Kirchenvorstand

Kirchenvorstand, Kirchenerwaltung

 In Finanzfragen lässt man den Pfarrer besser nicht alleine entscheiden. Da die Pfarreien nicht selten über Grundbesitz und neben den Kirchengebäuden über andere Immobilien verfügen, müssen wache Augen über die Ordnung der Finanzen wachen. Meist heißen die gewählten Gremien Kirchenvorstand, in Bayern Kirchenverwaltung. Letzter Begriff macht noch nicht deutlich, dass es sich um ein Entscheidungsgremium und nicht um ein Büro handelt. Derjenige, der die Bücher führt, heißt Rendant oder in Bayern Kirchenpfleger. Die Buchhaltung für mehrere Pfarreien sind in Rendanturen zusammengefasst.

Diese Finanzgremien haben tatsächlich Entscheidungsbefugnis, auch wenn der Pfarrer der geborene Vorsitzende ist. Ob der Kindergarten renoviert werden soll, eine neue Orgel angeschafft oder ein Küster oder eine Erzieherin für den katholischen Kindergarten eingestellt wird, immer muss das Gremium entscheiden.

Kirchenvorstände sind weithin noch eine Männerdomäne, obwohl das pfarrliche Leben sehr viel mehr von den Frauen getragen wird. Wie andere Finanzgremien sind Kirchenvorstände eher konservativ, vor allem wenn es um die Erhaltung der örtlichen Kirche und die Wahrung des Besitzes geht.

Ein kluger Pfarrer kooperiert mit diesem Gremium. Entzweit er sich mit dem Kirchenvorstand, kostet das die Beteiligten Nerven und oft muss der Pfarrer in eine andere Gemeinde wechseln.

Da in vielen Diözesen mehre Pfarreien in einen Seelsorgsverbund zusammengeführt worden sind, fühlen sich die Kirchenvorstände besonders herausgefordert. Aus ihrer Sicht bliebe besser alles beim Alten. Da in mehreren Bistümern das Seelsorgspersonal, also neben den Priestern auch die Pastoralreferenten und die Gemeindereferentinnen, nicht mehr einer einzelnen Pfarrei zugeordnet sind, sondern dem gesamten Verbund, kommt es zu Gremien, die die für den gesamten Verbund gewählt werden. Einige Bistümer haben bereits Pfarreien zusammengelegt. Dafür braucht es die Zustimmung der Kirchenvorstände. Nach der Zusammenlegung gibt es dann nur noch einen Kirchenvorstand, der allerdings oft einen anderen Namen erhält.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ