Kardinäle

Kardinalsrot tragen die Kardinäle auf der Straße, sozusagen als Ausgehuniform. Das aber nur noch, wenn sie sich zum Gottesdienst oder zur Papstwahl versammeln. Sonst treten sie im Schwarzen Anzug auf.

Die Kardinäle haben das Recht, den Papst zu wählen, wenn sie die Altersgrenze von 80 Jahren noch nicht überschritten haben.

Kardinäle sind Römer, sie haben nämlich einen Pass des Vatikanstaates und eine Kirche in Rom. Das ist an den Kirchen außen auf einer Tafel angezeigt. Dass Kardinäle nicht aus dem Umkreis von Rom oder aus der Stadt selbst kommen, wurde erst im Mittealter eingeführt. Das hängt unmittelbar mit dem Recht der Papstwahl zusammen. Denn in Rom wird die frühkirchliche Wahlordnung bis heute angewandt, nämlich dass der Bischof durch den Klerus der Stadt und der umliegenden Orte gewählt wird. In den ersten Jahrhunderten hatte jede Stadt einen Bischof, so wie heute noch in Mittel-und Süditalien. Die Priester versorgten die umliegenden Ortschaften und, wenn die Stadt größer war, die Vororte. Der Bischof war der eigentliche Pfarrer der Stadt, er allein predigte und leitete sogar die Taufkatechese in der Fastenzeit, um Erwachsene auf die Taufe in der Osternacht vorzubereiten.

Der Bischof Roms wurde später nicht mehr von der ganzen Gemeinde, sondern von den Diakonen, den Priestern und den Bischöfen der umliegenden Orte, die Rom zugeordnet waren, gewählt. Genau diese Gliederung der Wahlmänner spiegelt das Kardinalskollegium bis heute wider. Es gibt die Kardinal-Diakone, die Kardinal-Priester und wenige Kardinalbischöfe, nämlich sieben, entsprechend den sububikarischen Bistümern Albano, Ostia, Porto-Santa Ruffina, Palestrina, Sabina-Poggio Mirteto, Frascati, Velletri. Sububikarisch heißt, dass sie unter der Urbs, der Stadt, nämlich Rom stehen.

In dem Kollegium gibt es noch einzelne Aufgaben. Der Camerlengo, der Kämmerer der Kirche stellt den Tod des verstorbenen Papstes fest. Das geschieht unter Zeugen, nämlich des Zeremonienmeisters und des Sekretärs. Die Todesurkunde wird vom Kanzler der Apostolischen Kammer ausgestellt. Der Camerlengo teilt den Tod des Papstes dem Kardinalvikar von Rom mit. Dieser Kardinal nimmt im Auftrag des Papstes die Leitung der Diözese Rom wahr. Dieser teilt der Öffentlichkeit den Tod des Papstes mit. Der Camerlengo versiegelt das Arbeitszimmer des Papstes. Bis zur Wahl des neuen Papstes leitet der Camerlengo die päpstliche Kurie.
Mit dem Tod eines Papstes erlischt auch seine Amtsvollmacht. Das wird durch das Zerbrechen des Siegelrings verdeutlicht. Auch das ist Aufgabe des Camerlengos. Er nimmt nämlich dem Verstorbenen den Fischerring ab, und zerbricht ihn vor den Augen der Kardinäle bei deren ersten Vollversammlung nach dem Tod des Papstes.

Die Beisetzung des verstorbenen Papstes wie die Wahl des Nachfolgers werden vom Kämmerer, dem Camerlengo verantwortet. Die Beisetzungsfeier leitet der erste der Kardinalbischöfe der Dekan des Kollegiums. Der Vorsteher der Kardinaldiakone, der Kardinalprotodiakon, verkündet von dem Balkon des Petersdoms den Namen des gewählten Papstes.

Bei der Wahl des neuen Papstes haben alle Kardinäle gleiches Stimmrecht.

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ