katholisch

Katholisch – der Ursprung der Bezeichnung

Katholisch, das riecht nach Weihrauch, klingt mittelalterlich, Fronleichnam prägt die Außendarstellung der katholischen Gemeinden. Katholisch fühlt sich auf jeden Fall anders an als evangelisch oder orthodox.

Woher kommt das Wort, um neben apostolisch, heilig  die „Eine Kirche“ zu beschreiben.

Das Wort steht nicht im Neuen Testament, wohl aber im verbindlichen Glaubensbekenntnis, das die Konzilien von Nicäa und Konstantinopel formuliert haben. Vorlage dafür waren Bekenntnisse, mit der die Täuflinge ihren Glauben bekannten, ehe sie die Taufe empfingen. Heute wird der Glaube vor dem Empfang der Taufe so bekannt, dass die Täuflinge auf Fragen des Priesters oder Diakons mit Ja oder „ich glaube“ antworten.

Mit der Taufe hat das wort „katholisch“ deshalb etwas zu tun, weil die Taufe den Menschen mit Gott versöhnt, ihn mit dem Geist Gottes begabt und von allen Sünden befreit. Genau das hat eine religiöse Bewegung im 2.Jahrhundert in Frage gestellt. Die sog. Gnostiker sahen die Vollkommenheit erst erreicht, wenn der Mensch die Glaubenswahrheiten in ihrer Tiefe erkannt haben. Gnosis von dem griechischen Wort „Erkenntnis“, „Einsicht“ schließt diejenigen, die nicht bis in die letzten Höhen der Wahrheit vorstoßen, vom Heil aus. Die Gnosis konnte im Ursprungsland der Philosophie entstehen, weil hier die Erkenntnis den Menschen mit dem Göttlichen verbindet, nicht aber das Handeln Gottes, der in den Sakramenten an den Menschen handelt.

Der Erlösungsweg, den die Gnosis versprach, war nur ein Versprechen für wenige, nämlich die intellektuell zum Studium der göttlichen Wahrheiten befähigt waren.

Die christliche Kirche stellt diesem Sonderweg das deutliche Wort entgegen, das im 1. Timotheusbrief festgehalten ist:
„Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, …… Das ist recht und gefällt Gott, unserem Retter;er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: / der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit, als dessen Verkünder und Apostel ich eingesetzt wurde - ich sage die Wahrheit und lüge nicht -, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit.“ Kap 2, 1, 3-7

Am Schluss des Briefes wird Timotheus vor den Gnostikern, die sich auf besondere Erkenntnisse berufen, noch einmal gewarnt:
„Timotheus, bewahre, was dir anvertraut ist. Halte dich fern von dem gottlosen Geschwätz und den falschen Lehren der sogenannten «Erkenntnis»! Nicht wenige, die sich darauf eingelassen haben, sind vom Weg des Glaubens abgekommen. Die Gnade sei mit euch! „ Kap. 4,20-21

 Katholisch heißt, dass Gott alle erlösen will und dass Christus für alle gestorben ist. Damit kommt der Begriff „katholisch“, so wie er in Unterscheidung zur Gnosis entwickelt wurde, dem protestantischen Verständnis des Wortes Gottes entgegen. Das Wort entsteht nicht im Geist des Menschen, sondern kommt von außen. Gott spricht durch das Wort den Menschen an. Daher ist nicht tiefere Erkenntnis die angemessene Reaktion auf das Wort, sondern der Glaube, der Gott in seinem Wort vertraut. Dieses Wort ist Gottes Sohn selbst.

In seiner Erklärung des Glaubenbekenntnisses, das Grundlage der Vorbereitung auf die Taufe wie auch bis heute des Katechismus und des Theologiestudiums ist, formuliert Cyrill von Jerusalem in seiner 18. Katechese, die für den Taufunterricht geschrieben ist:

„Katholisch wird die Kirche genannt, weil sie sich über die ganze Ökumene erstreckt, von einem Ende der Erde bis zum anderen, und weil sie umfassend (katholikos) und ohne Fehl alle Dogmen lehrt, die zur Kenntnis der Menschen gelangen sollen, über die sichtbaren Dinge und die unsichtbaren, über die himmlischen und irdischen, und weil sie das ganze Menschengeschlecht der wahren Religion unterwirft, Herrscher und Beherrschte, Gebildete und Ungebildete, und weil sie umfassend (katholikos) jede Art von Sünde heilt, sei es eine der Seele, sei es eine des Leibes, und weil ihr jedwede Art von Tugend in Werk und Worten und in vielfältigen Geistesgaben gegeben ist.“

Cyrill erwähnt ausdrücklich die weniger Gebildeten, die nicht aus der Kirche ausgeschlossen werden. Es kommt ein Weiteres hinzu, nämlich dass die kirchliche Lehre verlässlich ist.

Mit der Entwicklung des Begriffs „katholisch-für alle Menschen, weltumspannend“ wird in Abgrenzung zur Gnosis, das Amt des Bischofs mehr und mehr betont. Katholisch ist eine Gemeinde, wo ein Bischof ist. Denn als katholisch gilt nicht nur die ganze Kirchengemeinschaft, sondern jede Gemeinde. Deshalb heißt eine Pfarrei eigentlich nicht deshalb „katholisch“, weil sie zur römischen Kirche gehört, sondern weil sie für alle Menschen offen sein soll. Und gerade das garantiert der Bischof. Dieser handelt nicht auf Grund eigener Inspiration, sondern weil er als Nachfolger der Apostel deren Lehre und Glaubenszeugnis durch die Zeit trägt, in der er das Amt ausübt. Deshalb wird der Bischof mit einem Buch in der Hand dargestellt, denn in der Bibel steht das Glaubenszeugnis derjenigen, die sich Jesus angeschlossen hatten. Diese sind ihm auch nach seiner Auferstehung begegnet. Auf dem Glaubenszeugnis der Apostel ruht die Kirche. Das wird in mittelalterlichen Kirchen durch Säulen symbolisiert. An den Säulen sind die Skulpturen der 12 Apostel angebracht. In vielen Kirchen finden sich bis heute 12 Apostelleuchter oder zwölf Kreuze an den Wänden, Weil die Kirche auf das Zeugnis der Apostel zurückgeht, wird sie im Glaubensbekenntnis apostolisch genannt. Bischöfe-apostolische Sukzession.

Geht man auf die Gründe zurück, warum schon im 2.Jahrhundert die Kirche apostolisch genannt wird, dann zeigt sich eine konfessionelle Verengung des Begriffs, wenn dieser nur auf die lateinische Kirche des Westens angewandt wird. So halten auch die orthodoxen Kirchen an dem Glaubensbekenntnis, das die Konzilien von Nicäa und Konstantinopel formuliert haben, fest und bezeichne ihre Kirchen genauso als „katholisch.“

 Die Entstehung der Bezeichnung „katholisch“ als Wesensmerkmal der Kirche hat Reinhard M. Hübner herausgearbeitet: Zum Ursprung des Ausdrucks „Katholische Kirche“; in „Väter der Kirche, ekklesiales Denken von den Anfängen bis in die Neuzeit“, hrsg. Von J. Arnold, R. Berndt, R.W. Stammberger, Paderborn 2004

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ