Kerzen

 Die vielen Kerzen

Der katholischste Ort Frankfurts ist aktuell nicht der Dom, sondern ein kleiner Innenhof neben einer mittelalterlichen Kirche, direkt im Stadtzentrum. „Liebfrauen“ heißt sie, wie es eine mittelalterliche Anrede an Maria, die Mutter Jesu war. Dort finden die Frankfurter, aber auch die Philippininnen, die Kroatinnen, Portugiesinnen und Polinnen, denn meist sind es Frauen, einige Minuten Zeit zum Gebet. Sie schmücken das Marienbild mit Blumen und zünden eine Kerze an. Über 600.000 Kerzen im Jahr werden aus den Kästen entnommen, die die Kapuziner neben die Marienskulptur stellen. Sie verlangen keinen bestimmten Betrag für ein kleines Teelicht, aber das Kloster kann einen guten Teil seiner Aufwendungen von dem finanzieren, was die Leute in den kleinen Kasten werfen, der in die Wand eingelassen ist. Im Lauf des Tages füllen sich die Metalltabletts immer mehr mit kleinen Lichtern, über 1200 haben Platz. Jedes Licht brennt für ein Gebet. Viele Sorgen sind hier still abgeladen worden. Ohne dass die Menschen viel mit einander gesprochen haben, ist eine Gebetsgemeinschaft entstanden. Und manch einer hat eine Kerze im Auftrag eines anderen aufgestellt. Beten geht an diesem Ort einfacher und alle, die kommen, sind überzeugt, dass hier die Gebete erhört werden. Maria wird sich keinem Anliegen verschließen. Abends, wenn es dunkel geworden ist und die Mönche das Tor zum Innenhof längst geschlossen haben, brennen die Lichter noch und führen sozusagen das Gebet weiter.

Es gibt auch ausdrückliche Segnungen mit der Kerze. Kerzen unterstreichen das Bittgebet. Am Fest des hl. Blasius kann man sich mit zwei übereinander gekreuzten Kerzen segnen lassen – gegen Halskrankheiten.

In der Osternacht nehmen alle Gottesdienstbesucher eine Kerze in die Hand, um die Auferstehung Jesu feiern. Die Kerzen werden nicht einfach mit einem Streichholz angezündet, sondern zuerst wird vor der Kirche ein Feuer, das „Osterfeuer“ zum Brennen gebracht. An dem Feuer wird die Osterkerze entzündet. Diese wird mit dem Ruf „Lumen Christi“, Licht Christi, in die dunkle Kirche getragen. An der Osterkerze entzünden die Gläubigen ihre Kerze. Sie hören dann einem langen Gesang zu, dem Osterlob oder „Exsultet“, der die Auferstehung in Beziehung zur Befreiung Israels aus Ägypten setzt und auch die Kerze selbst besingt. Das Licht steht für das neue Leben, in das Jesus hinübergetreten ist, das die Nacht erleuchtet und das auch den Gläubigen einmal eröffnet wird. Dieses Licht verbindet sich mit der aufgehenden Sonne. Dies ist ein Grund, warum die meisten Kirchen ge-ostet sind, denn Christus wird im Bild der Sonne gesehen, die im Osten aufgeht. Die Kirchen sind auch deshalb nach Osten hin gebaut sind, weil dort Jerusalem liegt. Dort, so die Überzeugung vieler Generationen, wird Christus am Ende der Welt erscheinen und die Geschichte zu einem guten Ende führen.

In der Osternacht erinnert das Licht der Kerzen erst einmal an die Auferstehung Jesu. Wenn die Katholiken, vor allem die katholischen Frauen, eine Kerze vor einem Marienbild entzünden, dann brennt die Kerze für ihr Gebet. So wie man in der Osternacht die Auferstehung an der Osterkerze „sehen“ kann und daher bei jedem Gottesdienst Kerzen auf dem Altar angezündet werden, so kann man an den vielen Lichtern im Innenhof von Liebfrauen in Frankfurt und vielen anderen Kirchen die Gebete „sehen“.

Eine weitere Bedeutung bekommt die Kerze, wenn sie für die Seele des Menschen steht. Wie uns „ein Licht aufgehen soll“, so wird für den Täufling eine Kerze angezündet. Denn der Getaufte nimmt an dem neuen, dem ewigen Leben teil, in das Jesus durch seine Auferstehung eingetreten ist. Paulus erklärt in seinem Brief an die Römer die Taufe so: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod hin getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begaben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“ Kap. 6,3-5 Das neue Leben will jeder sehen, deshalb wird bei der Taufe eine Kerze angezündet.

Weil die Kerze für das neue Leben steht, gehört sie auf das Grab. Man zündet am Grab ein Licht an, um auszudrücken, dass der Tote in einem anderen Leben ganz lebendig ist. So gehen in einigen Gemeinden die Menschen nach dem Gottesdienst in der Weihnachtsnacht auf den Friedhof und entzünden auf den Gräbern Kerzen, in Verbundenheit mit den Toten.

 

 

Die vielen Kerzen

 

Der katholischste Ort Frankfurts ist aktuell nicht der Dom, sondern ein kleiner Innenhof neben einer mittelalterlichen Kirche, direkt im Stadtzentrum. „Liebfrauen“ heißt sie, wie es eine mittelalterliche Anrede an Maria, die Mutter Jesu war. Dort finden die Frankfurter, aber auch die Philippininnen, die Kroatinnen, Portugiesinnen und Polinnen, denn meist sind es Frauen, einige Minuten Zeit zum Gebet. Sie schmücken das Marienbild mit Blumen und zünden eine Kerze an. Über 600.000 Kerzen im Jahr werden aus den Kästen entnommen, die die Kapuziner neben die Marienskulptur stellen. Sie verlangen keinen bestimmten Betrag für ein kleines Teelicht, aber das Kloster kann einen guten Teil seiner Aufwendungen von dem finanzieren, was die Leute in den kleinen Kasten werfen, der in die Wand eingelassen ist. Im Lauf des Tages füllen sich die Metalltabletts immer mehr mit kleinen Lichtern, über 1200 haben Platz. Jedes Licht brennt für ein Gebet. Viele Sorgen sind hier still abgeladen worden. Ohne dass die Menschen viel mit einander gesprochen haben, ist eine Gebetsgemeinschaft entstanden. Und manch einer hat eine Kerze im Auftrag eines anderen aufgestellt. Beten geht an diesem Ort einfacher und alle, die kommen, sind überzeugt, dass hier die Gebete erhört werden. Maria wird sich keinem Anliegen verschließen. Abends, wenn es dunkel geworden ist und die Mönche das Tor zum Innenhof längst geschlossen haben, brennen die Lichter noch und führen sozusagen das Gebet weiter.

Es gibt auch ausdrückliche Segnungen mit der Kerze. Kerzen unterstreichen das Bittgebet. Am Fest des Þhl. Blasius kann man sich mit zwei übereinander gekreuzten Kerzen segnen lassen – gegen Halskrankheiten.

In der Osternacht nehmen alle Gottesdienstbesucher eine Kerze in die Hand, um die Auferstehung Jesu feiern. Die Kerzen werden nicht einfach mit einem Streichholz angezündet, sondern zuerst wird vor der Kirche ein Feuer, das „Osterfeuer“ zum Brennen gebracht. An dem Feuer wird die Osterkerze entzündet. Diese wird mit dem Ruf „Lumen Christi“, Licht Christi, in die dunkle Kirche getragen. An der Osterkerze entzünden die Gläubigen ihre Kerze. Sie hören dann einem langen Gesang zu, dem Osterlob oder Þ„Exsultet“, der die Auferstehung in Beziehung zur Befreiung Israels aus Ägypten setzt und auch die Kerze selbst besingt. Das Licht steht für das neue Leben, in das Jesus hinübergetreten ist, das die Nacht erleuchtet und das auch den Gläubigen einmal eröffnet wird. Dieses Licht verbindet sich mit der aufgehenden Sonne. Dies ist ein Grund, warum die meisten Kirchen ge-ostet sind, denn Christus wird im Bild der Sonne gesehen, die im Osten aufgeht. Die Kirchen sind auch deshalb nach Osten hin gebaut sind, weil dort Jerusalem liegt. Dort, so die Überzeugung vieler Generationen, wird Christus am Ende der Welt erscheinen und die Geschichte zu einem guten Ende führen.

In der Osternacht erinnert das Licht der Kerzen erst einmal an die Auferstehung Jesu. Wenn die Katholiken, vor allem die katholischen Frauen, eine Kerze vor einem Marienbild entzünden, dann brennt die Kerze für ihr Gebet. So wie man in der Osternacht die Auferstehung an der Osterkerze „sehen“ kann und daher bei jedem Gottesdienst Kerzen auf dem Altar angezündet werden, so kann man an den vielen Lichtern im Innenhof von Liebfrauen in Frankfurt und vielen anderen Kirchen die Gebete „sehen“.

Eine weitere Bedeutung bekommt die Kerze, wenn sie für die Seele des Menschen steht. Wie uns „ein Licht aufgehen soll“, so wird für den Täufling eine Kerze angezündet. Denn der Getaufte nimmt an dem neuen, dem ewigen Leben teil, in das Jesus durch seine Auferstehung eingetreten ist. Paulus erklärt in seinem Brief an die Römer die Taufe so: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod hin getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begaben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“ Kap. 6,3-5 Das neue Leben will jeder sehen, deshalb wird bei der Taufe eine Kerze angezündet.

Weil die Kerze für das neue Leben steht, gehört sie auf das Grab. Man zündet am Grab ein Licht an, um auszudrücken, dass der Tote in einem anderen Leben ganz lebendig ist. So gehen in einigen Gemeinden die Menschen nach dem Gottesdienst in der Weihnachtsnacht auf den Friedhof und entzünden auf den Gräbern Kerzen, in Verbundenheit mit den Toten.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ