittelalters. Denn die Germanen hatten die römische Kultur weitgehend vernichtet, die Städte waren entvölkert, kaum einer konnte noch Lesen und Schreiben. Karl d. Gr. verfügte für alle Klöster in seinem Reich, dass sie der Benediktusregel zu folgen hätten. Von Iren gegründete Klöster, die mehr weltabgewandt waren, wurden damit auf die Kulturarbeit eingeschworen. In den Benediktinerabteien wurden Bücher abgeschrieben, Schüler unterrichtet, die Kranken versorgt und die umliegende Landwirtschaft entwickelt. Ein Fürst, der aus seinem Territorium etwas machen wollte, gründete eine Abtei.

Als im 10. Jahrhundert die Städte entstanden, waren die Franziskaner und Dominikaner die Orden, die sowohl Wissenschaft betreiben und in der Seelsorge tätig sind. Hinzu kamen die Augustiner und die Karmeliten. Letztere sind von einem kontemplativen Grundimpuls getragen. Die Franziskaner sind wie die Benediktiner nicht als Gemeinschaft von Priestern angetreten, sondern als Brüder, die sich dem Ideal der Armut verschrieben haben. Das war wie bei den ersten Einsiedlern eine Abkehr von dem wohlhabenden Lebensstil, der auch in die Kirche Einzug gehalten hatte. Daraus folgt das Betteln für den Lebensunterhalt. Die Franziskaner werben für ihre Form der Nachfolge Christi und haben damit einen unmittelbaren Bezug zur Seelsorge. Bereits im Mittelalter entstanden Orden, die sich ganz der Krankenpflege widmeten, so die Antoniter, die die an Mutterkorn Erkrankten aufnahmen, die Johanniter und auch die Begarden, die sich heute Alexianer nennen. Johannes von Gott (1495-1550) gründete die „Barmherzigen Brüder“, einen Krankenpflegeorden.

Im 16. Jahrhundert gründete Ignatius einen Orden für Priester, der die Seelsorge ins Zentrum stellt. Dazu dienen Wissenschaft, Schulen und Universitäten. Faktisch sind die Jesuiten ein Ausbildungsorden. Weitere Orden, deren Ziel die Seelsorge und der Unterricht sind, wurden in Anlehnung an die Regel des Ignatius gegründet, so die Redemptoristen.

In dem kurzen Abriss wurde die Idee des Ordens an den Männerklöstern dargestellt. Jeweils parallel gab es auch immer weibliche Zweige, ob der Benediktiner, der Dominikaner, Franziskaner u.a. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer Gründungswelle weiblicher Orden, die sich der Krankenpflege, der Betreuung von Mädchen und junge Frauen widmeten, die in die Städte gezogen waren. Weiter gründeten und betreiben diese Orden Schulen oder unterhalten Waisenhäuser. Dadurch gibt es bis heute sehr viel mehr Frauen in den verschieden Orden als Männer. Im 19. Jahrhundert wurden auch Missionsorden gegründet, so die Comboni-Missionare, die Steyler, die Spiritaner, die Mariahill-Missionare und natürlich parallel dazu Frauenorden. Die Entwicklungen sind auch im 20. Jahrhundert weiter gegangen. Mutter Teresa hat einen Orden gegründet, der sich um die Ärmsten kümmert,  Charles de Foucault die Kleinen Brüder und Schwestern, die einem Beruf nachgehen und in kleinen Gruppen ein kontemplatives Leben führen. Dann gibt es noch sog. Säkularinstitute, die nach außen nicht als Orden hervortreten, sondern Lebensgemeinschaften für Menschen sein wollen, die im Beruf stehen und sich zugleich dem religiösen Leben widmen.

 

 

Katholikentage

 

Wie die Parteien sich zu ihren Parteitagen treffen, so die Katholiken zu ihren Katholikentagen. Vergleichbar sind die evangelischen Kirchentage. Inzwischen veranstalten die Christen beider Kirchen ihre Treffen hin und wieder gemeinsam.

Mit den Parteitagen haben die Katholikentage tatsächlich die Gemeinsamkeit, dass sie aus der Zeit stammten, in der sich in Deutschland die Gesellschaft nicht mehr in Zünften, Studentenverbindungen und über regionale Feste organisierte, sondern eigene Vereinigungen gründete, um die Gesellschaft mit zu gestalten. Es entstanden nicht nur Parteien, sondern auch Vereine und Verbände. Damit sich diese Gruppierungen über den lokalen Bereich hinaus organisieren konnten, brauchten sie Medien, damals Zeitungen, so dass die Forderung nach Pressefreiheit und die Freiheit, ohne staatliche Kontrolle Presserzeugnisse herauszugeben, Teil des gesellschaftlichen und politischen Aufbruchs Mitte des 19. Jahrhunderts war. Dieser hat sich in den sog. bürgerlichen Revolutionen verschiedener Länder gezeigt und führte zur Umwandlung von Ständerversammlungen in Parlamente und Schritt für Schritt zum allgemeinen Wahlrecht. In Deutschland versammelten sich in der Paulskirche 1848 diejenigen, die eine stärkere Mitbestimmung der Bürger forderten und zugleich auf einen deutschen Staatenbund drängten. Im Zusammenhang mit dieser Bewegung kam es auch zu einem Aufbruch unter den Katholiken.

Das katholische Leben war im Zusammenhang mit den napoleonischen Kriegen sehr beeinträchtigt worden. Mit der Säkularisierung 1803 verloren die Bistümer und Abteien ihren Grundbesitz und die katholische Kirche damit ihre wirtschaftliche Basis. Da die Seelsorge bis dahin zu einem guten Teil über Stifte und Abteien organisiert war, die die Sprengel um ihr Stift bzw. ihre Abtei herum betreuten, musste mit dem Organisationsprinzip Pfarrei im 19. Jahrhundert die Seelsorge neu organisiert werden. Da die Bistümer und Abteien bis 1803 auch eigenständige kleine Staaten waren und jeder Bischof nicht nur geistlich das Oberhaupt des Bistums war, sondern für einen Teil des Gebietes auch der Landesherr, lebten die Katholiken bis dahin meist unter einem katholischen Herrscher. Da es neben Bayern unter den Fürsten kaum katholische Häuser gab, waren die Katholiken nach 1803 meist Untertanen evangelischer Landesherrn. Diese wollten die katholische Kirche genauso regieren wie die evangelische Landeskirche, deren Bischof sie waren. Die Verwaltung der Evangelischen Kirche war nämlich bis zum Ende des 1. Weltkriegs Teil der Landesregierung, vor allem die Besetzung der Pfarrstellen wurde in einem Ministerium entschieden. Die katholische Kirche wollte dagegen an der Trennung von Staat und Kirche, wie sie im Mittelalter durchgesetzt und im Wormser Konkordat 1122 zwischen Papst und deutschem Kaiser neu geregelt worden war, festhalten. Es ging vor allem darum, dass die Bischöfe nicht, wie bis zum 12. Jahrhundert üblich, von der staatlichen Gewalt, sondern von der Kirche eingesetzt wurden.

 

Mit der bürgerlichen Revolution 1848 erkämpften die Katholiken sich erstmals einen größeren Freiraum und konnten sich weitgehend der Bevormundung durch den jeweiligen Landesherrn entziehen. Mit dem damaligen gesellschaftlichen Aufbruch bildeten sich auch schnell katholische Vereine, die bereits in ihrem Namen einen starken Bezug auf den Papst zum Ausdruck brachten, denn in der ersten Gründungswelle nannten sich viele nach dem damaligen Papst Pius IX. „Piusvereine für religiöse Freiheit“. Aus diesen frühen Gründungen sind dann die Verbände hervorgegangen, die bis heute das kirchliche Leben prägen.

 

Diese Vereine koordinierten sich im ÞZentralkomitee der Verbände, heute Zentralkomitee der Deutschen Katholiken genannt. Dieses veranstaltet die Katholikentage. Der erste fand 1848 in Mainz statt, 1948 der erste wieder nach dem Krieg, nachdem die NS-Regierung die Katholikentreffen untersagt hatten. Über die Katholikentage bündelten die Verbände ihre Interessen in Bezug auf die gesellschaftlichen Fragen. Als sich 1870 katholische Abgeordnete im preußischen Abgeordnetenhaus zum Zentrum zusammenschlossen, war nach einem langen Vorlauf eine Interessenspartei der Katholiken gegründet, die auch in den Reichstag, in das Parlament des am 18. Januar 1871in Versailles ausgerufenen Deutschen Reiches, gewählt wurde und sogar zweitstärkste Fraktion war. Es ging der Partei neben der Verteidigung der Rechte der Katholiken und der katholischen Kirche vor allem um die sozialen Probleme der Industrialisierung. Es kam zum Aufbau einer katholischen Presse, faktisch einer Presse des Zentrums, so wie die anderen Parteien ebenfalls ihre Anhänger über eine Tages- oder Wochenzeitung an sich zu binden suchten. Es gab bereits im 19. Jahrhundert Probleme mit der Landwirtschaft. Weiter mussten sich die Katholiken entscheiden, ob sie eine eigene Gewerkschaft gründen oder sich den bestehenden Gewerkschaften anschließen wollten.

Vergleicht man die Tagesordnung der Katholikentage in den ersten 100 Jahren mit dem heutigen Themenspektrum, dann hatten diese Treffen nicht nur viel weniger Besucher, sondern es fehlten auch die Kirchenthemen wie Zölibat, Diakonen- und Priesterweihe für Frauen. Dass sich die Katholikentage von einem Forum über gesellschaftspolitische Themen zu einem Podium für innerkirchliche Reformen verwandelten und die Bischöfe heute die gesellschaftspolitischen Standpunkte formulieren, hängt mit zwei Entwicklungen zusammen.

1.      Das Zentralkomitee hat faktisch eine große Nähe zur CDU. Seine Präsidenten sind seit langem prominente Politiker von CDU und CSU. Der Bischofskonferenz gelingt es inzwischen sehr viel überzeugender, katholische Standpunkte in die Öffentlichkeit zu bringen als dem katholischen Laiengremium.

2.      Das Zentralkomitee als Veranstalter der Katholikentage ist das auf Bundesebene agierende Gremium der Pfarrgemeinderäte. Diese sind durch das II. Vatikanische Konzil eingerichtet und werden durch Wahlen beschickt. Diese Gremien sind sehr viel stärker an innerkirchlichen Fragen interessiert und bestimmen in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Themen, sondern auch die Zusammensetzung der Teilnehmerschaft der Katholikentage.  

 

Den Katholikentagen gelingt es, viele Jugendliche für die Teilnahme zu gewinnen.

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ