Josephsverehrung

Zum engeren Kreis der Heiligen, die von Katholiken verehrt werden, gehört Joseph, dem Maria verlobt war und der durch die Schwangerschaft seiner Verlobten überrascht wurde. Matthäus schreibt in seinem Evangelium: „Joseph, Ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.“ Warum er das doch nicht tat, geht auf einen Traum zurück. Matthäus schreibt weiter: „Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, ihm sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“ Kap. 1, 19-21 So wurde Josef zum Erzieher Jesu, der die Familie vor dem Zugriff des Herodes nach Ägypten brachte. Nachdem Herodes gestorben war, kehrte Josef mit Maria und dem jungen Jesus aus Ägypten zurück und betrieb in Nazareth eine Zimmermannswerkstatt, in der auch Jesus lernte. Bis zum 30. Lebensjahr blieb Jesus bei Josef und seiner Mutter Maria. Auch wenn Joseph in den Darstellungen der Geburt Christi und der Flucht nach Ägypten erscheint, wird er erst im Barock ausdrücklicher verehrt. Zuerst ist er Patron für eine gute Todesstunde. Das 19. Jahrhundert sieht in ihm das Vorbild für den treusorgenden katholischen Familienvater. Er war Handwerker wie viele katholische Männer, hatte schwere Zeiten durchzustehen und musste vor allem die Familie versorgen, vor Gefahren bewahren und ernähren. Handwerksfamilien prägen die katholische Welt. Deshalb kam er nicht zuletzt in den USA zu Ehren, wo eine Familie nur überleben und Wurzeln schlagen konnte, wenn es solche Männer gab. Ähnliches gilt für die Familien, die aus katholischen Gebieten in die Großstadt zogen. Hier gab es keine Großfamilie mehr wie im angestammten Dorf, die Schutz gewährte, sondern alles konzentrierte sich auf den Familienvater, dem der tugendhafte Josef als Vorbild dargestellt wurde, ob in Predigten oder in Josephsstatuen. Wenn eine katholische Kirche dem heiligen Joseph geweiht ist, kann man davon ausgehen, dass diese Kirche in der Zeit der Industrialisierung gebaut wurde. Sein Fest wird am 19. März gefeiert. Dann haben viele Katholiken Namenstag. Denn wenn jemand den Vornamen Joseph trägt, kann man oft davon ausgehen, dass er aus einem gut katholischen Elternhaus stammt. Dass der Heilige am 1. Mai als Patron der Handwerker und Arbeiter im Jahr 1955 ein eigenes Fest bekommen hat, stellt ihn neben Johannes den Täufer, die heiligen Petrus und Paulus, die auch über zwei Feste im Jahresablauf verfügen. Im 19. Jahrhundert wird die Heilige Familie in den Mittelpunkt der Frömmigkeit gestellt. In den USA fördert die katholische Kirche den Familiengedanken, weil die Einwanderer in der Familie erst einmal das einzig tragfähige soziale Netz haben, ehe sie über die Kirchengemeinden in die Nachbarschaft integriert werden. Noch heute zählen die Pfarreien nicht wie in Deutschland die „Seelen“, sondern die Familien. So entwickelt sich im 19. Jahrhundert die Verehrung der Heiligen Familie. 1920 legte Benedikt XV. das Fest auf den Sonntag nach Weihnachten, weil an dem Sonntag das Evangelium vom zwölfjährigen Jesus im Tempel gelesen wird, der im Lukasevangelium steht. Mit 12 Jahren wird der jüdische Junge Vollmitglied der Synagogengemeinde. Jesus bleibt, während seien Eltern schon aufgebrochen sind, in Jerusalem, um mit den Schriftgelehrten zu diskutieren. Seine Eltern „meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.“ Lukas 2, 44-51 Dieser Text gibt am meisten Einblick in das Familienleben und zeigt, wie die Eltern sich gemeinsam um den Sohn sorgen. Davon ist die Verehrung des Heiligen geprägt. Dass Joseph mehrfach im Traum einen Auftrag erhält, so, sich nicht von Maria zu trennen oder mit der Mutter und dem Kind nach Ägypten zu fliehen, zeigt, dass er für seine besondere Aufgabe ausgewählt worden ist.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ